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Energiesparen: Vermieter wollen Mieter mitnehmen

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Die Gewag, Remscheids größter Vermieter, informiert ihre mehr als 6000 Mieter darin über Möglichkeiten, Energie zu sparen. 

Gewag informiert per Brief über Maßnahmen, um weniger Gas zu verbrauchen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Die Briefe, sie gingen am Freitag raus. Die Gewag, Remscheids größter Vermieter, informiert ihre mehr als 6000 Mieter darin über Möglichkeiten, Energie zu sparen. Und über Maßnahmen, die man selber ergriffen hat, darunter eine Absenkung der Vorlauftemperatur der Heizung. Beides sei notwendig, meint Gewag-Vorstand Oliver Gabrian. Denn „obwohl wir denken, man hört nichts anderes mehr“, sei das Thema Energiesparen noch nicht bei jedem angekommen.

„Das Thema Energiesparen ist noch nicht bei jedem angekommen“, sagt Gewag-Vorstand Oliver Gabrian.

Während die Wirtschaft ihren Beitrag zur Einsparung von Gas leistet – im September verbrauchte die deutsche Industrie 14 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, der Focus spricht bereits vom „verblüffenden Gas-Wunder“ –, sind ähnliche Rückgänge im privaten Sektor derzeit noch nicht zu beobachten. Im Gegenteil: Vermieter berichten von vereinzelten Mietern, die sich bereits jetzt über zu kalte Wohnungen beschweren – bei 20 Grad Außentemperatur.

Die Gewag habe unlängst sogar eine Art Drohbrief bekommen, sagt Oliver Gabrian: Der Absender warnte das Wohnungsbauunternehmen davor, „auf den Kurs der Regierung einzuschwenken“ und Energie zu sparen. „Das hat mich wirklich geärgert“, gibt der Vorstand zu. Denn Gas zu sparen sei derzeit nicht nur eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sondern auch im Sinne der Mieter, die die gestiegenen Heizkosten ja tragen müssen, meint Gabrian: „Wir wollen alles tun, um die wirtschaftlichen Folgen für die Mieter in Grenzen zu halten.“

Passend dazu: Vermieter will Gas abdrehen - und verteilt Radiatoren an Mieter

Wie die Gewag agieren immer mehr Vermieter, das wurde diese Woche bei einem Treffen der Remscheider Wohnungswirtschaft mit der Stadtspitze und dem Energieversorger EWR deutlich. Sie lassen Heizungen neu einstellen und Heizkurven optimieren, verlängern die Nachtabsenkung, senken Vorlauftemperaturen. Und sie nehmen ihre Mieter dabei mit. „Es geht nicht nur um Motivation, sondern auch darum, wie es geht“, sagt Oliver Gabrian.

Deswegen steht in den Briefen der Gewag zum Beispiel, dass eine ein Grad niedrigere Raumtemperatur bis zu sechs Prozent Energie sparen kann. Und dass 20 Grad in Wohnräumen tagsüber ausreichen. Zudem liegt ein Flyer bei, den unter anderem die Verbraucherzentrale mitgestaltet hat. Und der weitere Tipps bereit hält. Titel: „Stopp den Heizkosten-Hammer“ – auch die Stadt Remscheid will dabei mithelfen. Wie der RGA berichtete, kündigte Sabine Räck aus dem Büro des Oberbürgermeisters Anfang Oktober eine entsprechende Informationskampagne an, die bald präsentiert werden soll.

Das werde bei den Mietern wohl nicht nur auf Begeisterung treffen, vermutet Gabrian. Er räumt ein: „Natürlich geht das mit Komforteinbußen einher.“ Diese seien aber „nicht dramatisch“. Er hofft auf einen Schulterschluss innerhalb der Gesellschaft und ein breites Verständnis. Auch um die zu schützen, die besonders unter den hohen Preisen leiden. Wenn an einer Zentralheizung 30 Mieter hängen, habe man früher die Vorlauftemperatur wieder erhöht, wenn sich zwei davon beschwert hätten, nennt er ein Beispiel. Das werde es in diesem Winter nicht geben: „Denn die 28 anderen müssten das dann mitbezahlen.“

Standpunkt von Sven Schlickowey: Sankt-Florian-Prinzip

sven.schlickowey@rga.de

Die Österreicher sagen Floriani-Politik, die Engländer Nimby für „not in my backyard“ und in Deutschland heißt es meist Sankt-Florian-Prinzip, doch das Konzept ist immer das gleiche: Es soll was passieren, ja es muss sogar, aber doch bitte nicht bei uns. Das galt schon länger für Straßen, Bahnstrecken und Windkraftanlagen, das scheint inzwischen auch fürs Energiesparen zu gelten. Denn wir müssen weniger Gas verbrauchen, um die Chancen zu erhöhen, gut über den Winter zu kommen, aber man selber möchte dann doch lieber im T-Shirt statt im Pulli vor dem Fernseher sitzen.

Da ist die Wirtschaft deutlich weiter, die hat in weiten Teilen längst verstanden, dass es um ihre blanke Existenz geht. Die, die sich heute bei 20 Grad Außentemperatur über zu kalte Wohnungen beschweren, werden vielleicht bald merken, dass das bei ihnen gar nicht so viel anders ist. Aber dann ist es vielleicht schon zu spät.

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