Meine erste Platte

Er arbeitete für Michael Jackson

Die meisten seiner ehemals 1000 Vinylplatten hat Markus Heip verschenkt. Heute besitzt er nur noch etwa 50 LPs. Foto: Roland Keusch
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Die meisten seiner ehemals 1000 Vinylplatten hat Markus Heip verschenkt. Heute besitzt er nur noch etwa 50 LPs.

Markus Heip gefallen alle Genres. Auch Schlager sind ihm nicht fremd.

Von Peter Klohs

Remscheid. „Ich sehe meine erste Platte noch vor mir“, begrüßt mich Markus Heip in seinem Haus im Durchsholz. „Meine Eltern schenkten mir zu Beginn der 70er Jahre einen Plattenspieler. Und dabei lag die Doppel-LP ‚Love Songs’ von den Beatles.“

In der Anfangszeit seiner Musikbegeisterung fand er die Liverpooler Pilzköpfe „völlig genial. Die Gitarre von John Lennon klang so klar und fantastisch. So wollte ich auch Gitarre spielen.“ Leider kann er die LP zur Zeit nicht vorzeigen. Er hat sie seiner Tochter geliehen, und die lebt in Aschaffenburg. „Aber die zweite und dritte und vierte habe ich hier, alle im Zack-Zack von Uwe Rapp gekauft“, sagt er und beweist es sofort: Vinylscheiben von Elvis Presley, Jethro Tull und Motörhead werden herumgereicht.

„Elvis war auch toll“, weiß Heip. „Der konnte einen richtigen Shuffle spielen. Das heißt: seine tollen Mitmusiker.“ Jethro Tull mochte er, weil sie so „herrlich verrückt waren und Ian Anderson seine Querflöte auf einzigartige Weise spielte. Und Motörhead waren so schön laut.“

Er wurde in einem streng katholischen Haus erzogen. „Da wurde viel Musik in der Familie gehört“, berichtet der Museumspädagoge, „aber eine Band wie ‚Black Sabbath’ hätte es natürlich nie gegeben.“ Stattdessen hörte er eine andere bahnbrechende Musikgruppe, die ihn fortan die Beatles vergessen ließ: „Mein Cousin, der zehn Jahre älter als ich war, spielte auf seinem Plattenspieler eine Band, die mich sofort völlig weggeblasen hat: Led Zeppelin.“

CDs mag er nicht hören. Die Musik sei digital aufgepumpt

Seine Vinylsammlung umfasste vor Jahren etwa 1000 Exemplare. „Die meisten habe ich verschenkt“, berichtet Heip, „und nur die behalten, die mir ans Herz gewachsen sind.“ Die Bandbreite der noch vorhandenen 50 LPs ist groß: Der brachiale Metal von Motörhead steht neben filigranen Tönen von Pink Floyd, poetische Liedermachertöne des Italieners Angelo Branduardi („Ein total unterschätzter Musiker und Poet“.) neben den Beach Boys. „Ja, die Beach Boys“, schwärmt Markus Heip, „dieser geniale Satzgesang, das ist doch einmalig.“

Heip verfügt über zwei Besonderheiten, die ihm – und mitunter auch seinen Mitmenschen – das Hören von Musik durchaus erschwert. Bei unterschiedlichen Stimmführungen, wie bei den Beach Boys, kann er die unterschiedlichen Stimmen nicht nur hören, sondern sehen. Dazu kommt seine besondere Auffassung von Sound. Heip hört Vinyl und Spotify. „Keine CDs“, sagt er, „diese digital aufgepumpte Musik, bei der ich die Bits, die hindurchrauschen, hören kann. Das ist bei gemeinsamen Konzertbesuchen mit meiner Frau schonmal etwas befremdlich für sie.“

Seine Hingabe an den Sound gipfelte in seiner jahrelangen Beschäftigung als Sound-Techniker für das Phantasialand. In dieser Zeit lernte Markus Heip auch Megastar Michael Jackson kennen und arbeitete für ihn.

Heips Musikgeschmack ist noch bunter und vielfältiger als seine kleine Vinylsammlung. „Es gibt kein Genre in der Musik, das mir keinen Spaß macht“, erzählt er. „Ich suche immer weiter nach tollen Musikern und bin nach all den Jahren noch immer mega-neugierig.“

Ich versuche dennoch, ihn zu einem ablehnenden Kommentar zu verleiten: Deutsch-Rap? „Klasse“. Oper? „Genial“. Country? „Toll, Garth Brooks ist einer meiner Helden.“ Death Metal? „Sehr interessant, vor allem, weil die ihre Gitarren so merkwürdig gestimmt haben“. Ich werfe Namen in die Runde. Prince. Frank Zappa. Alan Parsons. „Tolle Musiker, manche auch genial. Du findest nichts, was mir nichts sagt“, schmunzelt Heip. „Ich höre auch Schlager. Dieter Thomas Kuhn ist doch total krass.“ Nun ja.

Hintergrund

Markus Heip, 1963 in Remscheid geboren, ist Museumspädagoge im Werkzeugmuseum. Er ist Inhaber des Durchsholzer Marionetten- und Puppentheaters. Heip wollte Gitarre studieren, wurde aber Sound-Designer im Phantasialand und Teo Otto Theater. Begeistert erzählt er von der Arbeit für Michael Jackson. „Der war so extrem kindlich. Aber als Musiker genial.“

Die Band See You liefern bergischen „Wellerman“.

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