Die Prognosen sehen düster aus

Experten warnen: Flut war erst der Anfang

Am Morgen des 15. Juli lief die Wuppertalsperre unkontrolliert über. Doch die Sperren haben vermutlich Menschenleben gerettet. Foto: Axel Richter
+
Am Morgen des 15. Juli lief die Wuppertalsperre unkontrolliert über. Doch die Sperren haben vermutlich Menschenleben gerettet.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
    schließen

Wupperverband kontert Kritik: Weiteres Ablassen der Talsperren hätte zu riesiger Welle geführt.

Remscheid. Michael Zirngiebl, Chef der Technischen Betriebe Remscheid (TBR), ist ein gelassener Mann. Über so einige Aussagen, die er nach dem Hochwasser vom 14. Juli aufschnappte, ärgert er sich aber heute noch: „Es reicht für die Zukunft eben nicht, ein bisschen Grün in die Stadt zu bringen und Flächen zu entsiegeln“, erklärte er mit Blick auf die bisherigen Bemühungen, sich vor Hitze und Flut zu schützen. „Was wir erlebt haben, sind die Folgen des Klimawandels. Und der ist erst an seinem Anfang.“

Am Anfang einer Entwicklung, dem der Mensch nur wenig entgegenzusetzen hat. Selbst die Talsperren konnten nicht verhindern, dass Teile Wuppertals und Solingens überschwemmt werden. Im Ausschuss für die Technischen Betriebe sorgte das jetzt für kritische Nachfragen, doch der Wupperverband bat um Verständnis: „Talsperren können viel Gutes tun. Wunder können sie aber nicht bewirken.“

Bis zu 160 Liter Regen gingen flächendeckend über dem Einzugsgebiet der Wupper nieder

Nach den ersten Wetterprognosen von Sonntag, 11. Juli, hatten die Verantwortlichen nach eigener Darstellung bereits am Montag, 12. Juli, damit begonnen, vermehrt Wasser aus den Brauchwassertalsperren abzulassen, um Platz zu schaffen. Für das, was dann vom Himmel fiel, sollte das jedoch nicht reichen. Bis zu 160 Liter Regen gingen flächendeckend an jenem Mittwoch über dem 813 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet der Wupper nieder. Das entspricht einem Zehntel der Menge, die normalerweise in einem ganzen Jahr über Remscheid fällt. Um diese Massen zu speichern, hätten die Wasserwerker die Wuppertalsperre in kürzester Zeit um mehr als die Hälfte ihres Inhaltes entleeren müssen.

„Dazu reichte die Zeit gar nicht aus“, erklärte im Ausschuss Marc Scheibel, beim Wupperverband verantwortlich für die Wassermengenwirtschaft und den Hochwasserschutz. „Und selbst wenn es machbar gewesen wäre, dann hätte das zu einer riesigen Welle geführt, die sowohl die Unterlieger als auch Kanufahrer und Angler in Lebensgefahr gebracht hätte.“ Stattdessen liefen die Wupper- und auch die Bevertalsperre in der Nacht unkontrolliert über. „Irgendwann ist die Wanne voll“, hielt Marc Scheibel fest.

Als Erstes bekamen das die Menschen in Beyenburg zu spüren. Dann die in Wuppertal, dann die in Solingen-Burg. Dass es dabei im Bergischen Land keine Toten gab, sei ein Verdienst der Talsperren. In Remscheid wurden nun Konzepte für die sieben Hochwasser-Hotspots entwickelt. Die Flut zeige aber auch auf: „So etwas kriegen wir auch mit all unserer Technik nicht hin.“

„Irgendwann ist die Wanne voll.“

Marc Scheibel, Wupperverband

Stattdessen sei es an der Zeit, Konsequenzen zu ziehen, verlangte TBR-Chef Zirngiebl. „Das heißt, wir müssen auch unsere Siedlungsstrukturen ändern.“ Und zwar auch in weniger gefährdeten Bereichen, denn Fachleute wissen: Die ersten drei Zentimeter Wasser sind die teuersten. „Dann ist die Elektrik kaputt und die Wände ziehen Wasser“, hieß es im Ausschuss vom Ingenieurbüro Teamplan, das für die Stadt ein Konzept zum Starkregen-Risikomanagement erstellt hat. Alte Deponie besteht Stresstest im Starkregen.

Allen Warnungen zum Trotz liegen heute in Remscheid einige Neubaugebiete in flutgefährdeten Bereichen. Hintergrund: Der Stadt fehlt Bauland für junge Familien. Und: „Der Immobilienmarkt ist von Investoren getrieben“, hielt Michael Zirngiebl fest: „Wenn aber der Regen fällt, sind die Investoren weg.“

Hier können Sie für Remscheider spenden und helfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Remscheider wird bei Raub schwer verletzt
Remscheider wird bei Raub schwer verletzt
Remscheider wird bei Raub schwer verletzt
Polizei sucht Zeugen der neuen Bluttat
Polizei sucht Zeugen der neuen Bluttat
Polizei sucht Zeugen der neuen Bluttat
Kaffeepause bringt Honsberger zusammen
Kaffeepause bringt Honsberger zusammen
Kaffeepause bringt Honsberger zusammen
Corona: Sieben-Tage-Inzidenz bleibt bei 28,7 - Keine Neuinfektionen
Corona: Sieben-Tage-Inzidenz bleibt bei 28,7 - Keine Neuinfektionen
Corona: Sieben-Tage-Inzidenz bleibt bei 28,7 - Keine Neuinfektionen

Kommentare