Hühner haben um Ostern alle Flügel voll zu tun

Eine runde Sache: Voll-Ei macht den Kuchen schön fluffig

Robin und Anna Kottsieper führen den Geflügelhof. Tierwohl liegt ihnen am Herzen.
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Robin und Anna Kottsieper führen den Geflügelhof. Tierwohl liegt ihnen am Herzen.

Der Geflügelhof Kottsieper produziert regionales Voll-Ei. Er ist die zweite Manufaktur dafür deutschlandweit.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. In diesen Tagen ist es morgens um 5 in Obergarschagen richtig laut. Denn die Hühner des Geflügelhofs Kottsieper haben rund um Ostern alle Flügel voll zu tun. Beim großen „Gackern“ produzieren die Damen jeden Morgen ihre kleinen Nährstoffwunder, die später die ganze Region versorgen – und begleiten das mit einem gemeinsamen Stallkonzert. „Wir motivieren unsere Hühner jeden Morgen, alles zu geben“, sagt Robin Kottsieper (30), der den Lüttringhauser Hof in sechster Generation gemeinsam mit seiner Frau Anna (32) führt.

Das Tierwohl liegt den beiden besonders am Herzen. Sie führen den Familienbetrieb in sechster Generation. Daher bekommen die Hühner nicht nur genügend Auslauf, sondern auch selbst angebautes Futter – und jede Menge Streicheleinheiten. Robin Kottsieper setzt sich gern die eine oder andere braune Dame auf die Schulter. „Denn für uns gilt: Geht es den Hühnern gut, schmecken unsere Eier umso besser“, sagt er. Er muss es wissen: Am Wochenende gibt es bei den Landwirten gern Rührei oder Omelette.

Hier wird immer dienstags das regionale Voll-Ei produziert: In diesem Fertigungsraum werden die frisch gelegten Eier zunächst vorsortiert und im nächsten Schritt automatisch getrennt und aufgeschlagen.

Und das schmecken auch die bergischen Familien speziell an diesem Wochenende nicht nur im Osternest, sondern auch auf dem Teller: Der Gefügelhof Kottsieper produziert als zweite Manufaktur deutschlandweit immer dienstags regionales Voll-Ei, das Bäckereien zu Kuchen und Teilchen sowie kleinere Hersteller zu Pasta und Knödeln verarbeiten. Wir haben uns angeschaut, wie dieses regionale Voll-Ei hergestellt wird.

Die Idee ist eigentlich gar nicht neu. Schon vor 20 Jahren ließen Robin Kottsiepers Eltern Karl-Frieder und Susanne die Eier per Hand aufschlagen, in Eimer abfüllen und zu Bäckereien bringen. Doch dann änderten sich die Bestimmungen. „Es hat uns das Herz zerrissen, wenn unsere aussortierten Eier, die im Supermarkt nicht verkauft werden können, weil sie Schönheitsfehler haben, ins Saarland gebracht, dort aufgeschlagen und weiterverarbeitet wurden“, sagt Robin Kottsieper. Also investierten er und seine Frau Anna, nachdem sie den Hof 2019 übernahmen, in eine moderne Fertigungsanlage, um Voll-Ei zu produzieren – das auch hier bleibt. „Wir kämpfen für Regionalität – produzieren, wo auch gegessen wird“, sagt der Agrarfachwirt. Ein Kottsieper-Ei sei ein Produkt mit Lebenslauf und Herkunftsgarantie. Zudem stelle man als regionales Unternehmen die Lebensmittelversorgung sicher und könne schnell reagieren.

Anna Kottsieper lüftet den Deckel: Hier wird das Voll-Ei erst bei 63 Grad pasteurisiert, damit alle Keime abgetötet werden, danach homogenisiert.

Die Produktion: Montags gelegt, dienstags abgefüllt, mittwochs in der Bäckerei: Frischer geht es kaum. Immer dienstags wird nach vorheriger Bestellung Voll-Ei hergestellt. 20 Eier ergeben 1 Kilo, 200 Eier dementsprechend 10 Kilo. Die Nachfrage ist gestiegen: Aktuell produzieren die Kottsiepers 2500 Kilo. Und so wird eine runde Sache draus: Erst werden die kleinen Nährstoffbomben in der Eierpackstelle sortiert. Dann werden sie automatisch aufgeschlagen, bei 63 Grad für vier Minuten pasteurisiert, damit alle Bakterien abgetötet werden, und homogenisiert. So wird das Voll-Ei schonend haltbar gemacht. Abgepackt, wird es in gekühlten Behältern ausgeliefert. Von den Bäckereien gab es positive Rückmeldung: Ballen wurden dank des fluffigen Voll-Eis 10 Prozent größer, Weckmänner schön braun, Tortenböden lockerer. „Wir setzen dabei auf Natürlichkeit: Unser Voll-Ei enthält keine Konservierungsstoffe oder Zitronensäure“, erklärt Anna Kottsieper.

Fertig für die Auslieferung: 200 Eier ergeben 10 Kilo Voll-Ei..

Das Futter: Auf 85 Hektar bauen die Kottsiepers Weizen und Gerste an – ohne Gentechnik. Nur einen geringen Teil kaufen sie zu.

Die Produkte: Die Eier aus Obergarschagen sind in 85 Supermärkten von Solingen und und Remscheid über Leverkusen bis Köln zu finden. Aktuell sind eher weiße gefragt – die lassen sich besser färben. Sechs bunte Eier im rosafarbenen Pappkarton hat Kottsieper übrigens das ganze Jahr über im Programm. Die sind vor allem bei Handwerkern beliebt. Das Voll-Ei wird an Bäckereien und Hersteller in der Region geliefert. Auch eine Feuerwehr ordert es: Die Jungs lieben Rührei. Für ihre Lieferfahrten haben die Kottsiepers zwei Lkw und zwei Lieferwagen – mit dem einprägsamen Kennzeichen „RS-EI“.

Kontakt

Der Geflügelhof: Anna und Robin Kottsieper führen den Geflügelhof in Obergarschagen 9a in Lüttringhausen. Er zählt 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Interessierte können sich die gläserne Produktion ansehen.

Kontakt: Tel. 6 9 04 90; per E-Mail; Instagram: eiermann1; Facebook: der Eiermann; info@kottsieper.de; www.kottsieper.de

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