Energie

EWR: Einige Stromkunden haben falsche Bescheide bekommen

Stromzähler: Energie wird teurer.
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Jede Kilowattstunde wird teurer. In Remscheid hat es offenbar bei der EWR einen Fehler in der Berechnung gegeben.
  • Frank Michalczak
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Der Energieversorger EWR hat Bescheide verschickt, in dem die Kunden erfahren, wie teuer der Strom 2023 für sie wird. Doch in einigen hat sich ein Fehler eingeschlichen. Dazu ein Kommentar von Frank Michalczak.

Remscheid. Rund 17.000 Haushalte haben zuletzt einen Brief vom Energieversorger EWR erhalten, in dem sie erfuhren, wie teuer der Strom 2023 wird. Die Abschläge wurden zumeist deutlich erhöht. Doch: In etlichen Bescheiden hat sich ein Fehler eingeschlichen, räumt Unternehmenssprecher Klaus Zehrtner ein.

„Wir kennen noch nicht die Dimension. Bis Mitte nächster Woche wissen wir Näheres“, kündigt er nun Sonderschichten der Belegschaft an.

So viel zeichnet sich ab: Die betroffenen Kundinnen und Kunden müssen weniger zahlen als im Bescheid steht. Entsprechend wird der Abschlag neu angepasst. Und: Es bestehe kein Grund zur Sorge, dass der falsche Betrag abgebucht wird. „Die Abschlagsänderung gilt ja erst ab 1. Januar“, erklärt Zehrtner.

Viele Beschwerden: Mit so starker Steigerung hatten viele Kunden nicht gerechnet

Wie es zu der Panne im Rechnungswesen kommen konnte, werde seit gestern erkundet. Aufgefallen war das Ganze, weil sich immer mehr Menschen bei der EWR meldeten, die zwar mit einer Preisanhebung gerechnet hatten – aber nicht in der Höhe, die ihnen mitgeteilt wurde.

Manchen erschien die Berechnung offenbar nicht schlüssig, die auf der Grundlage des Stromverbrauchs des letzten Jahres und der allgemeinen Kostensteigerung bei der Strombeschaffung basiert. „Wir hatten eine erhöhte Reaktion von Anrufern“, schildert Klaus Zehrtner das Geschehen an der Hotline.

Lesen Sie auch: Nachzahlung? Hilfsanspruch bei hohen Heizkosten

Falsche Preise: Das könnte der Grund sein

Möglicherweise hänge die Panne auch mit der Komplexität zusammen, die immer neue Vorgaben der Politik mit sich bringe. Permanent seien die Energieversorger damit konfrontiert, veränderte Indikatoren zu beachten. Quasi im Tagestakt gelte es, veränderte Preisbestandteile zu kalkulieren. Dies könne zu einer Überforderung des Rechensystems geführt haben. „Wir haben das vor dem Versenden der Briefe natürlich getestet und auch die Plausibilität von Bescheiden geprüft. Was schlussendlich zu den Fehlern geführt hat, müssen wir noch feststellen.“

Die betroffenen Kunden würden mit einem erneuten Schreiben informiert. Dabei verweist der Unternehmenssprecher darauf, dass „landauf, landab“ die Stromkosten steigen. Beim EWR-Tarif Strom Fix erhöht sich für einen Kunden mit einem Jahresverbrauch von 3200 Kilowattstunden der Abschlag 2023 um 54 Euro monatlich, nennt der Energieversorger ein Beispiel.

Energiekrise: So ist der aktuelle Stand in Remscheid

Intensiv beschäftigte sich auch der Stadtrat am Donnerstag mit den Folgen der Energiekrise. Stadtwerke-Chef Prof. Dr. Thomas Hoffmann zeigte sich zuversichtlich, dass die Gasmangellage bewältigt werden könne - unter bestimmten Bedingungen.

Voraussetzung seien ein wärmerer oder zumindest durchschnittlicher Winter und Einsparungen beim Verbrauch von 15 bis 20 Prozent. „Es geht in die richtige Richtung“, erklärte Hoffmann. „Aber wir dürfen den Fuß nicht vom Gaspedal nehmen“, fügte er mit Blick auf den Winter 2023/2024 hinzu.

Auch in Remscheid gebe es Indizien, wonach die Privatleute und Betriebe Energie sparen – wobei aber angesichts des milden Wetters der vergangenen Wochen Vergleiche zu den Vorjahren nur schwer zu ziehen seien. Um ein größtes Maß an Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sei es wichtig, kurzfristig alle Kapazitäten zu nutzen, wobei auch die Stromlieferungen von Atomkraftwerken aus Frankreich einen hohen Stellenwert hätten. Strommangel stelle „ein gewisses Risiko“ dar. Deswegen sei es wichtig, dass sich Städte auf Notfallszenarien einstellen.

Hotline der EWR

Nicht nur wegen fehlerhafter Bescheide bereiten die EWR ein Schreiben vor. In einem weiteren Brief will der Energieversorger die Kunden über die „Dezember-Hilfe“ informieren, bei der vom Staat eine Abschlagszahlung beim Gas übernommen wird. Weitere Informationen zu diesen und anderen Themen gibt es auch an der EWR-Hotline: Tel. (08 00) 0 16 41 64.

Lesen Sie auch: So gehen die Stadtwerke mit Energiekunden um, die nicht zahlen

Standpunkt von Frank Michalczak: Fehler zur Unzeit

frank.michalczak@rga.de

Fehler können geschehen. Doch: Über diese folgenschwere Panne werden sich die Mitarbeitenden beim Energieversorger EWR ganz besonders ärgern. Denn dass offenbar zahlreiche Stromabschläge für 2023 falsch berechnet wurden, fällt ausgerechnet in eine Zeit, in der zahlreiche Kunden ohnehin schon verunsichert genug und viele überfordert sind. Sie werden losgelöst vom falschen Bescheid in jedem Fall deutlich mehr bezahlen müssen, was richtigerweise durch Beschlüsse der Politik abgefedert wird.

Die Strom- und Gaspreisbremsen und die Ausweitung des Wohngeldanspruchs im kommenden Jahr sind dafür zwei Beispiele. Am Ende werden aber auch diese Entlastungen nicht ausreichen, um die explodierenden Energiekosten zu begleichen. Otto Normalverbraucher hilft deshalb nur eines: auf Strom- und Gasverbrauch zu verzichten, wann immer dies möglich ist. Und: Das Sparen trägt zusätzlich zur Versorgungssicherheit bei – in unsicheren Zeiten wie diesen.

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