Lauter alte Schätzchen

Eheleute verkaufen Inventar der Traditionsgaststätte

Wolfgang Paffrath vor einem Wandgemälde aus der Bauzeit des Gebäudes um 1810, das er wiederentdeckt und freigelegt hat. Foto: Roland Keusch
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Wolfgang Paffrath vor einem Wandgemälde aus der Bauzeit des Gebäudes um 1810, das er wiederentdeckt und freigelegt hat.

Wolfgang Paffrath und Sylvia Dönneweg-Paffrath trennen sich vom Inventar der Traditionsgaststätte „Wirtschaft Richard Becker“.

Von Peter Klohs

Remscheid. Die Traditionsgaststätte „Wirtschaft Richard Becker“ im kleinen Stadtteil Ehringhausen steht zum Verkauf. Das Inhaberehepaar Wolfgang „Bü“ Paffrath und Sylvia Dönneweg-Paffrath wartet noch auf den richtigen Interessenten. „Es gab zahlreiche Besuche von Interessenten“, berichtet die Hausherrin, „und es gab auch einige Angebote. Die waren jedoch weit unter dem Preis angesiedelt, den wir für das Anwesen erzielen möchten, sodass Bü diese Angebote nicht angenommen hat. Es herrscht zurzeit eine große Zurückhaltung auf dem Immobilienmarkt.“

In großer Gelassenheit erwartet das Paar die zukünftige Entwicklung. Derweil planen die Inhaber der Gaststätte, das Inventar zu verkaufen. Dies soll am Wochenende 31. Oktober und 1. November geschehen. „Und eins können wir jetzt schon sagen“, erklärt Bü Paffrath, „alles was in den Räumlichkeiten der Gaststätte steht, kann verkauft werden. Keine Ausnahme.“

Geschichtsträchtige und wertvolle Stücke

Zumindest bei einem seltenen und alten Stück dürfte der Verkauf jedoch schwierig werden. An einer Wand prunkt ein Fresko, Kartenspieler darstellend, sichtbar sehr alt. „Biedermeierzeit“, erklärt Wolfgang Paffrath, „ungefähr 1810. Im Prinzip auch verkäuflich, aber der Aufwand dafür, dieses Fresko aus der Wand zu lösen, dürfte äußerst hoch sein. Ich schätze, da kommt ein fünfstelliger Betrag zusammen.“ Und seine Frau Sylvia scherzt: „Dann verkaufen wir das Fresko sehr teuer, und der Käufer bekommt das Haus mit dazu.“

Zahlreiche alte, wertvolle und geschichtsträchtige Gegenstände stehen, liegen oder hängen in den Räumen der Gaststätte. Eine übermannsgroße Standuhr, die ebenfalls aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts stammt, eine mit schwarzem Leder bezogene Eckbank, ebenfalls aus dieser Zeit, die Einfassung der im vorderen Teil befindlichen Theke. Das sind jedoch nur die ersten Blickfänge. Ein genaueres Betrachten des Gaststätteninventars bringt noch das eine und andere Kleinod zutage: Bilder in Öl und Radierungen von Erich Wilhelm Hasenclever (dem bergischen Hasenclever), der 1866 in Ehringhausen geboren wurde und ein durchaus bekannter Genre- und Landschaftsmaler wurde. An einem Tisch stehen zwei alte Lehnstühle, die aus der Künstlerkolonie Worpswede bei Bremen stammen, Kerzenständer, Spiegel, die zur Zeit der vorletzten Jahrhundertwende angefertigt wurden, einer gut zwei Meter hoch, Garderoben und Garderobenteile, ein Buffet, ebenfalls aus der Jahrhundertwendezeit und aus Eiche hergestellt.

In einer Ecke nimmt ein gut erhaltenes, klassisches bergisches Möbel den Blick gefangen: Ein Eckschrank, der ursprünglich aus weißem Holz war, von einem Fachmann jedoch erstklassig restauriert wurde. Auf dem Tisch davor steht eine Dröppelminna aus dem späten Barock (ca. 1750 - 1800), ein Gussofen von 1880 wartet ebenso wie eine Tiffany-Lampe auf Käufer. An einer Wand hängt ein Zinnteller aus der Zeit des 1. Weltkriegs. Daneben, fein säuberlich eingerahmt, eine Liste der Trunkenbolde, die Bü Paffrath lachend präsentiert. „Darauf stehen die Namen der Gäste, die durch den Genuss von zu viel alkoholischen Getränken aufgefallen sind und deren der Aufenthalt in der Gaststätte nicht mehr erlaubt ist“, berichtet er. „Und die nicht da stehen, sind gestorben.“

Bein Durchgang durch die Räumlichkeiten fällt die Brauanlage auf. Ist sie auch verkäuflich? Bü zögert, wägt seine Antwort ab. „Ja“, sagt er dann, „im Prinzip schon. Wenn mir jemand ein paar Tausend Euro dafür geben würde: Warum nicht?“

Wolfgang Paffrath und seine Frau Sylvia werden, so lange die Traditionsgaststätte nicht verkauft ist, im Haus wohnen bleiben. Der Plan des Ehepaares, danach in Richtung Solingen oder Hilden umzuziehen, hat nach wie vor Bestand. „Aber“, sagt Sylvia Dönneweg-Paffrath abschließend, „was weiß man schon? Vielleicht kommt alles ganz anders.“

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Verkaufsaktion

Der Verkauf des Inventars der Gaststätte Becker soll am Wochenende 31.10. / 1.11. jeweils von 11 bis 17 Uhr stattfinden. In dieser Zeit stehen die Räumlichkeiten allen Interessenten offen. Gaststätte Richard Becker,Ehringhausen 65, Tel. (02191) 5 92 24 97

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