Schüleraustausch ohne Vorurteile

Elf Jugendliche aus Israel besuchen Lüttringhausen

In der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall informierte sich die Delegation über die deutsch-jüdische Vergangenheit im Dritten Reich. Am Montag stand darüber hinaus ein Besuch bei Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz und des Weihnachtstreffs an.
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In der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall informierte sich die Delegation über die deutsch-jüdische Vergangenheit im Dritten Reich. Am Montag stand darüber hinaus ein Besuch bei Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz und des Weihnachtstreffs an.

In wenigen Wochen folgt der Gegenbesuch.

Von Peter Klohs

Remscheid. Es war ein langer Weg. Nicht nur für die elf Schülerinnen und Schüler aus Israel, die in diesen Tagen Remscheid besuchen. Es war vor allem ein langer Weg der Organisation, einen Austausch zwischen dem Leibniz-Gymnasium in Lüttringhausen und der rund 3000 Kilometer entfernen Hakfar Hayarok Schule zu aktivieren.

Ingo André Mess ist Lehrer für Deutsch und Geschichte. Schon lange hatte er mit dem Gedanken gespielt, einen Schüleraustausch zu initiieren. Die eigenen positiven Erfahrungen aus seiner Schulzeit spielten bei diesen Überlegungen eine große Rolle. Denn, so der Pädagoge: „Grau ist alle Theorie und erst die direkte Begegnung mit fremden, anderen Kulturen, unterschiedlichen Biografien und Sichtweisen ermöglichen einen ganzheitlichen Bildungsansatz.“

Um eine Schulpartnerschaft auf den Weg zu bringen, bedarf es großer Anstrengungen. Kontakte sind das Nonplusultra. Hier half Con-act, eine Verbindungsstelle des deutsch-israelischen Kultur-austausches. In mehrtägigen Fortbildungen in Berlin und Neit-Berl in Israel lernten sich die Lehrkräfte kennen. Ingo André Mess und sein israelischer Kollege Noam Nadir erarbeiteten die Eckpunkte und Inhalte eines Schulaustauschprogramms. Thema ist „The joint history of german and jewish life – making future together“, was man mit „Die gemeinsame Geschichte deutschen und jüdischen Lebens – die Zukunft gemeinsam gestalten“ übersetzen kann.

Vom 15. bis zum 22. Dezember besuchen elf Schülerinnen und Schüler der Hakfar Hayarok Schule Remscheid und leben in dieser Zeit in Gastfamilien. Besuche in Wuppertal und Bonn stehen unter anderem auf der Tagesordnung.

Auseinandersetzung mit der Geschichte im Pferdestall

Am Montagmorgen besuchten die israelischen Gäste die Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall, um über die deutsch-jüdische Vergangenheit im Dritten Reich informiert zu werden. Wie Noam Nadir erklärte, sei es eine ganz besondere Erfahrung für ihn, seine Kollegin sowie für die israelischen Schüler, Deutschland zu besuchen und die Kultur des Landes näher kennenzulernen. „Es bestand von Anfang an ein sehr gutes Verhältnis zwischen unseren Schülern und den Gastfamilien“, betonte der israelische Lehrer. „Einige von uns waren schonmal in Deutschland, aber als Touristen, und das ist etwas völlig anderes, als in deutschen Familien zu leben und den Alltag hier mitzugestalten und zu entdecken. Ich kann sagen, dass dies eine hervorragend organisierte Reise ist, die wir, so sieht es derzeit aus, ab jetzt jedes Jahr durchführen werden.“

Naomi, Ori und Roy, drei sechzehnjährige Schülerinnen und Schüler, bestätigen die Worte ihres Lehrers. „Wir waren sehr aufgeregt vor diesem Besuch“, erklärt Naomi. „Ich war einmal im Schwarzwald zu Gast, aber dieser Besuch hier in Remscheid ist etwas besonderes. Das Leben in Deutschland ist so völlig anders als das in Israel, und es ist sehr spannend, das alles zu erleben. Und wir freuen uns schon jetzt auf den Gegenbesuch von Schülerinnen und Schülern des Leibniz-Gymnasiums, die uns Ende Januar/Anfang Februar besuchen werden.“ Im Gespräch mit den Jugendlichen fällt vor allem das völlige Fehlen von Vorurteilen positiv auf. Die jungen Menschen sind im besten Sinne einfach nur neugierig und wissbegierig auf die deutschen Menschen und die deutsche Kultur.

Hintergrund

Von der ersten Idee bis zur Realisation hat das Schulaustauschprojekt zwischen dem Leibniz-Gymnasium und der Hakfar Hayarok Schule eineinhalb Jahre Zeit beansprucht. „Die gemeinsame Terminfindung war schon schwierig“, sagt Ingo André Mess.

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