Pandemie

Erzieherinnen wollen früher geimpft werden

Ulrike Venn, Leiterin der Kita Fürberg, ist unzufrieden mit den unkonkreten Aussagen vom Land.Foto: Roland Keusch
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Ulrike Venn, Leiterin der Kita Fürberg, ist unzufrieden mit den unkonkreten Aussagen vom Land.Foto: Roland Keusch

Wenige Eltern behalten ihre Kinder daheim: In den Tagesstätten wächst die Sorge vor Corona

Von Katharina Birkenbeul

Remscheid. Konkrete Aussagen und Perspektiven beim weiteren Kita-Betrieb und beim Schutz der Erzieher vor dem Coronavirus. Das wünscht sich Ulrike Venn, Leiterin der Kindertagesstätte Fürberg. Doch auch bei den Gesprächen von Bund und Ländern am vergangenen Mittwoch blieb dies im gewünschten Umfang aus. Bisher scheint es, als bliebe es vorerst noch bei dem eingeschränkten Regelbetrieb.

„Ganz ehrlich: Wir sind genervt“, sagt Venn und bezieht sich dabei gleichermaßen auf die Eltern wie auch die Erzieher. Zwar würde das Ministerium immer wieder Lob für die Arbeit der Erzieher aussprechen, aber das helfe nicht, die Probleme während der Krise aus der Welt zu schaffen. „So langsam wird es für mich als Leitung auch schwer, da Ruhe reinzubringen für die Erzieher.“

Die Mitarbeiter der Kindertagesstätten würden ihrer Arbeit wie zuvor nachgehen, ohne Masken, ohne Abstand. „Das bereitet einem schon Sorge, wie lange wir noch quarantänefrei bleiben können, wie wir die Kinder und uns schützen können.“ Die kleinen Kinder könnten aber nicht auf Distanz gehalten werden.

Derzeit betreue die Kita Fürberg tageweise bis zu 40 von 68 Kindern – sukzessive seien immer mehr Kinder seit Dezember dazugekommen. Dies entspräche in der normalen Krankheitssaison mit Grippe, Schnupfen und Co. sogar dem normalen Betrieb. „Einige Kinder haben wir von uns aus in die Einrichtung geholt, weil wir merken, dass es zu Hause nicht viel länger möglich wäre, aber manche Eltern bringen ihre Kinder auch, obwohl sie ihre Kleinen selbst betreuen könnten“, erklärt Venn. Den Appell, die Kinder wenn möglich zu Hause zu lassen, beherzten nur wenige.

Zwar sei jetzt die Möglichkeit für die Erzieher da, sich bis Ostern sechsmal mit Schnelltests testen zu lassen. „Aber das gibt keine ausreichende Sicherheit. Am nächsten Tag könnte das Ergebnis schon wieder ganz anders aussehen.“ Deshalb sei es wichtig, dass Erzieher und Lehrer schnell geimpft werden und nicht erst, wie vorausgesagt, im Juni. Besonders, weil auch Kita-Mitarbeiter Kinder und pflegebedürftige Eltern haben, die geschützt werden müssen.

Auch Heike Schmidt, Leiterin der Kita Vieringhausen, sieht die Schnelltests als fragwürdig an. „Am besten werden die Erzieher geimpft, bevor alle Kinder wieder in den Gruppen zusammenkommen.“ Beim Betrieb der Kita, mit einer derzeitigen Auslastung von 50 bis 60 Prozent, stehe sie immer zwischen der Betreuungspflicht der Kinder und der Sorge um die Gesundheit.

Sozialdezernent Thomas Neuhaus begrüßt die erhöhten Testmöglichkeiten für Erzieher und auch die mögliche Einstufung in die zweite Impfkategorie. „Wenn Kinder in die Kitas gehen sollen, müssen wir auch die Erzieher schützen.“ Wann genau geimpft werde, läge aber nicht in der Hand der Stadt, dafür bräuchte es Beschlüsse vom Land.

Standpunkt

katharina.birkenbeul@rga-online.de

Ein Kommentar von Katharina Birkenbeul

So schön es sich anhört, dass Schulen und Kitas die oberste Priorität haben und so schnell wie möglich öffnen sollen. So frustrierend ist es, dass die Konzepte, die dahinterstehen, immer noch ausbaufähig sind. Nach nun beinahe einem Jahr, in dem wir mit dem Coronavirus leben. Erzieher sollen sich öfter testen lassen, im Raum steht zweimal die Woche, aber wer soll das durchführen? Lehrer und Kita-Mitarbeiter sollen in die Impfgruppe 2 hochgestuft werden. Bis diese Personen geimpft werden, vergehen aber vermutlich noch einige Wochen, vielleicht Monate. Wie sollen dann sicher alle Kinder innerhalb kürzester Zeit wieder in die Einrichtungen zurückkehren? Und wann kommen überhaupt die Beschlüsse für die beiden wichtigen Instrumente gegen das Coronavirus in den Kitas? Nach so langer Zeit bedarf es in diesem Bereich überdachte und sinnvolle Handlungen und konkrete Aussagen statt langer Reden der zuständigen Minister.

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