Neue Masche

Enkeltrick wird vom Telefon auf die Messenger-Dienste verlagert

Über eine Gruppe auf dem Messenger Whats-App soll der Mann Bilder und Videos getauscht haben, so die Anklage.
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Betrüger haben ihre Masche angepasst.
  • Axel Richter
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Weil immer mehr Senioren Messenger-Dienste nutzen, haben Betrüger den Enkeltrick darauf verlagert.

Remscheid. Wolfgang Scherner geht so leicht niemandem auf den Leim. Versprechen ihm Anrufer am Telefon einen Gewinn, legt er auf. Auf E-Mails gleichen Inhalts reagiert er nicht. Auf diese neue Betrugsmasche aber fiel auch er herein. „Weil sie so glaubhaft klang“, sagt der 74-jährige Solinger. Denn er schreibt sich oft mit seiner Tochter Melanie Nachrichten per WhatsApp.

Genau das machen sich Betrüger gerade verstärkt im Bergischen Land zunutze. Weil immer mehr Senioren WhatsApp, Threema, Telegram und Co. nutzen, um mit ihren Kindern in Kontakt zu bleiben, haben sie den Enkeltrick vom Telefon auf die Messenger-Dienste verlagert. Ihre Masche ist immer gleich.

Eine unbekannte Nummer schickt eine Nachricht und gibt vor, Sohn oder Tochter zu sein, deren Handy leider defekt sei. Im Fall von Wolfgang Scherner sollte es der 40-jährigen Tochter ins Klo gefallen sein. Ergebnis: „Ich komme nicht an meine Kontodaten heran. Ich muss aber dringend eine Rechnung bezahlen. Das Geld gebe ich Dir morgen zurück. Kannst Du mir bitte helfen?“

Natürlich konnte Papa Wolfgang. 2400 Euro überwies er auf ein Konto, das die Betrüger eingerichtet hatten. Allerdings nicht in Echtzeit und das war sein Glück. Denn Wolfgang Scherner wurde stutzig. Mama und Papa sagen die Scherners nämlich nicht. Sondern Vattern und Mutter, wie viele Familien im bergischen Idiom. „Außerdem steckten da so viele Rechtschreibfehler drin“, erzählt Wolfgang Scherner. Also hat er seine Bank angerufen. Und die konnte die Überweisung rückgängig machen konnte, bevor das Geld umgebucht war und die Betrüger das Konto abräumen konnten.

Andere hatten weniger Glück. Eine 69-jährige Frau überwies über 4000 Euro und verlor das Geld. „Wir haben so oft über solche Betrugsfälle gesprochen und gedacht, dass das in unserer Familie nicht passieren könnte“, sagt die Schwiegertochter. Dennoch fiel die Seniorin auf die WhatsApp-Nachricht herein. Erst als sie mit ihrer echten Tochter telefonierte, stellte sich der Betrug heraus.

Die Frauen meldeten den Fall der Polizei. Wolfgang Scherner tat das nicht. „Die sind so gewieft, die kriegt die Polizei doch nie“, sagt er. Den Nachrichtenverlauf und die Nummer hat er gelöscht. Und das hätte er besser nicht getan. „Jeder Betrugsversuch sollte uns gemeldet werden“, sagt Jan Battenberg, Sprecher des Polizeipräsidiums in Wuppertal. Zum einen könne die Polizei bei einer Häufung der Fälle andere Menschen warnen. Und zum anderen könnten die Fälle nach einer möglichen Festnahme später den Tätern zugeordnet und damit aufgeklärt werden.

Die Betrugsfälle, in denen Internetmedien eine Rolle spielen, haben in den vergangenen Jahren übrigens deutlich zugenommen. In Remscheid stiegen sie laut polizeilicher Kriminalitätsstatistik von 2020 auf 2021 von 774 auf 1089 Fälle. Meist handelt es sich dabei um Ware, die bestellt, aber nicht bezahlt wurde. Doch der Enkeltrick ist ebenfalls nicht totzukriegen.

Das rät die Polizei: Seien Sie generell misstrauisch, wenn sie nach Geld gefragt werden. Erst recht, wenn das über Messengerdienste erfolgt. Für Chats können Eltern und Kinder Codewörter vereinbaren. Oder Eltern stellen Fragen, die nur der echte Sohn oder die echte Tochter beantworten können. Und falls dann doch Geld überwiesen wurde und Zweifel keimen: Nehmen Sie Kontakt zu ihrer Bank auf und veranlassen Sie eine Rücküberweisung. „Je früher das erfolgt, desto eher kann man noch etwas tun“, sagt Wolfgang Scherner.

Hier gibt es weitere Blaulicht-Meldungen aus der Region

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