Praktische Fahrerlaubnisprüfungen

Remscheider Fahrschüler sollen jetzt auch samstags geprüft werden

Fahrschüler sollen ihren Lappen bald wieder schneller erreichen können – problematisch waren die Prüftermine.
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Fahrschüler sollen ihren Lappen bald wieder schneller erreichen können – problematisch waren die Prüftermine.

Die Stimmung zwischen Tüv und Fahrschulen ist seit langem angespannt.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass sich Remscheider Fahrlehrer im RGA beklagten: Damals lag die Wartezeit für Prüfungen von Führerscheinanwärtern bei acht Wochen. Der TÜV als Prüfstelle kam aus verschiedenen Gründen nicht hinterher. Das ist bis heute so. Die Situation hat sich seitdem sogar noch verschärft. Zuletzt gab es Fahrschüler, die bis zu 16 Wochen auf ihren Prüftermin warten sollten. Das berichtet Kurt Bartels vom Fahrlehrerverband Nordrhein, in dem auch Remscheid organisiert ist. Normal waren immer drei Wochen Vorlauf, Fahrlehrer berichten auch von zwei.

Die mehrmonatige Wartezeit soll jetzt schleunigst reduziert werden. Der TÜV Rheinland begegnet dem Problem seit dieser Woche: Er prüft ab sofort in vielen Städten in Nordrhein-Westfalen auch samstags. Remscheid gehört dazu, wie Pressesprecher Wolfram Stahl auf RGA-Anfrage bestätigt: „Die Maßnahme ist letzten Samstag angelaufen.“ Mindestens achtmal soll es den sechsten, praktischen Prüfungstag geben, um die angespannte Situation zu verbessern.

Die Probleme, die sich aus den überbordenden Wartezeiten ergeben, sind vielfältig. Dass die Anwärter ihren Führerscheinerwerb nicht mehr kalkulieren können, ist nur eine Sorge. Für sie wird es auch teurer und teurer. Im Fokus stehen aktuell vor allem Motorradschüler: Deren Prüfungen müssen durch sein, ehe der Winter ausbricht. Sie werden aktuell prioritär behandelt. Bartels selbst kennt Motorrad-Fahrschüler, die eigentlich erst im Februar geprüft werden sollten: „Wenn ich die jetzt samstags prüfen kann, entzerrt das die Situation natürlich.“

„Alle Beteiligten wollen die Kuh vom Eis haben.“

Kurt Bartels, Fahrlehrerverband

Die Gründe für die derzeitigen Probleme haben viele Wurzeln. Der TÜV selbst benennt allen voran die Pandemie: Man schiebe nach Lockdowns eine Bugwelle an Schülern vor sich her. Die Lage verschärfe, dass bis zu 15 Prozent der vereinbarten Termine wegen Corona-Erkrankungen kurzfristig nicht wahrgenommen werden würden. Das seien 10 Prozent mehr kurzfristige Absagen als üblich, so Stahl. Und mehr noch: „Teilweise werden mehr als 50 Prozent der Termine zurückgegeben.“ Die Fahrschulen seien dazu übergegangen, über den wirklichen Bedarf hinaus zu buchen. Stahl: „Wenn Termine zurückgegeben werden, können wir meist nicht mehr umdisponieren. Deshalb telefonieren wir die Fahrschulen momentan ab, um den wirklichen Bedarf zu erfragen.“

Führerscheinprüfung: Fragenkatalog ändert sich noch 2022 

Man arbeite den Stau generell längst ab, sagt Stahl: Von Januar bis einschließlich September habe man mehr praktische Prüfungen abgenommen „als jemals zuvor in diesem Zeitraum“. Umschreiber ausländischer Führerscheine und mehr Zweitversuche von Schülern erhöhten zudem den Bedarf: Laut Stahl sei die Nachfrage derzeit 10 Prozent höher als prognostiziert. Während auf der anderen Seite das Angebot einfach nicht groß genug sei, beklagen Experten. Der TÜV habe es versäumt, genügend Prüfer auszubilden. Auch gesetzliche Hürden seien zu groß: Wer Prüfungen abnehmen möchte, muss unter anderem Ingenieur sein.

Bartels, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands, sieht in der TÜV-Maßnahme eine vernünftige Lösung. Alle Beteiligten hätten sich intensiv bemüht, die Fahrlehrer ob der unhaltbaren Zustände seit langem protestiert. Nun gehe die Prüfstelle die richtigen Schritte: „Alle wollen die Kuh vom Eis haben. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass uns der sechste Prüfungstag nach vorne bringt.“ Es müsste aber auch alles anlaufen, wie geplant.

Perspektivisch wolle man den sechsten Prüfungstag in ganz NRW anbieten, so der TÜV. Man sei bestrebt, wieder auf drei Wochen Vorlaufzeit zu kommen. Das wäre wieder kalkulierbar.

Blick in die Nachbarschaft

Wuppertal: Die Lage in den anderen bergischen Städten ist nicht besser. Im Tal demonstrierten am Wochenende die Fahrschulen, ein Autokorso mit über 50 Fahrschulautos machte sich vom Straßenverkehrsamt auf den Weg durch die Stadt. Wunsch- und realer Termin weichen derzeit 77 Tage voneinander ab.

Wermelskirchen: In der Nachbarstadt bemängelten Fahrlehrer zuletzt, dass die zusätzlichen Samstage vorerst nur in größeren Städten geplant seien. Die Maßnahme verändere nichts.

Solingen: In der Klingenstadt wird nun auch samstags geprüft. Wer aktuell einen Termin bucht, wird erst 2023 geprüft.

Standpunkt von Timo Lemmer: Endlich mehr Tempo

timo.lemmer@rga.de

Der Führerschein bedeutet Freiheit. Das scheint für junge Leute weiter zu gelten, selbst wenn Klimaproteste manchmal einen anderen Eindruck erwecken. Dass 10 Prozent mehr Prüfungen nachgefragt werden als erwartet, liegt nicht nur an ausländischen Umschreibern. Der Führerschein bleibt beliebt. Das hatte der TÜV bei seiner Personalplanung nicht im Blick. Umso verheerender für junge Anwärter, die für einen ersten Job mobil sein müssen oder sich einfach nur ein Stück Freiheit und Unabhängigkeit erhoffen, wenn sie Ewigkeiten auf eine Prüfung warten.

Dann wird es frustrierend – und teurer durch zusätzliche Fahrstunden. Ausfälle (auf allen Seiten) verschärfen das Problem. Die Zeiten, in denen der TÜV bei Prüfer-Krankheiten kurzfristig Ersatz geschickt hat, sind vorbei. Auch das widerspricht einer bedachten Personalpolitik. Der sechste Prüfungstag ist eine zwingende Konsequenz. Immerhin wird jetzt Tempo gemacht.

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