70 Jahre

Ehepaar feiert heute die Gnadenhochzeit

Magdalena und Walter Knispel feiern heute Gnadenhochzeit. Kennengelernt haben sie sich beim Volkstanz in der schlesischen Heimat. Foto: Roland Keusch
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Magdalena und Walter Knispel feiern heute Gnadenhochzeit. Kennengelernt haben sie sich beim Volkstanz in der schlesischen Heimat.

Magdalena und Walter Knispel sind seit 70 Jahren verheiratet. Sie hatten sich einst beim Volkstanz kennengelernt.

Von Sabine Naber

Remscheid. Heute feiert das Ehepaar Magdalena und Walter Knispel, ihre Gnaden-Hochzeit, sie sind seit 70 Jahren verheiratet. Beide stammen aus Schlesien, sind durch die Kriegswirren nach Remscheid verschlagen worden. Einst hatten sie sich beim Volkstanz kennengelernt. „Und gleich fleißig getanzt und geküsst“, kann sich Walter Knispel, der in Kürze 99 Jahre alt wird, noch lachend erinnern.

Als sie ins Bergische kamen, fanden sie zunächst bei einer alten Tante Unterschlupf. „Als wir uns 1951 verlobt hatten, haben wir nach einer eigenen Wohnung gesucht, aber keine gefunden. Da hieß es, dass wir verheiratet sein müssten“, erzählt Magdalena Knispel. Also wurde Hochzeit gefeiert.

Magdalena, die zunächst in einem Geschäft gearbeitet hatte, wechselte nach einer Umschulung zur Sparkasse. Dort blieb sie bis zur Rente. Ihr Mann hatte gleich nach seiner Ankunft in der neuen Heimat eine Anstellung bei der Firma DEW (später Thyssen) gefunden. Und auch er blieb dort, bis er in den Ruhestand ging.

Remscheid gefiel ihnen, aber als beide nicht mehr berufstätig waren, da sind sie an den Rhein gezogen. „Mein Mann kannte Bad Breisig schon von einem Aufenthalt im Lazarett. Die Gegend gefiel mir auch und so haben wir uns dort eine Wohnung gekauft und sind 30 Jahre dort geblieben.“ Aber im Sommer, wenn Sohn Eckhard mit seiner Familie in Urlaub fuhr, kam das Ehepaar für ein paar Wochen nach Remscheid, hütete das Haus und nicht zuletzt den Hund.

Vor fünf Jahren aber ist Walter Knispel von einem Auto angefahren und verletzt worden. Er brauchte Hilfe und der Sohn holte seine Eltern wieder zurück nach Remscheid. Jetzt wohnt das Ehepaar an der Lenneper Tuchwiese. „Das ist eine gute Lösung, denn eigentlich sind wir ja inzwischen auch Remscheider geworden“, sagt Magdalena Knispel, die ihrem Mann kräftig geholfen hat, wieder auf die Beine zu kommen. „Wir laufen jeden Tag hier um den Block. Ich mit dem Rollator, meine Frau neben mir“, schildert es ihr Ehemann.

Magdalena Knispel geht noch gerne einkaufen: „Das mache ich am liebsten selbst, lasse mir ungern etwas nach Hause bringen“, verrät sie. Früher gehörten Reisen unbedingt zu ihrem Leben. Man war mehrmals mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs, und in jedem Herbst sei entweder nach Gran Canaria oder nach Teneriffa geflogen worden. Und mit Bus oder Schiff sei es auch immer mal wieder in den hohen Norden gegangen.

Gefragt nach dem Rezept für eine so lange, spürbar harmonische Ehe, betonten beide, dass es eigentlich nie richtigen Streit gegeben habe. „Mein Mann ist sehr ruhig, ich eher temperamentvoll“, sagt Magdalena Knispel mit einem Lächeln. Und betont, dass man bereits seit 74 Jahren zusammengehöre.

Durch die Flucht aus Schlesien, sei die ganze Familie zerstreut worden. „Da waren wir froh, dass es wenigstens die Heimattreffen gab, zu denen man sich wiedergesehen hat. Ihren 60. Hochzeitstag, die diamantene Hochzeit, hätten sie noch richtig groß gefeiert. Jetzt ginge das aber nicht mehr. Aber Sohn, Schwiegertochter und die vier Enkelkinder werden heute zum gemütlichen Kaffeetrinken an der Tuchwiese erwartet. „Unser Sohn wohnt am Zentralpunkt. Er kann in zehn Minuten bei uns sein, und freitags ist regelmäßig sein Besuchstag bei uns“, freut sich das Ehepaar über die Nähe zur Familie.

Gnadenhochzeit

Die Gnadenhochzeit hat einen christlichen Ursprung. Sie symbolisiert Gottes Gnade und Güte, durch die die Ehe 70 Jahre lang angehalten hat. Grundvoraussetzung dafür ist nicht nur eine harmonische Ehe, sondern auch ein langes Leben.

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