Interview

Durchstich, Freibad, Handel: Das kommt auf den Remscheider Süden zu

Stefan Grote (59) sitzt mittlerweile seit 25 Jahren in der Bezirksvertretung, seit 2014 ist er Bezirksbürgermeister. Foto: Doro Siewert
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Stefan Grote (59) sitzt mittlerweile seit 25 Jahren in der Bezirksvertretung, seit 2014 ist er Bezirksbürgermeister.

Remscheid. Bezirksbürgermeister Stefan Grote (59, SPD) spricht im Interview über die Themen 2022. Er wünscht sich, dass er wieder engeren Kontakt zu den Bürgern pflegen kann.

Das Gespräch führte Melissa Wienzek

Neues Jahr, neues Glück: Was wünschen Sie sich für den Südbezirk 2022?
Stefan Grote: Ich wünsche mir für den Südbezirk, aber natürlich auch für alle anderen, dass Corona endlich verschwindet. Dass wieder ein normales Leben stattfinden kann, damit ich in meiner Funktion als Bezirksbürgermeister auch wieder mit den Menschen Kontakt aufnehmen kann. Dass ich wieder Gratulationen vornehmen kann. Wir sind ja eine Bezirksvertretung, die Gratulationen wahrnimmt, das macht nicht jede. Wegen Corona geht dies zurzeit nicht. Aber gerade diese älteren Menschen leiden unter der Situation. Daher erhalten sie zurzeit vom Oberbürgermeister und von mir ein Gratulationsschreiben und einen Remscheider Honig. Zudem hoffe ich, dass wir wieder wechselnde Sitzungen im Stadtteil abhalten können.
Welche Themen werden den Südbezirk 2022 begleiten?
Grote: Ein Thema, das ganz oben auf der Agenda steht, ist das Freibad. Aufgrund des Hochwassers verzögert sich der Neubau, dadurch haben wir aber noch mal eine Saison. Dadurch haben wir dieses Jahr auch noch einmal die Schiffsparade am ersten Wochenende im September. Wenn es die Baumaßnahme zulässt, soll auch das Hundeschwimmen wieder stattfinden. Denn der Neubau soll nach der Saison starten. Die Verwaltung, der Wupperverband und die Architekten planen nun noch einmal um aufgrund des Hochwasserschutzes. Ich habe Pläne gesehen, wie der Eschbach eventuell ganz anders durch das Freibad laufen könnte. Ich habe schon immer gesagt, wir müssen den Hochwasserschutz bei den Neubau-Plänen beachten. Jetzt, nach der Überflutung im Juli, hat das Ganze noch mal einen anderen Stellenwert bekommen. Dann wird dieses Jahr auch die Parkplatzsituation am Neuenhof entschärft. Die Gewag will dort über 20 neue Stellplätze bauen lassen. Das wird eine erhebliche Entlastung für die Anwohner bringen.
Ein weiteres großes Thema ist der Durchstich Intzestraße. Wird dieser kommen?
Grote: Ich hoffe, dass er kommt. Allein schon, um die Autofahrer und die Anwohner der Intzestraße und Strucker Straße zu entlasten. Denn die Emissionsbelastung in diesem Bereich ist hoch. Ich kann die Naturschützer verstehen, das ist unbestritten. Aber wer der Meinung ist, die Bezirksvertretung kümmere sich nicht um die Natur, der hat leider die Sitzungen der letzten Jahre nicht begleitet. Die Bäume, die als Ersatz für den Durchstich gepflanzt werden sollen, sollen im Kuckuck gepflanzt werden.
Die Naturschützer führen aber auch an, dass mit dem Durchstich Fläche versiegelt wird, was gerade bei Starkregen nachteilig sein kann.
Grote: Ja, es wird Fläche versiegelt, das ist unumstritten. Aber das Haus vorne, das wegkommt, ist bereits versiegelte Fläche. Das Haus an der Lenneper Straße auch. Das heißt, nur die Fläche der Bäume dazwischen, die gefällt werden müssten, wird neue versiegelte Fläche. Man muss aber auch an die anderen Belastungen denken, zum Beispiel die hohen Emissionen in dem Bereich.
Das heißt, der Bau einer alternativen Brücke ist keine Option?
Grote: Die Planungen sind nicht erst durch mich und uns 2019 angestoßen worden. Die Planungen gibt es schon seit 20 Jahren. Immer ist die Alternative, eine neue Brücke oder eine Nebenbrücke zu bauen, als unwirtschaftlich verworfen worden. Es geht ja auch darum, dass wir den ÖPNV nach vorne bringen wollen. Das ist über die Intzebrücke aber nicht machbar. Mal ganz abgesehen von den Mehrkosten und den Fördermitteln, die uns in dem Fall entgingen.
Sie sprachen es eben selbst kurz an: der Kuckuck. Wie geht es mit der Grünanlage weiter?
Grote: Die Rahmenplanung ist in die Wege geleitet worden. Damit ist der erste Schritt gemacht worden für eine Aufwertung des Bereichs vom Intzeplatz bis zum Freibad, wobei der Kuckuck aber das Hauptaugenmerk ist. Hier soll unter anderem der Spielplatz aufgewertet werden, im Gespräch ist auch ein Wasserspielplatz. Zudem soll die gesamte Aufenthaltsqualität verbessert werden. Die Stadt hat bereits einen Antrag auf Fördermittel beim Land eingereicht.
Wie weit ist die Umgestaltung des Johann-Vaillant-Platzes?
Grote: Ich war gestern noch dort. Die Außengastronomie hat Herr Steinbrink ja letztes Jahr schon eröffnet. Ich habe gesehen, dass die TBR zudem eine neue Sitzgarnitur errichtet haben. Die gehört zu der Maßnahme, für die die Bezirksvertretung Mittel freigegeben hat. Die Bepflanzung und die weiteren neuen Bänke werden im Laufe dieses Jahres umgesetzt, wahrscheinlich im Frühjahr. Die zwei E-Ladesäulen kommen auch dieses Jahr.
Wann erweitert Aldi am Hohenhagen? Die Anwohner wünschen sich dies ja sehr.
Grote: Tja. Das Witzige ist: An bestimmten anderen Standorten möchte der Discounter ja den großflächigen Verkaufsmarkt errichten, aber der Bebauungsplan gibt es nicht her. Am Hohenhagen haben wir auf Wunsch des Betreibers und des Eigentümers die rechtlichen Voraussetzungen in der Bezirksvertretung geschaffen. Jetzt muss der Betreiber mit dem Eigentümer einen Konsens finden.
Apropos Einzelhandel. Seit langer Zeit schon sucht die Verwaltung eine geeignete Fläche für einen Frischemarkt und einen Drogeriemarkt. Wurden mittlerweile Grundstücke gefunden?
Grote: Nein.
Gibt es überhaupt noch irgendwo Potenzial?
Grote: Nach momentanem Stand liegt mir keine Information vor, dass es außer dem jetzigen Standort an der Burger Straße eine Fläche für die Kombination Frischemarkt/Drogeriemarkt gibt. Wir seitens der Politik verfolgen weiter das Votum der Bürger, man möchte bitte alles prüfen, ob es dort umgesetzt werden kann. In der nächsten stattfindenden Sitzung soll dazu eine Stellungnahme kommen.
Was halten Sie von der Idee von Bernd Schützeberg von der Interessengemeinschaft „Blauer Mond“, im Mannesmannpark ein Café nebst Handel anzusiedeln?
Grote: Hat einen Charme. Es wird trotzdem schwer. Wobei wir bitte eine Verquickung von ,Blauem Mond‘ und Einzelhandel vermeiden sollten.
Wie hoch ist der Leerstand im Südbezirk?
Grote: In der Burger Straße ist ein Geschäft leer, am Zentralpunkt, an der Bismarckstraße. Ich bin ein Gegner von allem, was nicht schön aussieht. Und Leerstand sind für mich dreckige Löcher. Auch wenn es momentan nicht so schlimm aussieht: Jeder Leerstand ist einer zu viel. Ich versuche dabei zu vermitteln, dass diese verschwinden. Wo ich schon länger versuche zu vermitteln, aber nicht weiterkomme, ist der Wasserturm am Johann-Vaillant-Platz. Er steht immer noch zum Verkauf. Ich habe mit Vaillant Kontakt aufgenommen. Sie prüfen es. Wobei sie auch auf ihrem Gelände noch weiter bauen wollen. Der Wasserturm steht seit über 20 Jahren eingerüstet da. Das sieht nicht schön aus. Wenn ich mir da den Wasserturm an der Baisieper Straße anschaue, ist das etwas ganz anderes.
Letzte Frage: Was ist Ihr Lieblingsplatz im Süden?
Grote: Jetzt muss ich vorsichtig sein (lacht). Ich habe leider keine Zeit, um irgendwo eine halbe Stunde zu verweilen. Aber meine Lieblingsstelle ist die Achse, die ich gerne gehe, vom Otto-Lilienthal-Weg am Spielplatz vorbei bis zur Weißenburgstraße. Von dort aus hat man einen wunderbaren Blick auf den Südbezirk, weil er mit einer der höchsten Stellen ist. Auf dem Spielplatz sehe ich immer Eltern verschiedenster Nationalitäten mit ihren Kindern. Ohne Zweifel einer der schönsten Spielplätze in Remscheid.

Zur Person

Stefan Grote (59, SPD) sitzt mittlerweile seit 25 Jahren ununterbrochen in der Bezirksvertretung Süd. Seit 2014 ist er Bezirksbürgermeister. Grote ist auch Mitglied im Stadtrat. In seiner Funktion als Unternehmer ist er zudem Mitglied der IHK-Vollversammlung. Der 59-Jährige führt die Firma Elektro-Technik-Grote an der Kipperstraße. Diese hat 25 Mitarbeiter, darunter 4 Auszubildende, und 3 Hunde. „Ganz wichtig zu erwähnen“, sagt er. Grote ist zudem Vorsitzender des Fördervereins Freibad Eschbachtal. Er lebt mit seiner Familie im Südbezirk.

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