Jubiläum in Lennep

Barmag: Ein Pionier mit einer wechselvollen Geschichte

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Am südlichen Rand der Lenneper Innenstadt liegt bis heute das Stammwerk der Barmag.

Die „Technikperle“ Barmag wird 100 Jahre alt. Das Unternehmen produziert Maschinen, mit denen zum Beispiel Polyester hergestellt wird.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Vom atmungsaktiven Sporttextil bis zum Sitzbezug im Auto – Chemiefasern sind heutzutage längst nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken. Vor 100 Jahren sah das noch ganz anders aus: Kunstseide, später Rayon genannt, war ein junges Produkt, die Herstellung steckte noch in den Kinderschuhen. Eines der ersten Unternehmen, die damals dieses Neuland betraten, feiert nun runden Geburtstag. Oerlikon Barmag wird 100 Jahre alt.

Geschäftsführer Georg Stausberg blickt zuversichtlich in die Zukunft des Maschinenbauers.

Die Firma, nach eigenen Angaben Weltmarktführer im Bereich Spinnanlagen für Nylon, Polyester und Polypropylen sowie Texturiermaschinen, nimmt bis heute selbst im mit zahlreichen Technologieführern gesegneten Remscheid eine besondere Rolle ein. Als „Technikperle“ bezeichnete der RGA die Barmag zum Beispiel einst. Und ein Aufsatz des Bergischen Geschichtsvereins zum 75-jährigen Jubiläum weist gleich im ersten Absatz darauf hin: „Ohne Maschinen der Barmag wären zahlreiche Chemiefasern bis heute nicht oder zumindest in anderer Form auf dem Markt.“

Geschäftsführer und CEO Georg Stausberg drückt das so aus: „Seit über 100 Jahren inspirieren wir die globale Chemiefaserindustrie immer wieder aufs Neue durch disruptive und nachhaltige Innovationen.“ Dass diese Entwicklung direkt mit dem Standort zusammenhängt, daran lässt Stausberg, der seit 1995 in Remscheid lebt, keinen Zweifel: In Lennep habe man „eine der Keimzellen der Chemiefaserwelt“ geschaffen: „Höhen und Tiefen wurden von hier aus gemeinsam gemeistert.“ Und das werde man auch zukünftig von gleicher Stelle aus tun.

Dabei liegen die Wurzeln der Barmag eigentlich ein paar Kilometer weiter nördlich: Das Unternehmen wurde am 27. März 1922 im heutigen Wuppertaler Stadtteil Barmen als Barmer Maschinenfabrik Aktiengesellschaft gegründet. Ziel war es, für die Elberfelder Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG eine Art Hausmaschinenfabrik zu schaffen. Bis dahin hatten die wenigen Firmen, die sich mit Textilfasern beschäftigten, die dafür notwendige Technologie selbst entwickelt. Weil es der schnell wachsenden Firma dort aber bald zu eng wurde, erfolgte schließlich der Umzug.

Seither hat die Barmag viel erlebt. Die „goldenen Zwanziger“ und die Weltwirtschaftskrise, am Ende des Zweiten Weltkrieg wurde das Werk weitgehend zerstört, nach dem Wiederaufbau intensivierte das Lenneper Unternehmen seine internationale Expansion. Nach der Wende übernahm man die ehemaligen DDR-Spinn- und Zwirnerei Maschinenbau GmbH in Chemnitz. Nachdem die Mehrheitsverhältnisse unter den Aktionären mehrfach gewechselt hatte, landete die Barmag 1999 bei der Schweizer Sauer AG, die ihre Neuerwerbung ein paar Jahre später von der Börse nahm. 2007 wurde Sauer und damit die Barmag Teil des Schweizer Technologiekonzern OC Oerlikon, seither heißt die Firma Oerlikon Barmag.

Höhen und Tiefen wurden von hier aus gemeinsam gemeistert.

CEO Georg Stausberg über den Standort Lennep
Von Lennep aus hat so manche Innovation ihren Weg in die Welt der Chemiefaser gefunden.

Und auch mit 100 Jahren hat das Unternehmen noch einiges vor. „In Zukunft werden wir auch weiterhin etablierte Prozesse immer wieder neu in Frage stellen und konventionelle Verfahren und Denkmuster aufbrechen“, verspricht CEO Georg Stausberg. Innovation beginne mit Kreativität: „Und diese fördern wir aktiv mit einer multikulturellen und offenen Unternehmenskultur.“

Prognosen seien zwar angesichts der aktuellen Entwicklungen schwierig, sagt Stausberg. Trotzdem bleibe er optimistisch, „weil wir hervorragende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben“. Die Auftragslage sei gut: „Für die deutschen Standorte der Oerlikon Barmag kann ich sagen: Unsere Arbeitsplätze sind sicher.“

Hintergrund

Unternehmen: Oerlikon hat weltweit rund 11 800 Beschäftigte, etwa 1500 davon am Standort Remscheid. Die hier ansässige Oerlikon Textile GmbH & Co. KG erwirtschaftete 2020 Umsatzerlöse von über 660 Millionen Euro.

Feiern: Gefeiert wird mit einem Empfang am Montag. Außerdem sind ein Fest im Spätsommer in der Wuppertaler Stadthalle und kleinere Events zu Messen in der Türkei, den USA, Deutschland, China und Indien geplant.

Auch interessant: Remscheider Firma liefert Maschinen für die Produktion von Akkus.

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