Zu wenig Fachkräfte

Warnstreik: Erzieherinnen fordern Respekt für ihre Arbeit

Ulrike Venn (l.) bei der Kundgebung vor dem Rathaus: Die Beschäftigten fordern mehr Geld, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Engagement bei der Nachwuchsförderung. Foto: Roland Keusch
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Ulrike Venn (l.) bei der Kundgebung vor dem Rathaus: Die Beschäftigten fordern mehr Geld, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Engagement bei der Nachwuchsförderung.

Warnstreik in den städtischen Kindertageseinrichtungen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Verdi macht Druck in der aktuellen Tarifrunde für kommunale Beschäftigte in Sozialberufen: Am Dienstag rief die Gewerkschaft die Mitarbeiter der städtischen Kitas zu einem eintägigen Warnstreik auf – symbolträchtig am Weltfrauentag, in einem Beruf, in dem die absolut überwiegende Mehrheit der Angestellten weiblich ist.

Weltfrauentag: „Wir können die Welt lebenswerter machen“

Dutzende Erzieherinnen und einige wenige Erzieher waren zur zentralen Kundgebung vor das Rathaus gekommen. Bei klirrender Kälte berichteten einige vom Alltag in den Einrichtungen. Der Aufwand in der täglichen Arbeit steige seit Jahren, die Herausforderungen würden immer größer. „Die Kolleginnen und Kollegen sind gerne bereit, diese anzunehmen“, sagte Ulrike Venn von der Kita Fürberg. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Arbeitgeber die Forderung der Beschäftigten ernst nähmen.

Das fordern die Streikenden

Neben einem Gehaltsplus fordern die Arbeitnehmervertreter vor allem bessere Arbeitsbedingungen und Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung. Heute schon würden über 170.000 Fachkräfte in den Kindergärten fehlen, zitierte Silke Iffländer von Verdi aus einer Untersuchung ihrer Gewerkschaft. Das liege auch an der mangelnden gesellschaftlichen Anerkennung dieser Berufe: „Immer noch werden Berufe, die mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden, schlechter bezahlt und genießen weniger Ansehen.“

Der Warnstreik sei in der aktuellen Situation intern durchaus kontrovers diskutiert worden, berichtet Silke Iffländer im Gespräch mit dem RGA. Schließlich treffe er auch die Eltern, die bereits überproportional unter Corona leiden würden. Doch die Forderungen der Beschäftigten, zum Beispiel ausreichend Zeit für pädagogische Vor- und Nacharbeiten, seien ja im Sinne der Eltern: „Unter den jetzigen Bedingungen ist es fast unmöglich, gute Arbeit zu leisten.“

Bestreikt wurden nur städtische Einrichtungen. Die Abschlüsse der Tarifrunde, die Ende März in Potsdam fortgesetzt wird, werden zwar auch von den meisten anderen Trägern übernommen, formal betroffen von den Verhandlungen sind aber nur die Beschäftigten von Städten und Gemeinden. Die konkreten Auswirkungen auf Einrichtungen seien dabei höchst unterschiedlich, erklärt Verdi-Vertreterin Silke Iffländer, viele hätten individuelle Lösungen mit den Eltern gefunden. Grundsätzlich entwickle ein solcher Streik aber eine gewisse Schlagkraft: In den städtischen Kitas seien deutlich mehr als die Hälfte der Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert.

Die Kundgebung auf dem Theodor-Heuss-Platz stand auch im Zeichen des Kriegs in der Ukraine. Die Teilnehmer gedachten den Opfern mit einer Schweigeminute und sammelten Geld. Und erinnerten daran, dass die Flüchtlinge aus der Ukraine, darunter viele Frauen mit Kindern, die Kitas zusätzlich belasten. Wie schon 2015 seien die Kolleginnen und Kollegen bereit, ihren Beitrag zu leisten, betonte Silke Iffländer. Und diese Arbeit verdiene Respekt und Anerkennung.
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