Einnahmen eingebrochen

Existenzkampf in Coronazeiten: „Ich weiß nicht, ob ich 2020 überlebe“

Kai Mosner (39) führt seit 2011 das Telekommunikationsgeschäft Highspeed Media an der unteren Allee. Viel verlagert sich nun ins Internet. Foto: Roland Keusch
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Kai Mosner (39) führt seit 2011 das Telekommunikationsgeschäft Highspeed Media an der unteren Allee. Viel verlagert sich nun ins Internet.

Kai Mosner, Inhaber von Highspeed Media an der Alleestraße, über den Existenzkampf in Coronazeiten.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Sein Verlust geht jetzt schon in die 50.000 Euro: Die Corona-Pandemie hat Händler Kai Mosner (39) hart getroffen. Er führt seit 2011 in der Alleestraße 52 das Telekommunikationsgeschäft Highspeed Media – und blickt nun angesichts der aktuellen Lage in eine düstere Zukunft. „Ich weiß nicht, ob ich 2020 überlebe. Ich schaue mir die Zahlen Ende Dezember an und überlege dann, was ich mache.“ Während des Lockdowns seien seine Einnahmen um rund 70 Prozent eingebrochen, derzeit seien es sogar 80.

„Es lief recht gut bis zum Lockdown“, sagt der gelernte Maler und Lackierer, der 2007 in die Telekommunikationsbranche wechselte – zunächst als Angestellter, 2011 übernahm er das Geschäft, das damals noch ein Versatel-Shop war, und benannte es in Highspeed Media um. 2016/2017 habe er den Laden noch von einem Schreiner für viel Geld umbauen lassen. „Im Schnitt hatte ich früher im Monat 13 000 bis 15 000 Euro Umsatz. Es gab auch schon mal Monate, die weit darüber lagen“, erzählt der Remscheider offen. Als er nach dem Lockdown wieder eröffnen durfte, blieben die Kunden jedoch weg. „Der Sommer war eine Katastrophe. Im Mai und Juni hatte ich zusammen 5000 Euro Umsatz. Die Leute sind sehr vorsichtig.“ Seinen Mitarbeiter Oliver Hippler wollte er auf keinen Fall entlassen. Er arbeitet nun auf geringfügiger Basis.

Soforthilfe des Landes NRW beantragt

Deshalb und weil er sonst nicht durch die Krise kommen würde, hat Kai Mosner die Soforthilfe des Landes NRW beantragt – und später auch erhalten. Einmal 9000 und einmal 9111 Euro. Davon konnte er seinen Mitarbeiter weiter beschäftigen und die Miete zahlen, laufende Kosten decken. „Mein Vermieter ist mir im Lockdown zum Glück entgegengekommen.“ In der Zwischenzeit opferte er sein Erspartes, lieh sich Geld von Freunden, ging zu Fuß, anstatt mit dem Auto zu fahren. „Ich muss ja auch privat meine Miete und meinen Strom bezahlen“, sagt der Familienvater.

Denn kein Umsatz, kein Einkommen. In der Krise erhielt er von Internet- und Telefonanbieter 1&1 dann das Okay, Online-Werbung betreiben zu dürfen. Er baute eine Website auf, startete Kampagnen im Internet. „Ich setze jetzt alles auf Online“, gibt er unumwunden zu, weil kaum noch jemand persönlich in den Laden komme. Eine Abfrage am 7. Oktober ergab: 2 Aufträge an der Allee, 48 im digitalen Laden. Er wisse, dass dieses Thema ein rotes Tuch für viele Händler sei. Die Telekommunikationsbranche könne man allerdings nicht mit anderen vergleichen. „Meine Branche ist echt schwierig.“ Sein zweites Geschäft in Gevelsberg hat er geschlossen.

Kai Mosner und Oliver Hippler beraten die Kunden aber auch weiter am Telefon oder im Laden. Diese informieren sich zu Tarifen oder buchen Festnetz- und Handyverträge. Auch das Einrichten von Smartphones oder der Austausch von defekten Handys zählt zum Leistungsangebot. „Ich mag den Kundenkontakt“, sagt Mosner.

„Jeder kocht hier sein eigenes Süppchen.“ 

Kai Mosner beklagt den fehlenden Zusammenhalt der Händler

Von einem verkaufsoffenen Sonntag am 29. November, wie ihn die Stadt plant, hält er indes nichts. „Aus meiner Sicht lohnt sich das nicht. Es verlagert sich nur. Öffne ich sonntags, kann ich den Montag, Dienstag und Mittwoch vergessen.“ Ja, der Einzelhandel brauche jeden Cent, das sei klar. „Aber in der Coronakrise sonntags in die Stadt rennen – dann hält sich vermutlich wieder niemand ans Abstandsgebot, wie zuletzt bei der Demo auf dem Rathausplatz“, kritisiert der Mann, der eine Facebook-Gruppe leitet und nie ein Blatt vor den Mund nimmt. Damit macht er sich nicht nur Freunde.

Mosner ist Remscheider, liebt seine Stadt. Aber die darbende Allee macht ihn traurig. Er sei Mitglied in der Immobilien- und Standortgemeinschaft, habe bei der Aktion „Heimatshoppen“ und der Umfrage zur Umgestaltung der Haupteinkaufsstraße mitgemacht. Dennoch sagt er: „Es passiert zu wenig. Es wird alles schöngeredet.“ Als er 2007 anfing, sei das Geschäft noch eine 1-a-Lage gewesen. „Jetzt ist es nicht mal mehr 1c.“ Zudem beklagt er den mangelnden Zusammenhalt. „Jeder kocht hier sein eigenes Süppchen.“ Viele Eigentümer hielten die Füße still, warteten auf die Revitalisierung der Allee.

Kunden sollten sich für ihre Heimatstadt einsetzen

Kunden sollten sich zudem für ihre Heimatstadt einsetzen, findet er. „Das Umdenken geht erst dann, wenn die Leute in die Stadt kommen. Wenn sie aber lieber ins Outlet-Center nach Roermond fahren, brauchen sie sich über nichts wundern.“

Musik

Nebenbei ist Kai Mosner als Musiker unterwegs. Das DJ-Duo „Ferryn&Moses“ könne derzeit kaum auflegen, eigentlich sei man bis Sommer 2021 ausgebucht gewesen. Dann kam Corona. Immerhin erfreulich: Das neue Album „From AM to PM“ verzeichne mittlerweile 52 000 Streams.

Die Unternehmen im bergischen Städtedreieck sehen in der Krise einen ersten Silberstreif am Horizont. Das ist das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der bergischen IHK.

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