Check

„Remscheid ist eine Fußgängerstadt“

An den Begehungen der Innenstadt und Lenneps im September nahmen auch Menschen mit Sehbehinderungen und Rollstuhlfahrer teil. Sie verdeutlichten, welche Schwierigkeiten es für sie auf dem Weg durch Remscheid gibt. Foto: Roland Keusch
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An den Begehungen der Innenstadt und Lenneps im September nahmen auch Menschen mit Sehbehinderungen und Rollstuhlfahrer teil. Sie verdeutlichten, welche Schwierigkeiten es für sie auf dem Weg durch Remscheid gibt.

Fußverkehrs-Check geht auf die Zielgerade – Planer sehen viel Potenzial.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Radfahrern in Remscheid kann Jörg Thiemann-Linden nur bedingt Hoffnungen machen. „Das ist vielleicht die Großstadt, in der die Voraussetzungen für dieses Thema am schwierigsten sind“, sagt der Mitarbeiter des Kölner Planungsbüros Via. Ganz anders schätzt er die Situation für andere Verkehrsteilnehmer ein: „Remscheid ist eine typische Fußgängerstadt mit vielen Potenzialen.“ Die zu identifizieren, ist das Ziel des Fußverkehrs-Check. Das Programm geht auf die Zielgerade.

Der Fußverkehr ist ein Baustein der gesamtstädtischen Mobilitätsstrategie, die der Rat im Juli 2018 verabschiedet hat, erinnert Dezernentin Barbara Reul-Nocke. Für den Check hatte sich der Fachdienst Umwelt beworben – und als eine von zwölf Städten in NRW den Zuschlag erhalten. Das von Via begleitete Vorhaben wird vollständig vom Zukunftsnetz Mobilität NRW gefördert.

Drei Ziele skizziert Kirsten Niklas vom Planungsbüro. Zum einen soll der Check Stärken und Schwächen des Fußverkehrs in Remscheid aufzeigen. Andererseits sollen Verwaltung und Bürger gemeinsamen für das Thema sensibilisiert werden. Es soll zudem zukünftig im Rathaus ämterübergreifend bearbeitet werden.

„Wir wollen schauen, welche Maßnahmen sich auf andere Teile Remscheids übertragen lassen.“
Lukas Gregori, Klimaschutzmanager

Gestern hat die dritte Phase des Fußverkehrs-Checks begonnen. Vorausgegangen sind ihr ein Auftaktworkshop im August und zwei Begehungen der Innenstadt und Lenneps im September. Zu beiden Spaziergängen waren jeweils knapp 25 Teilnehmer gekommen. Die „Alltagsexperten“ aus Verwaltung, Politik und Gesellschaft brachten ihre Sichtweise auf das Thema ein.

Auf dieser Grundlage haben Jörg Thiemann-Linden und Kirsten Niklas einige Maßnahmen entwickelt, die wiederum bei zwei Abschlussworkshops zur Diskussion stehen (| Kasten). Die Vorschläge sind durchaus konkret, wie Beispiele aus der Innenstadt zeigen. Rund um den Theodor-Heuss-Platz fehlen etwa Sitzgelegenheiten und Grün. Der Weg vom Rathaus zur Alleestraße vorbei an der Parkhauseinfahrt ist wenig einladend. Um das zu verändern, schlagen die Planer vor, den Taxistand auf die andere Straßenseite zu verlegen und den Fußweg mit Blumenkübeln zu schützen.

Themen in Lennep sind etwa die Düstergasse. Ihre Attraktivität für Fußgänger soll steigen. Gelingen könnte das, indem man die Straße in einen verkehrsberuhigten Bereich verwandelt. Außerdem gibt es Überlegungen, Ampelschaltungen zugunsten von Fußgängern anzupassen.

Was sowohl in Alt-Remscheid als auch in Lennep Probleme bereitet, sind fehlende Leitsysteme für seh- sowie zu hohe Hürden für gehbehinderte Menschen. An diesen Beispielen werden die Schwerpunkte des Fußverkehrs-Checks deutlich: Sicherheit, Barrierefreiheit und Wegebeziehungen. Sie zeigen allerdings auch, dass es grundsätzliche Probleme gibt, die nicht nur die untersuchten Stadtteile betreffen. Der städtische Klimaschutzmanager Lukas Gregori erklärt: „Wir wollen schauen, welche Maßnahmen sich auf andere Teile Remscheids übertragen lassen.“

Wenn die Abschlussworkshops vorbei sind, bereiten die Via-Mitarbeiter ihren Bericht für die Verwaltung vor. Das dauert wohl bis Ende des Jahres. Anschließend überprüfen die Experten im Rathaus, ob es gegen manche Vorschläge grundsätzliche Einwände gibt, beispielsweise rechtlicher Natur. Ist diese Frage geklärt, bekommt die Politik die Ergebnisse zu sehen.

Gregori rechnet damit, dass die ersten einfach umzusetzenden Maßnahmen binnen eines Jahres sichtbar werden. Größere bauliche Veränderungen benötigen mehr Zeit.

Workshops

Aufgrund der Corona-Pandemie finden die Abschlussworkshops des Fußverkehrs-Check digital per Zoom statt. Gestern Abend machte die Nachbereitung der Begehung in Lennep den Auftakt. Am kommenden Donnerstag, 19. November, geht es von 18 bis 20 Uhr um die Ergebnisse der Begehung der Remscheider Innenstadt. Wer daran teilnehmen möchte, kann sich bis zum 18. November per Mail anmelden.

umweltamt@remscheid.de

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