Versorgungssicherheit

Energie: Der Lagebericht löst Unbehagen aus

Der Strommarkt ist massiv in Bewegung. Die Verbraucherzentrale behält den Überblick und berät Verbraucher auch in Remscheid.
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Die Folgen der Energiekrise sind vielfältig.
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Ortspolitiker befassten sich mit Versorgungssicherheit und wirtschaftlichen Folgen der explodierenden Preise.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Mit den vielfältigen Folgen der Energiekrise befassten sich die Ortspolitiker im Haupt- und Finanzausschuss. Sie werde nach seiner Prognose weit über den Winter 2022/23 anhalten, stellte Mike Giera heraus. Der Geschäftsbereichsleiter beim Energieversorger EWR gab bei der Sitzung am Donnerstagabend einen Überblick über die Lage und sprach angesichts der Preisentwicklung von einem Trend, den er in 30 Jahren Berufstätigkeit nicht erlebt habe. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) rief zum Sparen auf. Verbraucher sollten Ausgaben zurückstellen, um sich für die Mehrausgaben bei Strom und Gas zu wappnen.

Dass Energieverzicht nun das Gebot der Stunde sei, hob Mike Giera hervor. Zuversichtlich zeigte er sich, dass die Gasversorgung in Remscheid über die kalte Jahreszeit hinweg gewährleistet werden könne, wenn der Verbrauch um zehn bis 20 Prozent reduziert werde. „Der Strom macht mir mehr Sorgen“, betonte der Geschäftsbereichsleiter. „Die Gefahr eines Blackouts ist deutlich gestiegen.“ Es könne wegen Versorgungsengpässen zu „gravierenden Stromausfällen“ kommen.

„Wir sind sicherlich nicht die Ersten, die in Schieflage geraten könnten.“

Mike Giera, Energieversorger EWR

Nicht nur die Versorgungssicherheit, auch die wirtschaftlichen Konsequenzen der Krise wurden zum Thema der Ortspolitiker. Die Folgen sind vielfältig und treffen buchstäblich jeden – sei es Unternehmen oder private Haushalte, die große Nöte haben, die explodierenden Kosten zu tragen. „Wie gut sind denn die Stadtwerke aufgestellt, um Zahlungsausfälle zu kompensieren?“, wollte CDU-Fraktionschef Markus Kötter vom EWR-Geschäftsbereichsleiter wissen. „Wir sind sicherlich nicht die Ersten, die in finanzielle Schieflage geraten könnten“, erklärte Giera. Wenn allerdings 15 Prozent der Kunden ihre Rechnung nicht begleichen, gäbe es ein finanzielles Problem für das Tochterunternehmen der Stadt. Dabei werden bislang mit den Überschüssen der EWR „im Querverbund“ mit den Stadtwerken wichtige Aufgaben finanziert, führte OB Mast-Weisz aus. Dazu zähle der öffentliche Personennahverkehr in ganz Remscheid ebenso wie der Betrieb des Badeparadieses H2O in Hackenberg.

Und: Auch die Industrie leide schon jetzt erheblich unter den finanziellen Bürden. Sven Wolf (SPD) erkundigte sich danach, inwiefern die EWR interessierten Betrieben überhaupt noch Angebote unterbreiten kann. Sehr bedingt, antwortete Giera. Denn von 40 Energielieferanten, mit denen die EWR zusammenarbeite, seien höchstens zwei übrig geblieben.

Frieren am Arbeitsplatz: Was Sie zwischen Energie sparen und Zittern beachten müssen 

„Wir haben außerdem zahlreiche exportorientierte Unternehmen in Remscheid, die nun damit konfrontiert werden, dass die nichteuropäischen Konkurrenten ganz andere Preise anbieten können,“ führte Mast-Weisz aus, der in dieser Woche an einem Krisentreffen mit Vertretern der Wirtschaft teilgenommen hatte. „Sie sprachen nicht mehr nur von Kurzarbeit, sondern auch von Entlassungen“, blickte der OB darauf zurück.

Trotz aller Bemühungen und Entlastungspakete der Bundes- und Landesregierung forderte David Schichel, Fraktionschef der Grünen, mehr gesamtstaatliche Anstrengungen, um die Notlage zu bewältigen. „Das ist ja auch bei der Finanzkrise gelungen, als über Nacht Hunderte Milliarden bereitgestellt wurden“, erklärte er. Für Brigitte-Neff Wetzel (Linke) darf es nicht dazu kommen, dass Menschen von Strom- und Gassperren betroffen sind, wenn sie ihre Rechnung nicht begleichen können. Entlastet werden sie, indem deutlich mehr Verbraucher Anspruch auf Wohngeld erhalten. Wie berichtet, wird sich laut Prognosen ihre Zahl in Remscheid verdreifachen.

Es wird schon gespart

FDP-Fraktionschef Sven Chudzinski erkundigte sich danach, ob denn zu erkennen sei, dass bereits Energie gespart wird. Dem ist offenbar so. Mike Giera (EWR) sieht Verbräuche, die in der Industrie um zwanzig Prozent zurückgegangen seien. Das „Ende der Fahnenstange“ sei noch nicht erreicht. Giera erinnerte an eine Prognose der Bundesnetzagentur, wonach Gaskunden 2023 mit bis zu dreimal höheren Abschlägen rechnen müssen als vor der Krise.

Passend zum Thema: Stadt richtet Krisenstab „Energie“ ein

Standpunkt von Frank Michalczak: Entlastung reicht nicht

frank.michalczak@rga.de

In diesem Ausmaß seien ihr die Folgen der Energiekrise nicht klar gewesen, machte Waltraud Bodenstedt von der Wählergemeinschaft WiR bei der Sitzung des Hauptausschusses ihrer Betroffenheit Luft. In der Tat waren Lagebericht und die Prognosen vom Energieversorger EWR besorgniserregend, der vor dem Problem steht, die extremen Preissteigerungen an seine Kundschaft weiterzugeben. Ohne Hilfe werden so manche ihre Rechnung nicht bezahlen können.

Deshalb hat David Schichel (Grüne) Recht: Die bisherigen Entlastungspakete werden nicht ausreichen. Es gilt in dieser akuten Krise, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Strukturen zu erhalten. Es müssen Schutzschirme her für Verbraucher, für Stadtwerke und für sonstige Unternehmen, die vorübergehend in Schieflage geraten. Mag sein, dass dafür Schulden aufgenommen werden müssen, die künftige Generationen zu tragen haben. Aber auch diese Frage stellt sich: Welche Welt wollen wir denn unseren Kindern hinterlassen?

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