Belastungsgrenze

Es wird zunehmend eng an den Schulen in Remscheid

Am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung (oben) und am Berufskolleg Technik (unten) existieren bereits Internationale Förderklasse. Das Käthe-Kollwitz-Berufskolleg könnte bald eine bekommen.
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Am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung (oben) und am Berufskolleg Technik (unten) existieren bereits Internationale Förderklasse. Das Käthe-Kollwitz-Berufskolleg könnte bald eine bekommen.

Schulrätin berichtet im Ausschuss über die Vermittlung zugewanderter Kinder.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Die Beschulung zugewanderter Kinder, unter anderem aus der Ukraine, bringt die Remscheider Schulen langsam aber sicher an ihre Belastungsgrenze. Das machte Schulrätin Heike Adolf nun im Schulausschuss deutlich: Bis September habe man annähernd 300 Schülerinnen und Schüler an den verschiedenen Schulen untergebracht – und ein Ende sei derzeit nicht in Sicht.

So gebe es aktuell zumindest im Innenstadtbereich nahezu keine Grundschulklasse mehr, die nicht schon mit 29 oder gar 30 Schülern besetzt ist, berichtete Adolf. Auch die meisten Willkommensklassen an den weiterführenden Schulen seien voll. „Da zeichnet sich schon wieder der nächste Engpass ab.“ Denn aktuell ständen allein rund 20 Grundschulkinder auf der Warteliste. „Und es zeichnet sich ja weitere Zuwanderung ab.“ Nicht nur aus der Ukraine, sondern zum Beispiel auch aus Bulgarien, Nordmazedonien, Syrien und dem Iran.

„Ich glaube schon, dass wir noch Reserven haben.“

Schulrätin Heike Adolf

Bis September hätten Schulamt und Kommunales Integrationszentrum (KI) zusammen rund 130 zugewanderte Grundschüler vermittelt, so Heike Adolf, darunter etwa 60 Ukrainer. Im Bereich der Sekundarstufe I waren es 110 Schülerinnen und Schüler, darunter 60 aus der Ukraine. Hinzu kommen etwa 45, davon 30 aus der Ukraine, die derzeit in sogenannten Internationalen Förderklassen (IFK) an Berufskollegs unterrichtet werden, weil sie zu alt für die Sek I, aber noch schulpflichtig sind.

Eine besondere Herausforderung seien zudem Schüler mit Förderbedarf, erklärte die Schulrätin. Da dieser Bedarf bei Ankunft meist noch nicht ausreichend dokumentiert sei, müsse man die quasi auf Verdacht an Förderschulen unterbringen. In diesem Bereich sind die Zahlen zwar deutlich geringer, die Hilda-Heinemann-Schule nahm bis September zum Beispiel sechs Schüler auf, für diese Schulform sei das aber enorm viel, so Adolf: „Da ist das ja schon eine halbe Klasse.“

Karsten Neldner: „Schulen stehen unter großem Druck“

Von einem Zusammenbruch sei man noch weit entfernt, beruhigte die Schulrätin die Ausschussmitglieder: „Ich glaube schon, dass wir noch Reserven haben.“ So sei die am Käthe-Kollwitz-Kolleg geplante IFK bisher noch nicht eingerichtet worden, an anderen weiterführenden Schulen seien weitere Willkommensklassen denkbar. Es gelte, das Thema „genau in den Blick“ zu nehmen und auch neue Ideen zuzulassen: „Im Mai haben wir noch Willkommensklassen für Grundschulen ausgeschlossen.“ Inzwischen denke man zumindest darüber nach. „Eventuell müssen wir umsteuern.“ Zudem brauche man mehr Personal. An den Grundschulen gebe es zum Beispiel neu eingerichtete Integrationsstellen. Die habe man bisher aber nicht alle besetzen können.

Erster Schritt für die zugewanderten Kinder und ihre Familien sei immer ein Beratungsgespräch im KI, machte Heike Adolf deutlich. Anschließend entscheide man gemeinsam und anhand verschiedener Kriterien darüber, welche Schule die richtige sei. Dabei berücksichtige man unter anderem die bisherige Bildungsbiografie und den Wohnort des Kindes. Das Gespräch im KI sei „der allerwichtigste Schritt“, betonte Adolf: „Nur so können wir das möglichst gerecht verteilen.“

In der Regel erhalte in Remscheid jedes Kind und jeder schulpflichtige Jugendliche innerhalb von vier Wochen nach Ankunft einen Platz an einer Schule, berichtete Heike Adolf. Dass das vielen nicht schnell genug gehe, dafür habe sie Verständnis: „Aber wenn wir das zielführend machen wollen, müssen wir auch schon mal Geduld haben.“

Hintergrund

Willkommensklassen sind eigene Lerngruppen für zugewanderte Kinder und Jugendliche. Ziel ist es, dass diese so schnell wie möglich die deutsche Sprache lernen und dann in die regulären Klassen der Schule integriert werden.

International Förderklassen sind für Flüchtlinge gedacht, die zu alt für die 10. Klasse aber noch nicht 18 Jahre alt sind. Ziel ist, neben Spracherwerb, die Vorbereitung auf eine Ausbildung und der Erwerb eines Schulabschlusses.

Passend zum Thema: Remscheid investiert 44 Millionen Euro in fünf Grundschulen und eine Förderschule

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