Bestatter kämpfen mit Nachwuchsproblemen

Engpass bei Beerdigungen in Remscheid: Es fehlen Sargträger

Die Sargträger des Beerdigungshaus Roth mit Albrecht Franz, Gerhard Hannes, Günther Gafaroglu, Detlef Braun, Friedhelm Orth, Victor Axt und dem geprüften Bestatter Merlin Hannes (hinten). Foto: Michael Schütz
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Die Sargträger des Beerdigungshaus Roth mit Albrecht Franz, Gerhard Hannes, Günther Gafaroglu, Detlef Braun, Friedhelm Orth, Victor Axt und dem geprüften Bestatter Merlin Hannes (hinten).

Die Stadt Remscheid ist nicht verantwortlich.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Unauffällig müssen sie ihren Job ausüben, vor allem zuverlässig, dabei gepflegt sein, eine gewisse pietätvolle Ausstrahlung an den Tag legen: Sargträger sollten besser nicht auffallen, und wenn, dann nur mit einem würdevollen Auftreten. Doch die Zunft der Sargträger wird immer kleiner, wie Remscheider Experten berichten. „Es ist immer schwierig, die Beerdigungen zu besetzen. Es ist dabei auch bereits zu richtigen Engpässen gekommen“, berichtet Kerstin Hrabar. Mit ihrem Mann Peter Hrabar führt sie das Remscheider Bestattungshaus Ernst Roth. „Wenn es ganz schwierig wird, ist auch schon mal mein Mann eingesprungen“, sagt sie: Je nach Bestattungsform sind es sechs Sargträger, die benötigt werden – nämlich bei einer Erdbestattung. Bei einer Urnenbestattung sind es derweil nur ein bis zwei. Und dennoch: Das Thema ist ein leidiges, der Nachwuchs fehlt.

„In der Regel sind das Mini-Jobber“, berichtet Hrabar, „häufig Rentner.“ Ab und an gebe es mal Studenten, die auf diese Weise ein paar Euro verdienen. Nur: Wenn das Semester anfängt, sind diese wieder weg. „Beerdigungen finden eben immer zwischen 10 und 14 Uhr statt.“ Abendjobs sind da beliebter.

Ein Problem, das auch andere Kommunen haben. Hrabar berichtet, dass Wuppertaler Bestatter ähnliche Sorgen umtreiben. Oliver Jilg von der Friedhofsverwaltung der TBR stand derweil bereits mit Solinger Kollegen in Kontakt, die Inhaltliches zur Remscheider Friedhofssatzung wissen wollten. Denn in der Nachbarstadt wird derzeit darüber debattiert, die dortige Friedhofssatzung zu ändern. Die Kommune kann ihren Sargträger-Service nicht weiter anbieten.

Stadt hat schriftlich festgehalten: Es gibt keine kommunalen Sargträger

Man sei seit Jahren vergeblich auf der Suche nach Nachwuchs, heißt es aus Solingen, wo dann nur noch die Bestattungsunternehmen diese Dienstleistung anbieten sollen. Jilg: „Bei uns steht das Angebot aber seit Jahr und Tag gar nicht in der Friedhofssatzung.“ Das sei ohnehin eher in Süddeutschland üblich, nördlich von Baden-Württemberg und Bayern sei diese Aufgabe in der Regel nie städtisch. In der aktuell gültigen Remscheider Friedhofssatzung – 2000 in Kraft getreten, 2021 zuletzt angepasst – taucht ein entsprechender Passus zu Sargträgern also gar nicht auf.

Auch interessant: Begräbniswald in Remscheid ist noch nicht gestorben

Und in einer Informationsmappe der Stadt zu den städtischen Friedhöfen heißt es: „Nicht bereitgestellt werden durch die Friedhofsverwaltung: Organisten, Träger, Trauerredner.“ Das sei so, seit er sich mit dem Thema befasse, sagt Oliver Jilg.

Hrabar sagt: „Bisher hat es immer irgendwie geklappt.“ Aber der Pool derer, an denen sich dann häufig auch unterschiedliche Bestatter bedienen, wird immer kleiner. Acht Mann umfasst derzeit die Liste, auf die das Bestattungshaus Ernst Roth zurückgreift. Dabei sei der Job beileibe kein schlechter. Was ein guter Sargträger braucht? „Wir brauchen vor allem zuverlässiges Personal.“ Und solches mit angemessenem Auftreten.

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