Telefon-Hotline

Ein offenes Ohr hilft gegen Einsamkeit und Überforderung

Auch an Silvester ist der Telefonbesuchsdienst der Stadt erreichbar
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Auch an Silvester ist der Telefonbesuchsdienst der Stadt erreichbar . .

Der Telefonbesuchsdienst der Stadt ist noch bis ins neue Jahr erreichbar.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Für viele sind die Festtage vor allem geprägt durch Zeit mit der Familie. Für andere ist es die Phase, in der die Einsamkeit besonders wehtut. Um hier auch und gerade in der Zeit von Corona Abhilfe zu schaffen, hat die Remscheider Stadtverwaltung ein neues Angebot ins Leben gerufen: ein Telefonbesuchsdienst für Ältere, von Einsamkeit Betroffene und pflegende Angehörige.

Bereits seit Montag vor einer Woche gibt es täglich von 10 bis 16 Uhr unter Tel. (0 21 91) 16 91 19 ein offenes Ohr. Auch über Weihnachten war die Telefon-Hotline besetzt. „Selbst wenn die Verwaltung an den Feiertagen eigentlich geschlossen ist, haben wir uns gedacht, dass wir das gerade dann anbieten müssen“, berichtet Sozialarbeiter Daniel Schmidt. „Das ist ja die Zeit, in der viele ins Grübeln geraten.“

. . . unter anderem in Person von Daniela Krein . . .

Schmidt gehört zu dem dreiköpfigen Team hinter dem Telefonbesuchsdienst, zusammen mit Ayse Tosun und Daniela Krein. Das sei kein therapeutisches Angebot, betont er, sondern vielmehr eine telefonische Anlaufstelle. Die Einsamkeit von Alleinstehenden und ein gewisses Überforderungsgefühl bei pflegenden Angehörigen seien Themen, die immer wieder auftauchen.

Anrufer fühlten sich an Heiligabend einsam

Und so hätten diese beiden Blöcke dann auch eine Vielzahl der Anrufe ausgemacht, sagt Daniel Schmidt. Gerade Ältere, so ab 60 Jahre aufwärts, schätzt der Sozialarbeiter, hätten sich gemeldet, weil sie sich einsam fühlten. „Viele haben noch Familie“, berichtet Schmidt. Doch die wohne teils weit weg. Oder die Beziehung sei schwierig. Jüngere Anrufer, etwa ab 60 Jahren abwärts, seien oft pflegende Angehörigen gewesen, vor allem von an Demenz Erkrankten. „Viele fühlen sich wie in einem Hamsterrad“, sagt Daniel Schmidt: „Die machen und machen. Und kriegen dann noch einen drüber, wenn der Kaffee zum Beispiel nicht heißt genug ist.“

. . . und Daniel Schmidt.

In solchen Situationen den „ersten Druck rausnehmen“ und den Anrufern klar zu machen, dass sie mit diesem Gefühl nicht alleine sein, helfe oftmals, so Schmidt. „Das ist dann keine richtig tiefe telefonische Beratung, sondern nur ein erstes Gespräch.“ Könne aber als Basis dienen, um im neuen Jahr Kontakte zur Pflege- und Wohnberatung der Stadt zu knüpfen. „Der Telefonbesuchsdienst kann auch dazu dienen, diese Strukturen bekannter zu machen.“

Als dritte Anrufer-Gruppe hat das Team Menschen ausgemacht, die unter unterschiedlichen Auffassungen zur Pandemie leiden. „Gerade ältere Menschen sind da oftmals nicht ängstlich“, sagt Schmidt. Und würden dann nicht verstehen, dass ihre jüngeren Angehörigen sie nicht besuchen wollen.

17 Anrufe gingen über die Feiertage beim Telefonbesuchsdienst an

Allen Anrufern gemein sei gewesen, dass sie sich offensichtlich unsicher waren, ob sie überhaupt zum Hörer greifen sollten. Die „Stadt“ sei für viele halt „das Amt“, sagt Daniel Schmidt: „Da anzurufen, ist für manche erstmal unangenehm.“ Doch sei diese Hürde genommen, entwickle sich oft ein tolles Gespräch. „Wir stellen eine kurze Frage, dann erzählen die Leute meist von sich aus.“

Dass diese Hürde aber für einige noch zu hoch ist, zeigt die bisherige Nutzung des Telefonbesuchsdiensts. Die ersten drei Tage habe es nicht einen Anruf gegeben. Über die Feiertage dann immerhin insgesamt 17. Das habe das Team, auch wegen der Erfahrungen mit der speziellen Corona-Hotline für Senioren, durchaus verwundert, sagt der Sozialarbeiter. Im städtischen Seniorenbüro unter Tel. 4 64 53 51 habe es zu Spitzenzeiten schließlich bis zu 100 Anrufe am Tag gegeben, erinnert sich Daniel Schmidt: „Aber offensichtlich fällt es leichter, nach einem Lieferdienst für Senioren zu fragen, als sich zu melden, weil man einsam ist.“

Kontakt: Erreichbar ist der Telefonbesuchsdienst der Stadt noch mindestens bis einschließlich 3. Januar täglich 10 bis 16 Uhr unter Tel. (0 21 91) 16 91 19.

Telefonseelsorge

Der Telefonbesuchsdienst für Ältere, von Einsamkeit Betroffene und pflegende Angehörige sei ausdrücklich kein Ersatz für die Telefonseelsorge, betont die Stadtverwaltung. Wer sich in einer schweren persönlichen Krise befinde, erhalte Hilfe unter Tel. (0800) 111 0 111 Tel. (0800) 111 0 222 oder Tel. 116 123.

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