Kranken- und Altenpfleger fehlen

Ein neuer Bildungsgang gegen den Pflegenotstand

Bei der Beratung geht es auch um die Pflege. Symbolfoto: up
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Bei der Beratung geht es auch um die Pflege.

Sozialausschuss beschäftigt sich mit dem Fachkräftemangel in Sozialberufen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Auch in Remscheid werden teils händeringend Kranken- und Altenpfleger gesucht – wie überall in Deutschland. Nun landete das Thema auf der Tagesordnung des Sozialausschusses. Und dort kristallisierte sich ein möglicher Lösungsansatz heraus: ein neuer Bildungsgang an einem Berufskolleg.

Mitgebracht hatte die Idee Martin Klebe, Chef der örtlichen Agentur für Arbeit, der von der zweijährigen Höheren Berufsfachschule mit Schwerpunkt Gesundheit am Wuppertaler Berufskolleg Kohlstraße berichtete. Dort werden Schulabsolventen nach der 10. Klasse auf die Ausbildung zur Pflegefachkraft vorbereitet.

Viele Ausbildungsbetriebe würden nur ungern Minderjährige einstellen, so Klebe. Mit dem neuen Bildungsgang könnten die Schülerinnen und Schüler nicht nur die Zeit bis zum 18. Geburtstag sinnvoll überbrücken, sondern auch erste Kenntnisse und Erfahrungen im Pflege-Bereich erwerben. Und dazu noch die Fachhochschulreife.

„Es geht darum, eine Brücke zu bauen in einen Beruf, der eine große Nachfrage hat“, sagt Klebe. Zumal dieser Bereich an allgemeinbildenden Schulen oft zu kurz komme. Die Nachfrage für ein solches Angebot sei da, so der Agenturchef: Das Berufskolleg Kohlstraße, das zuletzt die Hälfte der Bewerber ablehnen musste, plane den Bildungsgang ab Sommer zweizügig.

Hat das Käthe-Kollwitz-Berufskolleg genug Kapazitäten? Diese Frage muss geklärt werden

In Politik und Verwaltung in Remscheid scheint Klebes Anregung auf Zustimmung zu treffen. Die Resonanz im Ausschuss war positiv. Und auch der zuständige Dezernent Thomas Neuhaus spricht von „einer guten Sache“, die man gerne unterstützen werde. Allerdings gebe es noch viel Abstimmungsbedarf.

So müsse geklärt werden, ob das Käthe-Kollwitz-Berufskolleg, das in Remscheid aufgrund seiner Ausrichtung am ehesten dafür in Frage käme, über die notwendigen Kapazitäten verfüge, so Neuhaus: „Lehrer gibt es ja gerade in diesem Bereich auch nicht endlos.“ Zudem müssten sich die Kollegs in der Region untereinander absprechen: „Die wollen sich ja nicht gegenseitig die Butter vom Brot nehmen.“

Wie hoch der Bedarf an Pflegekräften in Remscheid ist, machten Zahlen deutlich, die die Arbeitsagentur im Ausschuss präsentierte: Während dort ständig einige dutzend freie Stellen in der Alten- und der Krankenpflege gemeldet sind, bleibt die Zahl der arbeitslos gemeldeten Pflegekräfte konstant unter zehn. Und die seien meist auch nur in einer Phase der beruflichen Neuorientierung kurzfristig bei der Agentur gemeldet, sagt Sarah Connerth von der Berufsberatung: „Die meisten haben schon mehrere Angebote, wenn sie zu uns kommen, und müssen dann nur noch auswählen, welches sie nehmen.“

Die evangelische Pflegeakademie verzeichnet große Nachfrage.

Standpunkt: Berufliche Erfüllung

sven.schlickowey@rga.de

Man kann das Klatschen aus der ersten Corona-Phase fast noch in den Händen spüren, viel verbessert hat sich für die Pflegekräfte im Land seither aber nichts. Dass man nun darüber nachdenkt, dem Fachkräftemangel in diesem Bereich mit einem neuen Schulangebot entgegenzuwirken, wird das Problem kaum lösen, das geht wohl nur mit einem umfangreichen gesellschaftlichen Wandel. Es kann aber ein Baustein sein, um die Situation zu verbessern. Dass nämlich trotz aller Unbillen so viele Menschen in der Pflege ihre Berufung finden, bundesweit deutlich mehr als eine Millionen Menschen, zeigt, dass dieser Job neben Stress und anderen Nachteilen auch viel zu bieten hat, insbesondere ein hohes Maß an beruflicher Erfüllung, das viele Pflegerinnen und Pfleger immer wieder beschreiben. Gelingt es, dies an junge Menschen zu vermitteln, könnten die Nachwuchssorgen bald Geschichte sein. Gelingt es dann noch, die Arbeitsbedingungen in der Pflege nachhaltig zu verbessern, bleiben die jungen Leute auch.

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