Meine erste Platte

Ein großer Musik-Freak ist er allerdings bis heute nicht

Gerhard Dietrich-Wingender mit seiner ersten Platte: Concert for Bangla Desh. Foto: Roland Keusch
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Gerhard Dietrich-Wingender mit seiner ersten Platte: Concert for Bangla Desh.

Gerhard Dietrich-Wingender steht auf Rock-Balladen

Von Peter Klohs

Remscheid. Gerhard Dietrich-Wingender kennt noch genau die Geschichte zu seiner ersten Platte. „Ich war 16 Jahre alt“ erinnert er sich, „und mein Taschengeld reichte sicher nicht aus, um mir eine Dreifach-LP zu leisten. Da habe ich mir ‚Concert for Bangla Desh’ von den Eltern zum Geburtstag gewünscht.“

Dietrich-Wingender, groß geworden in einem Pastorenhaushalt, hat das soziale Engagement von George Harrison stark beeindruckt. Außerdem war er in der allgegenwärtigen Frage, ob man die Beatles oder die Rolling Stones besser fand, damals noch eindeutig aufseiten des Quartetts aus Liverpool. „Die Beatles hatten sich 1970 aufgelöst“, weiß der ehemalige Diplom-Sozialarbeiter, „und diese Triple-LP kam kurz danach. Es sind ja auch einige Beatles-Stücke drauf. Und tolle Musiker waren dabei.“

Dietrich-Wingender erinnert sich an Bob Dylan, Eric Clapton und Don Preston. „Auf der ersten von den sechs LP-Seiten spielte Ravi Shankar einen endlos langen Raga. Das habe ich, wie beinahe alle, nicht verstanden. Die Beatles-Stücke waren klasse. Und der Gedanke des Helfens durch den Kauf der Platte war natürlich auch vorhanden.“

Einen eigenen Plattenspieler besaß Dietrich-Wingender nicht. Er musste die Musik auf dem Plattenspieler seiner Eltern hören. Bei genauem Überlegen fällt dem seit einigen Monaten im Ruhestand befindlichen Sozialarbeiter ein, dass er zuvor zwei Singles besaß, die er von seiner Schwester geschenkt bekommen hatte: eine von Adamo, die andere von Udo Jürgens. „Ich stand nicht auf Schlager“, sagt Dietrich-Wingender, „aber damals gab es ja nur Hecks Hitparade. Aber meine erste LP war definitiv das Bangla-Desh-Konzert.“

Als wichtige Musik auf seinem weiteren Lebensweg bezeichnet er Bob Marleys „Kaya“ aus dem Jahr 1978 („Die habe ich rauf und runter gehört“), die Kölner Band Bap, deren Qualitäten er durch einen Freund nahe gebracht bekam, und die depressiven Töne eines Leonard Cohen, die der ehemalige Sozialarbeiter meist hörte, wenn er unter Liebeskummer litt. „Aber auch Bach hörte ich dann intensiv“, erinnert er sich. „Die Fuge über seinen Namen, in den Tonarten B-A-C-H, das ist schon sehr düsteres Moll.“

Er muss einen persönlichen Bezug zu der Musik haben

Es ist lange her, dass er solch dunkle und für viele Ohren sicher depressive Töne hören mochte. „Heute brauche ich Heiteres“, sagt er.

Durch die Erinnerungen kommen noch einige Namen ans Tageslicht: Xavier Naidoo fällt ihm ein. „Das Lied ‚Dieser Weg’ hat mir damals sehr viel bedeutet. Über Naidoo selbst brauchen wir uns nicht unterhalten.“ Nazareth („This flight tonight“) und Police hörte er auch gerne und oft. „Ich stand schon immer auf Rock-Balladen“, gibt er zu. „Musik muss für mich eingängig sein. Oder ich muss einen persönlichen Bezug dazu haben.“

In der Zeit, als er im Lenneper Jugendzentrum arbeitete, lernte er auf einer Italienreise die Liedermacher „Sbronzi di Riace“ kennen, die er dann 1993 nach Lennep einlud. „Das Konzert, das sie im Jugendzentrum gespielt haben, habe ich aufgenommen. Leider ist die Qualität mäßig.“

Seinen ersten CD-Player kaufte er am 8. Dezember 1988, am Tag, als ein Flugzeug in ein Haus auf der Stockder Straße abstürzte. „Ich habe mir immer viel Sampler gekauft“, sagt er heute, „weil mir meistens zwei Stücke eines Musikers reichten.“

Heutzutage hört Gerhard Dietrich-Wingender Musik hauptsächlich im Radio. „Ich war nie der Musik-Freak“, sagt er. „LPs waren mir nicht heilig.“ Ein Türstopper in seiner Wohnung, der früher einmal eine Johnny-Cash-LP gewesen ist, beweist das sehr nachdrücklich.

Zur Person

Gerhard Dietrich-Wingender wurde 1957 in Recklinghausen geboren und verbrachte einen Großteil seiner Jugend in Kierspe, bevor er Ende der 80er Jahre nach Remscheid zog. Er war als Sozialarbeiter bei der Stadt Remscheid beschäftigt und Geschäftsführer des Remscheider Jugendrates. Seit dem 1. April 2021 befindet sich Dietrich-Wingender im Ruhestand, den er sehr genießt.

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