Umbenennung

EMA soll künftig Emma-Herwegh-Gymnasium heißen

Das EMA wir in Emma-Herwegh Gymnasium umbenannt.
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Das EMA wir in Emma-Herwegh Gymnasium umbenannt.
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Die Schulkonferenz des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums hat am Montag über den Namen abgestimmt. Jetzt muss noch die Politik zustimmen. Verantwortliche weisen im Vorfeld geäußerte Kritik zurück.

Remscheid. Das Ernst-Moritz-Arndt Gymnasium hat einen neuen Namen gefunden. Ohne Gegenstimmen segnete die Schulkonferenz am Montagabend den Vorschlag Emma-Herwegh-Gymnasium ab.

Ein langer, demokratischer Findungsprozess ist damit abgeschlossen. Schon vor 30 Jahren war die Umbenennung angestoßen worden. Sofern der Name der im 19. Jahrhundert aufgewachsenen Freiheitskämpferin von den politischen Gremien abgesegnet wird, würde Ernst Moritz Arndt getilgt. Erste Zustimmung zur Umbenennung des EMA hatte der Schulausschuss Anfang September gegeben; nur eine Fraktion meldete in der Sitzung Bedenken an.

Emma Herwegh „war eine Zeitgenössin von Arndt, aber im Gegensatz zu dem Nationalisten eine überzeugte Europäerin“, erklärte Schulleiter Rainer Schulz bei einer Pressekonferenz zum Namenswechsel. Mit Emma Herwegh wurde von dem 18-köpfigen Gremium eine Persönlichkeit gewählt, die in der Geschichtsschreibung nicht den Stellenwert ihres Mannes, des Dichters Georg Herwegh besitzt. „Gleichwohl verkörperte sie all die Werte, die jeder von uns unterschreiben kann“, erklärte Gini Villeggiante aus der Schülervertretung. „Dass sie auch Emma heißt, das ist sozusagen das Plus, das hinter die 1 kommt.“

Wer war Emma Herwegh? Eine sehr moderne, eigenständige Frau

Mit dieser 1+ nahm Herwegh auch die letzte Hürde, nachdem sie 14 Tage zuvor von einer kleinen Kommission aus Lehrer, Schülern und Eltern unter 29 detailliert begründeten Vorschlägen ausgewählt worden war und mit vier weiteren in die Schulkonferenz gelangt war - wobei der gesamte Prozess allerdings vom EMA-Förderverein sehr kritisch betrachtet wird.

Herwegh lebte von 1817 bis 1904. Schulz charakterisiert die vierfache Mutter als „sehr moderne, eigenständige Frau, hochgebildet, emanzipiert und offen, als Vorkämpferin für Frauenrechte“. Sie habe die Freiheitskämpfer in Polen, Baden und Italien unterstützt, wohnte in der Schweiz und Frankreich, sprach mehrere Sprachen und besaß neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit eine künstlerische Ader, komponierte und stand auf der Theaterbühne.

Im Hintergrund ist ihr Konterfei zu sehen: Emma Herwegh. Mit diesem Namen hätten Schulleiter Rainer Schulz, seine Kollegen und die EMA-Schüler als EHG bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal.

Emma Herwegh sei ein Vorbild gewesen, heißt es in der Begründung, mit der sich die Konferenz am Ende auf die gebürtige Magdeburgerin festlegte. Darin heißt es auch: „Sie war belesen, kreativ und eignete sich eine umfassende interdisziplinäre kulturelle Bildung an. Zudem war sie stets eine kritische Begleiterin von gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen und pflegte den Kontakt zu zahlreichen Geistesgrößen unterschiedlicher nationaler Herkunft.“

Wer hat den Namen vorgeschlagen?

Norbert Springob aus dem Vorstand der Schulpflegschaft sprach von einer „belebenden Diskussion mit einem offenen Ende“. Von den fünf Vorschlägen sei der überzeugendste übrig geblieben. Wer Emma Herwegh eingebracht hat, bleibt zunächst intern. „Wenn es soweit ist und wir den Namenswechsel mit einer Feier begehen, darf der Name der Person auch veröffentlicht werden“, erklärte Rainer Schulz.

Gestern Morgen informierte er Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz über das Ergebnis. Nun müssen die politischen Gremien ihr Plazet geben. Im Vorfeld hat sich eine breite Mehrheit für das Anliegen des EMA-Gymnasiums abgezeichnet.
Dazu auch der Standpunkt von Andreas Weber.

Im Gegensatz zum Nationalisten Arndt war sie eine überzeugte Europäerin.

Rainer Schulz, EMA-Schulleiter

Deshalb ist Ernst Moritz Arndt heute umstritten

Seit Jahrzehnten ist Ernst Moritz Arndt an der Elberfelder Straße umstritten. Ein neuerlicher Versuch, den von den Nationalsozialisten gefeierten Schriftsteller und Dichter wurde in der Schulkonferenz vor einem Jahr mit 16:2-Stimmen auf den Weg gebracht.

Arndts Fremdenhass, insbesondere auf Franzosen, sei in seinen Schriften dokumentiert, eine rassistische, antisemitische Haltung habe sein Menschenbild geprägt, sein glühender Nationalismus sei aus Hass entsprungen. Dies passe überhaupt nicht zum Schulprogramm für ein „offenes, tolerantes und friedliches Miteinander einzutreten“.

Vorwürfe des EMA-Fördervereins im Vorfeld

Geschichtslehrer Stefan Otto hat den erneuten Vorstoß einer Namensänderung federführend angeschoben. „Seit 2017 sind wir in dem Prozess.“ Otto, wie auch Rainer Schulz und Norbert Springob erklärten, dass die positiven Stimmen zum geplanten Namenswechsel bei weitem in der Überzahl gewesen seien. Springob wies entschieden den vom Vorsitzenden des EMA-Fördervereins, Dr. Johannes Luckhaus im RGA-Interview geäußerten Vorwurf zurück, Eltern seien vorab nicht ausreichend informiert gewesen. Ebenso wenig stimme es, dass die Person Arndt nicht im Unterricht thematisiert worden sei.

Noch ist keine Schule nach ihr benannt

Das EMA hatte die 29 eingegangenen Vorschläge in Namensgruppen eingeteilt: Welche, die mit einer abstrakten Idee verbunden waren, mit regionalem Bezug, Namen historisch relevanter, integerer Persönlichkeiten und welche, die das EMA-Kürzel berücksichtigten. Mit Emma Herwegh, geborene Siegmund, würde dieses Markenzeichen tatsächlich fortgeführt. Ein Schulname mit ihr in Deutschland ist nicht bekannt, wohl wurden Straßen in Berlin und Freiburg nach ihr benannt und ein Platz in Liestal/Schweiz, wo sie beigesetzt wurde.

Standpunkt: Eine kluge Entscheidung

Kommentar von Andreas Weber

andreas.weber @rga.de

Die öffentliche Diskussion zum Namenswechsel des EMA-Gymnasiums nach den Sommerferien verlief wohltuend sachlich, mit vielen nachvollziehbaren Argumenten von Befürwortern wie Gegnern.

Am Ende entscheiden aber nicht diejenigen, die mal auf dieser Schule waren und aus guter Tradition an dem Kürzel hängen, sondern diejenigen, die heute den Unterricht prägen. Schüler und Lehrer, deren bemerkenswertes Engagement gegen Rechtspopulismus den Weg für die Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall bereitete. Schon NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer erinnerte bei der Eröffnung des Pferdestalls am 9. November 2017 in ihrem schriftlichen Gruß daran, dass man über Ernst Moritz Arndt nachdenken solle. Das Gymnasium hat dies in der Vergangenheit öfters getan, lief aber mit dem Ansinnen im Stadtrat bislang vor die Pumpe.

Dies wird diesmal anders sein. Und mit Emma Herwegh wurde eine spannende Persönlichkeit gefunden, bei der es sich lohnt, tiefer in ihr Leben einzutauchen. Es war eine kluge Entscheidung, jemand zu wählen, der nicht in jedem Geschichtsbuch einen prominenten Platz hat.

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