Prozess

Einem Mitpatienten siedendes Wasser ins Gesicht geschüttet

Das Landgericht in Wuppertal.
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Das Landgericht in Wuppertal.

Gericht entscheidet, ob 63-Jähriger in eine geschlossene Klinik muss.

Von Dirk Lotze

Remscheid. Unter dem Vorwurf eines schweren Angriffs in der Psychiatrischen Klinik Tannenhof in Remscheid steht ein 63 Jahre alter Beschuldigter vor dem Landgericht Wuppertal. Er soll im Oktober 2020 einem anderen Patienten siedend heißes Wasser ins Gesicht geschüttet haben. Der Auslöser sei unklar. Mitarbeitende griffen ein. Das Opfer erlitt schwere Verbrühungen und musste ärztlich versorgt werden.

Im Verfahren geht es außerdem um weitere, gefährliche Attacken ab Anfang 2019. Einmal soll der Mann ein Drahtseil als peitschenähnliche Waffe eingesetzt haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 63-Jährige seit mehr als 30 Jahren erkrankt ist und während der Vorfälle schuldunfähig war. Das Gericht soll ihn in eine geschlossene Klinik einweisen. Die Staatsanwältin erklärte: „Mit weiteren, erheblichen Taten ist aufgrund seiner Erkrankung zu rechnen.“

Der 63-Jährige erklärte, das Wasser beim Vorfall im Tannenhof habe er in der Küche der Station vorbereitet, um sich Tee zu kochen. Der andere Patient sei dort bekannt dafür gewesen, „alles und jeden“ anzufassen. Ihn selbst habe der Mann am Kopf angefasst, unter anderem an einem aufgemalten Punkt auf der Stirn, der ihm als Hindu wichtig sei. Das sei ihm besonders unangenehm gewesen. Bei der Tat habe er Angst gehabt, dass der andere wieder einen Übergriff starte. Er habe sich gewehrt.

Der Mann befand sich in der Fachklinik wegen eines Geschehens wenige Tage zuvor, in einem Park am Wohnort des 63-Jährigen, in Wuppertal. Ein Parkbesucher habe gefordert, dass er seinen Müll mitnehme. Darum soll Streit entstanden sein. Laut Staatsanwaltschaft kam es zu Schlägen, dann zu der Attacke mit dem Drahtseil. Umstehende sollen die Gegner getrennt haben.

Der vorsitzende Richter zeigte ein beschichtetes Ende mit zwei Ösen und einem Vorhängeschloss daran: gut ein Meter lang, wie zum Anbinden von Fahrrädern. Das sollen Polizisten beim Beschuldigten sichergestellt haben. Der hingegen sagte, das kenne er nicht. Er habe seine Jacke mit einem Seil zugebunden, das habe aber anders ausgesehen. Zu dem mutmaßlichen Streit befragt antwortete er: „Ich habe nie jemanden geschlagen. In meinem ganzen Leben nicht.“ Er verneinte, Stimmen zu hören.

Bei weiterer Gelegenheit soll der 63-Jährige Haushaltsgegenstände aus seiner Dachgeschosswohnung auf die Straße geworfen haben – darunter eine drei Kilogramm schwere Metallfigur. Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft ihm zwei gewaltsame Übergriffe auf ältere Frauen vor. Dazu schweigt der Mann.

Er ist zur Sicherheit vorläufig in einer geschlossenen Klinik untergebracht. Das Gericht will kommende Woche weiter verhandeln.

Erst vor einigen Tagen hatte sich ein Remscheider am Landgericht wegen einer Hammer-Attacke verantworten müssen.

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