Recycling von Handy und Laptops für den Unterricht

Elektroschrott für Schulen zu gefährlich

Lothar Biermann (r.) wirft noch einen prüfenden Blick in den Elektroschrott am Standort Quimperplatz. Wöchentlich leeren die Entsorger die Container. Dabei achten die Männer der Technischen Betriebe darauf, dass insbesondere Akkugeräte nicht beschädigt oder zerstört werden. Foto: Roland Keusch
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Lothar Biermann (r.) wirft noch einen prüfenden Blick in den Elektroschrott am Standort Quimperplatz. Wöchentlich leeren die Entsorger die Container. Dabei achten die Männer der Technischen Betriebe darauf, dass insbesondere Akkugeräte nicht beschädigt oder zerstört werden.
  • Axel Richter
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CDU scheitert mit Vorschlag zum Recycling von Handy und Laptops für den Unterricht

Remscheid. Die einen möchten im Abfall stöbern, um Neues daraus zu machen. Die anderen ihren Müll einfach nur loswerden, auch wenn der Container bereits voll ist. Den Müllwerkern der Technischen Betriebe Remscheid (TBR) machen beide das Leben nicht gerade leichter. Und manch ein Vorschlag aus der Politik ist wenig dienlich, daran etwas zu ändern.

Upcycling: So heißt das neue Modewort. Gemeint ist die Wiederverwendung veralteter und deshalb ausgemusterter Handys, Tablet, Notebooks oder anderen Elektroschrotts. Im Betriebsausschuss, der die Arbeit der städtischen Entsorger kontrolliert, unterbreitete die CDU dazu nun einen Vorschlag: Die Stadt möge zum Beispiel an den Schulen Sammelstellen für elektronische Endgeräte einrichten. Die wiederaufbereiteten Geräte könnten danach in den Schulen wieder zum Einsatz kommen. Dazu kommt es nun nicht, denn TBR-Chef Michael Zirngiebl warnte eindringlich: Von den Akkus gehe eine erhebliche Brandgefahr aus. Nichts an den Geräten dürfe zerstört werden, eine Sammelstelle an Schulen sei deshalb „mindestens problematisch“, befand der Chefentsorger. Für ihren Vorschlag fand die CDU deshalb im Betriebsausschuss keine Mehrheit und zog sich überdies den Spott der Grünen zu: „Mit ein bisschen eigenem Gehirnschmalz hätte man darauf auch selbst kommen können“, erklärte Ratsfrau Beatrice Schlieper.

Abfallberaubung: Auch der Gesetzgeber verbietet es den Entsorgern, Elektroschrott ungeprüft zur Wiederverwertung weiterzugeben. Er will keine Beraubung von Abfall, wie es tatsächlich im Gesetz steht. Bastler, die auf dem Wertstoffhof in der Solinger Straße vorstellig werden, um aus alten Elektrogeräten neue zu machen oder alte zu reparieren, werden deshalb regelmäßig vom Hof gebeten.

Müllsünder: Leute, die ihre Abfälle an den Sammelbehältern für Glas und Papier abladen, bleiben ein Dauerärgernis. Nicht nur für Stefan Grote (SPD), doch brachte der Bezirksbürgermeister im Südbezirk das Thema wiederholt auf die Tagesordnung. „Am Liebsten hätte ich dort eine Videoüberwachung“, erklärte er nach einem Besuch des Containerstandortes an der Mebusmühle. Doch auch dagegen hat der Gesetzgeber etwas. Eine Überwachung der Standorte per Kamera scheitert am Schutz der Persönlichkeitsrechte der Bürgerinnen und Bürger. „Hier schützt der Rechtsstaat auch die Täter“, hielt TBR-Chef Zirngiebl fest. Dabei bekommen es die Männer in Orange nicht mehr nur mit Pappe und Glas zu tun, die nicht mehr in die Einwurfschlitze passen. „Es geht hin bis zu toten Katzen, die dort hinterlassen werden“, erklärte Zirngiebl, „das ist wirklich grenzwertig.“

Zäune: Rufe nach höheren Strafen sind regelmäßig zu hören. Doch nur in den seltensten Fällen gelingt es, den Müllsündern habhaft zu werden. Tatsächlich gingen zurückliegend selbst die frei aus, deren Briefe mit Adressfeld im Abfall gefunden werden. Alle Anzeigen, die die TBR diesbezüglich gestellt hat, verliefen im Sande. Schließlich, so hieß es vor Gericht, sei nicht auszuschließen, dass andere die Briefe in den Abfallberg gesteckt hätten. Die Müllwerker setzen auf die Einhausung der Standorte. So haben sie es an der Presover Straße gemacht. Dort ist der Müll nun nicht mehr ohne weiteres zu sehen, auch fliegen Pappe und Papier nicht mehr herum. Auch die Container an der Mebusmühle sollen deshalb nun von einem blickdichten Zaun umgeben werden.

Taubenkot: Den Gelehrten des Altertums galt die Taube als Sinnbild für Sanftmut und Unschuld. Die Stadttaube von heute ist den meisten dagegen ein Ärgernis. Das gilt zum Beispiel für jene, die in der Eisenbahnunterführung Bismarckstraße brüten und dort einen glitschigen Brei auf der Straße hinterlassen. Die TBR reinigen den Gehweg, mehr bleibt ihnen nicht übrig. Die Deutsche Bahn, der die Brücke gehört, kümmert sich nicht darum. Und jene, die die Tauben füttern und damit erst anlocken, erst recht nicht.

TBR

Überschuss: Im vergangenen Jahr haben die Technischen Betriebe einen Überschuss von 3,45 Millionen Euro erwirtschaftet. Damit liegen sie im ersten Jahr der Corona-Pandemie 700 000 Euro über Plan. 2 Millionen Euro werden in den städtischen Haushalt fließen.

Zuschuss: 136 000 Euro haben die Technischen Betriebe für die Wiederaufforstung des Remscheider Waldes erhalten. Das Geld stammt aus einem Sonderfonds, der vom Land nach den Trockenheits- und Borkenkäferschäden der vergangenen Jahre aufgelegt wurde.

Standpunkt: Gut gemeint

Kommentar von Axel Richter

axel.richter@ rga.de

Gut gemeint ist bekanntlich noch nicht gut gemacht. Eine Binse, doch trifft sie auf manchen Vorschlag aus der Politik zu. Die CDU-Idee, zum Beispiel an Schulen ausrangierte Elektronikgeräte sammeln und upcyceln zu lassen, um soziale Teilhabe zu ermöglichen, zählt dazu. Von Handyakkus, die sich selbst entzünden, geht eine erhebliche Brandgefahr aus. Beatrice Schlieper behält deshalb recht mit ihrer Kritik am Vorschlag der CDU. Allerdings sind die Grünen selbst nicht gefeit vor redundanten Ideen. Dazu zählt die Forderung, die Geschichte des Löwen-Standbildes vor dem Rathaus von Historikern untersuchen zu lassen. Die ist nämlich weitgehend bekannt beziehungsweise leicht zu recherchieren. Um das Standbild aus grauem Muschelkalk nach seiner Sanierung, wie es geplant ist, mit einem Schild an seinem Sockel geschichtlich einzuordnen, sollten die Daten jedenfalls ausreichen. Deshalb ein grundsätzlicher Vorschlag: Wie wäre es, die Stadt würde weniger Geld in Gutachten investieren – und stattdessen zum Beispiel in neue Tablets für die Schülerinnen und Schüler und vor allem in das Know-how, um sie bedienen? Das wäre im Sinne sozialer Teilhabe.

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