Dürresommer

Talsperren: Der große Regen bleibt seit 12 Jahren aus

Die Große Dhünn-Talsperre füllt sich nur noch langsam wieder auf. Foto: Roland Keusch
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Die Große Dhünn-Talsperre füllt sich nur noch langsam wieder auf.
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Die Wasserversorger rüsten sich wegen der anhaltenden Trockenheit: Kleine Talsperren sollen liefern, wenn die Große Dhünn ausfällt.

Von Axel Richter

Remscheid. Es gab trockenere und heißere Sommer. Den von 1959 zum Beispiel, als die Wupper in Wuppertal keinen Tropfen Wasser mehr führte. Auch der dritte Dürresommer in Folge ist noch kein Hinweis auf den Klimawandel. Dass im Bergischen Land seit 12 Jahren keine überdimensionalen Regenmengen mehr vom Himmel fallen, allerdings schon. 2008 wurden an der Bever-Talsperre letztmalig mehr als 1400 Litern pro Quadratmeter und Jahr gemessen. Das ist mit Blick auf die zurückliegenden Jahrzehnte außergewöhnlich und bereitet dem Wupperverband Sorgen. Zwar wird aktuell das Wasser in Remscheid nicht knapp. Doch nur ein trockener Winter, wie es ihn auch schon gegeben hat, und es könnte genau dazu kommen.

Das ist der Grund, warum die Energie und Wasser für Remscheid GmbH (EWR), Tochterunternehmen der Stadtwerke, ihr 2004 stillgelegtes Wasserwerk an der Eschbachtalsperre wieder in Betrieb nehmen will. Im Verbund mit der Neyetalsperre bei Wipperfürth, die sich ebenfalls im Besitz der Stadtwerke Remscheid befindet, soll die Eschbachtalsperre selbst dann noch Trinkwasser liefern, wenn die Große Dhünn-Talsperre trockenfällt. Immerhin 40 Prozent des Remscheider Bedarfs könnten die zwei kleinen Talsperren, die mit dicken Rohren miteinander verbunden sind, decken.

„Erst im Dezember begann der Pegel wieder zu steigen.“

Mike Giera, Energie und Wasser für Remscheid

Aus der Großen Dhünn-Talsperre beziehen neben Remscheid viele weitere Gemeinden ihr Wasser. Doch die größte Trinkwassertalsperre im Westen und zweitgrößte Trinkwassertalsperre Deutschlands füllt sich nach langen Trockenperioden nur noch langsam wieder auf. „Nach dem Hitzesommer 2019 gab es im Oktober wieder den ersten Regen. Doch erst im Dezember begann der Pegel der Großen Dhünn wieder zu steigen“, berichtet Mike Giera, bei den EWR Leiter des Geschäftsbereichs Netze. „Zuvor wurde alles Wasser vom Boden und den Pflanzen aufgenommen.“

Remscheid: Steigender Wasserverbrauch in der Corona-Pandemie

Dr. Joachim Frings (EWR) arbeitet an der Wiederinbetriebnahme der Eschbachtalsperre.

Ein Herbst und Winter mit geringen Niederschlägen könnte die Selbstverständlichkeit, mit der die Remscheider im Durchschnitt 130 Liter pro Tag verbrauchen, deshalb infrage stellen. In der Corona-Krise ist der Verbrauch übrigens gestiegen. Sei es, weil sich die Menschen möglichst oft die Hände waschen sollen oder weil sie sich als Ersatz für entfallene Urlaubsfreuden einen Swimmingpool in den Garten stellten.

Ilona Weyer, Sprecherin des Wupperverbandes, bittet die Verbraucher deshalb um einen sensiblen Umgang mit der Ressource. Um den Entnahmedruck auf die Große Dhünn-Talsperre nicht weiter zu erhöhen, hat der Verband bereits an den Reglern drehen lassen. Denn die Große Dhünn liefert nicht nur Trinkwasser, sondern gibt auch Wasser an den Unterlauf der Dhünn ab. Noch 700 Liter fließen dort derzeit pro Sekunde.

Der Wuppertalsperre ist die Wasserknappheit anzusehen

Niederschläge an der Bever-Talsperre

Deutlich anzusehen ist die Wasserknappheit auch der Wuppertalsperre zwischen Remscheid und Radevormwald. Sie ist gerade noch zu 39 Prozent gefüllt. Seit 1989 regelt sie den Wasserstand der Wupper und verhindert ein erneutes Trockenfallen des Flusses, der der Stadt Wuppertal den Namen gab.

Für die Fauna und Flora ist die kontinuierliche Abgabe derweil überlebenswichtig. Thomas Friese von der Unteren Landschaftsbehörde der Stadt Remscheid blickt mit Sorge auf die Bäche, die nicht auf solche Weise gespeist werden. „Im Morsbach reicht das Wasser an vielen Stellen nicht einmal mehr bis zum Knöchel“, sagt der Umweltschützer. Auch er hofft deshalb auf Regen. Um die Verluste der vergangenen zwölf Jahre auszugleichen, müsste der allerdings über viele Monate Tag und Nacht vom Himmel fallen.

Wupper und Bever: Leere Talsperren

Die Bever-Talsperre ist aktuell zu 64 Prozent gefüllt. Bei der Wuppertalsperre sind es 39 Prozent. Der Füllstand der Großen Dhünn-Talsperre liegt bei 61 Prozent.

An der Bever fielen im Juli 70 Liter Regen pro Quadratmeter. Üblich sind dort 115 Liter. An der Großen Dhünn waren es 73 Liter, durchschnittlich fallen dort 108 Liter.

Die Trockenheit macht auch den Landwirten in Remscheid zu schaffen: Die Situation für sie bleibt schwierig. Die diesjährigen Ernteerträge lagen zwar nur leicht unter dem Durchschnitt – doch Reserven fehlen.

Auch die mehr als 13.000 Bäume entlang der Remscheider Straßen und in den Grünanlagen haben mächtigen Durst. Jeder einzelne von ihnen braucht je nach Größe mehrere hundert bis tausend Liter Wasser pro Tag, wenn das Thermometer mehr als 30 Grad anzeigt.

Standpunkt

Von Axel Richter

axel.richter@ rga-online.de

Drei heiße Sommer stehen nicht für den Klimawandel. Ebenso wären drei Kälteperioden kein Beweis für seine Nichtexistenz. Die Erderwärmung zeigt sich in langfristigen Entwicklungen. Geleugnet wird das nur noch von jenen, die Klima und Wetter nicht voneinander unterscheiden können oder wollen. Dabei ist das einfach: Nicht einzelne Wetterereignisse stehen für den Wandel, sondern zum Beispiel der Umstand, dass wir heute nördlich des 52 Breitengrades Wein anbauen. Das war früher schlecht möglich.

Heute zählt Dänemark mehr als zwei Dutzend Winzer. Dem skandinavischen Tropfen mögen Connaisseure etwas abgewinnen. Den Remscheidern dürfte ihr Wasser wichtiger sein. Einen Rückschritt in paradiesische Urstände wird es jedoch auch dank Fridays for Future nicht geben. Klugerweise bereiten sich die Städte und ihre Versorgungsunternehmen auf die unabwendbaren Veränderungen vor. Und klugerweise verzichteten sie mit Inbetriebnahme der Großen Dhünn-Talsperre Ende der 80er Jahre nicht auf alle ihre kleinen Speicher. Im Klimawandel werden sie den Remscheidern möglicherweise noch von großem Nutzen sein.

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