Montag läuft die Frist ab

Eigentümer bietet der Stadt Sinn-Leffers-Ruine für 4,5 Millionen Euro an

Die Stadt hätte sie für weniger als eine Million Euro haben können. Nun soll die Ruine für das Vierfache den Besitzer wechseln. Foto: Roland Keusch
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Die Stadt hätte sie für weniger als eine Million Euro haben können. Nun soll die Ruine für das Vierfache den Besitzer wechseln.

Am Montag läuft für die Stadt Remscheid mit Blick auf den alten Sinn-Leffers an der Alleestraße eine weitere Frist ab. Dass sie sie einhält, ist diesmal allerdings nicht so wichtig.

Von Axel Richter

Remscheid. Für rund 4,5 Millionen Euro hat die Firma PVS Projektgesellschaft in Herford die Kaufhausruine samt Grundstück der Stadt zum Kauf angeboten. Vor wenigen Monaten sollte beides nicht einmal eine Million kosten. Die Stadt hat bereits abgewunken. Der alte Sinn soll deshalb schon bald wieder einen neuen Besitzer finden: einen Immobilienfonds aus München.

Zur Erinnerung: Die Stadt hatte große Pläne für das vor vielen Jahren verlassene Gebäude. Die Stadtbibliothek sollte dorthin umziehen und mit der Volkshochschule einen sogenannten „Dritten Ort“ an der Alleestraße entstehen lassen – mit Café und einem neuen Platz zum Verweilen. Die Voraussetzungen schienen günstig. Denn die Stadt verfügte über ein Vorkaufsrecht auf den größten Leerstand in der Innenstadt.

Um dieses Recht beim Verkäufer, einer Immobiliengesellschaft in Luxemburg, anzumelden, hatte das Baudezernat drei Monate Zeit. Dennoch versäumte es die Behörde, die Urkunde rechtzeitig bei der Post aufzugeben. Die Frist verstrich, weshalb ein anderer Käufer zum Zuge kam – nämlich die Hollmann & Klassen GmbH & Co. KG in Stuhr bei Bremen. Die überließ wiederum der Firma PVS in Herford die Entwicklung des Grundstücks.

„Wir haben der Stadt angeboten, den ,Dritten Ort‘ für sie umzusetzen“, erklärt PVS-Chef Volker Mädel im Gespräch mit dem RGA: „Einschließlich der Stadtbücherei und der Volkshochschule.“ Doch Mädel spricht von einer „negativen und wenig konstruktiven Gesprächsatmosphäre“ in Remscheid. Weitere Treffen gab es nicht.

Fakt ist: Die Stadt hätte Mieter der neu zu bauenden Immobilie werden müssen. Mit Verweis auf die Kosten lehnte sie ab. Die Herforder griffen daraufhin auf ihre Idee für altengerechtes Wohnen zurück. Das aber möchte die Stadt an Ort und Stelle ebenfalls nicht. Seniorenwohnungen vertrügen sich nicht mit den Zielen des Sanierungskonzeptes für die Allee, hatte Remscheids Baudezernent Peter Heinze nach dem geplatzten Immobiliengeschäft gesagt.

Remscheid: SPD spricht von „Mondpreisen“

„Bevor uns jetzt bei der Verwirklichung unseres Projektes bei jeder Gelegenheit Probleme bereitet werden, wollen wir uns wieder von der Immobilie trennen“, erklärt PVS-Chef Mädel. Für rund 4,5 Millionen bot er der Stadt den Sinn zum Kauf an. Im Stadtrat sprach die SPD von „Mondpreisen“. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) wies das Angebot zurück.

Volker Mädel zeigt sich im RGA-Gespräch gelassen. „Wir haben eine Fondsgesellschaft aus München, die ebenfalls an der Liegenschaft interessiert ist“, sagt er. Sie würde sogar zu einem höheren Preis einschlagen. Was die Münchener mit der Ruine vorhaben, wenn sie denn zum Zuge käme? „Die würden ebenfalls eine wohnwirtschaftliche Nutzung sehen“, sagt Mädel.

Remscheid: So günstig ist die Immobilie nicht mehr zu haben

Eine Chance, das abzuwenden und doch noch die eigenen Pläne vom „Dritten Ort“ zu verwirklichen, hat die Stadt freilich noch. Sie könnte erneut versuchen, ihr Vorkaufsrecht wahrzunehmen, das ihr auch im Falle eines weiteren Verkaufs zustünde. So viel ist allerdings sicher: Selbst wenn es ihr diesmal gelänge, die Unterlagen rechtzeitig in die Post zu geben – zu dem Preis, den der alte Sinn-Leffers noch vor wenigen Monaten kosten sollte, ist er für die Stadt nicht mehr zu haben.

Standpunkt: Noch mal in sich gehen

Von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga.de

Ob es wirklich in München oder wo auch immer einen Fonds gibt, der für das ehemalige Sinn-Leffers-Gebäude mehr als 4,5 Millionen Euro zahlen möchte, oder ob das nur ein Verhandlungspoker ist, sei mal dahingestellt. Denn egal, wer die Immobilie auch erwirbt, dem Käufer muss klar sein, dass seine Neuwerbung in naher Zukunft unter die Sanierungssatzung für den Innenstadtbereich fällt. Was das bedeutet, erfährt, wer einen Blick in Paragraf 136 Baugesetzbuch wirft. Darin sind für Gebiete, die in der Erfüllung der ihnen eigentlich zugedachten Aufgaben „erheblich beeinträchtigt“ sind, sogenannte „städtebauliche Sanierungsmaßnahmen“ geregelt. Und die dienen, wie in Absatz 4 ausdrücklich betont, immer „dem Wohl der Allgemeinheit“. Das sollten sich der aktuelle Eigentümer und der mögliche Käufer vielleicht noch mal durch den Kopf gehen lassen. Und dann noch mal in sich gehen, ob man eine Ruine mit 1,5 Millionen Verkehrswert, von dem noch mal gut die Hälfte als Abrisskosten abgezogen werden muss, wirklich für 4,5 Millionen anbieten sollte.

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