Brennhaare

Fiese Raupen: Meisen sollen Eichenprozessionsspinner fressen

Fachfirmen saugen im Auftrag der TBR die Nester mit einem speziellen Sauger ab.
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Fachfirmen saugen im Auftrag der TBR die Nester mit einem speziellen Sauger ab.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Der gefährliche Eichenprozessionsspinner ist dieses Jahr etwas später dran. So verhält man sich richtig.

Remscheid. Vergangenes Jahr um diese Zeit war er schon richtig aktiv, jetzt scheint er aber immer noch im Frühjahrsschlaf zu sein: der Eichenprozessionsspinner (EPS). Die Raupen, die sich auf Eichen und Hainbuchen so richtig wohlfühlen, halten die Technischen Betriebe seit Jahren auf Trab. Wir erklären, was mit den fiesen Tierchen los ist und wie man sich verhalten sollte, wenn man den EPS entdeckt.

Wie ist die aktuelle EPS-Lage?

Bislang relativ ruhig, sagt Reinhard Bauer, Bereichsleiter für Grünflächen bei den TBR. Letzte und vorletzte Woche hat die eingesetzte Fachfirma erst die ersten Nester entfernt: zwei in Bliedinghausen und eins in Reinshagen. Auch vonseiten der Remscheiderinnen und Remscheider wurden bislang nicht wirklich Fundorte gemeldet. „Wir gehen aber davon aus, dass das noch kommt“, sagt der Experte.

Woran liegt es?

So sieht der Eichenprozessionsspinner aus.

„Diese Schwankung haben selbst wir so nicht erwartet“, sagt Bauer. Denn in den vergangenen Jahren gab es bereits im Mai die ersten Sichtungen. Wir erinnern uns zudem an großflächige Sperrungen im Stadtpark. „Es spielen sicher auch Witterungsgründe dort hinein.“ Denn Bauer vermutet, dass es mit der ziemlich starken Regenperiode im Frühjahr zusammenhängt. „Wie das Wetter aber im Detail den Entwicklungszyklus des Eichenprozessionsspinners beeinflusst, ist noch gar nicht richtig erforscht.“

Der EPS bleibt ein großes Rätsel. Als möglichen Grund für das vermehrte Vorkommen sehen Biologen die zunehmende Trockenheit vergangener Jahre. Die Luft war sehr trocken. Aber nur eine hohe Luftfeuchtigkeit fördere Pilze, die Insekten befallen. Da dies ausblieb, überlebten mehr Larven als in anderen Jahren.

Zahl der Hitzetage wird massiv steigen

Gibt es EPS-Hotspots?

Ja. „Es gibt bestimmte Bereiche, da tauchen die Raupen immer wieder auf.“ Zum Beispiel in Reinshagen. Wenn eine Eiche einmal befallen war, könne man über die Jahre hinweg beobachten, dass sie auch immer wieder befallen wird, sagt Reinhard Bauer. Oder es sich die Raupen zumindest in der Nachbarschaft gemütlich machen. „Die Frage ist nur, ob sich die Entwicklung und Vermehrung so weiter fortsetzt.“ Und ob auch stetig neue Bäume besiedelt würden. Nach aktuellem Stand sieht es nicht so aus. Ein Fazit könnten die TBR aber erst am Ende des Jahres ziehen.

Was ist der EPS genau?

Der Eichenprozessionsspinner ist eigentlich ein unscheinbarer, grau-brauner und nachtaktiver Falter. Heimisch ist er eigentlich vor allem in Süd- und Mitteleuropa bis nach Vorderasien. Im Herbst legen die Falter-Weibchen die Eier, aus denen dann im April und Mai die Raupen mit ihren gefährlichen Haaren schlüpfen, heißt es vom Nabu. Sobald sich die Raupen ab Ende Mai oder später verpuppen, geht nur noch von den Nestern eine Gefahr aus. Meist im August schlüpfen dann die Falter.

Das Problem: Der unscheinbare Schmetterling entwickelt nach der dritten Häutung fiese Brennhaare. Diese können zu Hautreizungen und Atemwegsproblemen bis hin zu Fieber führen. Auch Hundepfoten können verbrennen bei Kontakt mit den Haaren.

Wie geht die Stadt gegen den EPS vor?

Nach Sichtung oder Meldung von Bürgerinnen und Bürgern schicken die TBR eine Fachfirma zur betroffenen Eiche. Diese saugt die Tiere in Vollschutzmontur mit einem speziellen Sauger ab. Manchmal muss auch ein Hubsteiger zum Einsatz kommen, je nachdem, wo sich die Nester befinden.

Das kostet. Die TBR müssen viel Geld für die EPS-Bekämpfung in die Hand nehmen. „Wenn ein Seilkletterer zum Einsatz kommt, ist das schon allein recht teuer: bis zu 1000 Euro für nur einen Baum“, skizziert Bauer.

Nun gehen die TBR auf natürliche Art gegen die Raupen vor: Meisen sollen Jagd auf den EPS machen. Die Raupen schmecken ihnen ganz gut. Dazu wurden im Stadtpark bereits letztes Jahr extra Meisenkästen aufgehängt. Wer weiß, vielleicht haben die Vögel ja schon ganze Arbeit geleistet.

Was tun bei Kontakt?

  • Oberste Regel: nicht anfassen und Bereich meiden. Wer doch mit den Härchen in Kontakt gekommen ist, sollte die betroffenen Körperstellen gründlich abspülen und einen Arzt aufsuchen, falls Beschwerden auftreten.
  • Bei schweren allergischen Reaktionen mit Asthma und Atemnot sollte der Rettungsdienst gerufen werden. Zudem sollte kontaminierte Kleidung schnell gewechselt und bei mindestens 60 Grad gewachsen werden.
  • EPS-Nester bitte der Feuerwehr melden: Tel. 16 24 00.
  • Mehr Infos: remscheid.de

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