Umgestaltung soll Störenfriede vertreiben

Drogen und Pöbeleien: Anwohner meiden Kinderspielplatz

Selbst direkte Nachbarn meiden den Spielplatz in der Marienstraße inzwischen, berichten Kommunalpolitiker. Grund seien Gruppen, die dort Alkohol und Drogen konsumieren und aggressiv auftreten. Fotos: Michael Schütz
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Selbst direkte Nachbarn meiden den Spielplatz in der Marienstraße inzwischen, berichten Kommunalpolitiker. Grund seien Gruppen, die dort Alkohol und Drogen konsumieren und aggressiv auftreten.

In einem Park mit Spielplatz an der Marienstraße kommt es vermehrt zu Einsätzen von Polizei und Ordnungsdienst. Höhepunkt war eine Messerstecherei Mitte September.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. 26 Einsätze des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD), dazu noch einmal elf der Polizei – in dem kleinen Park mit Spielplatz an der Ecke Marien-/Alleestraße hat es in den vergangene Monaten vermehrt Ärger gegeben. Eine Anfrage der CDU brachte das Thema nun auf die Tagesordnung des Bezirksvertretung (BV) Alt-Remscheid, bei einem Termin vor Ort entwickelten die Kommunalpolitiker Lösungsvorschläge.

Anwohner hätten von Gruppen berichtet, die Passanten anpöbeln und sich untereinander prügeln, schreiben die Christdemokraten in ihrer Anfrage. Zudem würden dort „unabhängig von der Tageszeit“ Drogen und Alkohol konsumiert. Trauriger Höhepunkt war demnach eine Messerstecherei Mitte September. Bezirksbürgermeister Otto Mähler (SPD) sieht diesen Eindruck nach Gesprächen mit Anliegern bestätigt: Ein Nachbar des Parks habe erzählt, dass er mit seinem Kind lieber den Stadtpark aufsuche als den Spielplatz direkt vor der Tür, so Mähler im Gespräch mit dem RGA: „Das ist natürlich ein Trauerspiel.“

„Wir versuchen die Leute, die da unerwünscht sind, so gut es geht zu verdrängen.“

Jürgen Beckmann, Ordnungsamt

„Die Hinweise sind sicherlich berechtigt,“ hatte Ordnungsamtsleiter Jürgen Beckmann bereits in der regulären Sitzung der BV festgestellt. Deswegen bestreife der KOD das Gebiet inzwischen häufiger. Ein Ergebnis seien fast 100 Platzverweise, die dort in der letzten Zeit ausgesprochen wurden. „Wir versuchen die Leute, die da unerwünscht sind, so gut es geht zu verdrängen“, sagt Beckmann. Alles verhindern könne man aber nicht.

Sechs Mitglieder der Bezirksvertretung Alt-Remscheid schauten sich die Situation direkt vor Ort an.

Ein Problem sei dabei die Gestaltung des Parks, so der Ordnungsamtsleiter: Vom unteren Teil, dem Kinderspielplatz, könne man alle Personen außer Kinder und deren Begleitung verweisen. Der obere hingegen sei eher als Park anzusehen. „Da darf sich erst einmal jeder aufhalten.“ Deswegen riet Beckmann den Politikern: „Man könnte überlegen, das ganze Gebilde umzugestalten.“

Ein Gedanke, den die BV gerne aufnahm. Beatrice Schlieper (Grüne) regte an, den Platz aufzuwerten – und so auch für andere Bürger interessant zu machen: „Dann gibt es da mehr soziale Kontrolle.“ Und Norbert Schmitz (CDU) schlug vor, den ganzen Park zum Spielplatz umzubauen: „Dann dürfen sich dort nur Kinder und ihre Eltern aufhalten.“ Bezirksbürgermeister Mähler schließlich brachte einen Termin vor Ort ins Gespräch.

Dessen Ergebnis: Die BV-Mitglieder würden gerne einige Büsche in dem Park entfernen lassen, um so eine Querung des Areals zu ermöglichen. „Man könnte dann von der Alleestraße in die Marienstraße quer über das Gelände abkürzen“, erklärt Otto Mähler das Vorhaben. Dadurch sei in dem kleinen Park vermutlich mehr los – und die Störenfriede würden eventuell verdrängt.

Weiteres Buschwerk solle im unteren Bereich weichen, so Mähler. Denn das diene derzeit den unerwünschten Personen als Versteck. „Da möchten wir lieber ein, zwei Bäume haben.“ Zudem wünsche sich die Bezirksvertretung, gerade im Hinblick auf den bevorstehenden Winter, eine bessere Beleuchtung des Parks, sagt der Bezirksbürgermeister: „Zwei oder drei Leuchtkörper würden schon reichen.“ Das allerdings könnte aber am Geld scheitern.

Bis diese baulichen Maßnahmen umgesetzt sind, wünscht sich die CDU mehr Präsenz von KOD und Polizei, vor allem am Wochenende, wie Roland Gedig, Sprecher der Christdemokraten im Ausschuss für Ordnung und Sicherheit, deutlich machte. Jürgen Beckmann verwies in diesem Zusammenhang auf die Leitstelle des Ordnungsdienstes: „Wenn es einen Anlass gibt, kann man anrufen, dann kommt jemand.“

Hintergrund

Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) der Stadt Remscheid ist über eine zentrale Leitstelle unter Tel. (0 21 91) 16 90 00 erreichbar. Diese ist montags bis freitags von 7 bis 22 Uhr und samstags von 13.30 Uhr bis 22 Uhr besetzt. Zu den Aufgaben des KOD gehören ausdrücklich Ruhestörungen, belästigendes Verhalten und Trinkgelage.

Standpunkt: Grenze ist überschritten

Kommentar von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga.de

Wer unbedingt am helllichten Tag mit einer Dose Bier in der Innenstadt rumlungern möchte, soll das gerne machen – so lange andere Menschen davon nicht behelligt werden. Wenn aber Eltern mit ihren Kindern einen Spielplatz meiden, weil doch Ungemach droht, ist eine Grenze nicht nur erreicht, sondern weit überschritten. Im Fall des Parks in der Marienstraße dürfte die an sich absolut begrüßenswerte Eröffnung des nahen Penny-Marktes und damit verbundene bessere Getränkeversorgung ihren Teil dazu beigetragen haben. Ob der nun von der Bezirksvertretung entwickelte Plan, die Störenfriede durch mehr Öffentlichkeit zu verscheuchen, Erfolg hat, wird sich zeigen. Wenn nicht, müssen andere Maßnahmen ergriffen werden, Park und Spielplatz für Familien und Anwohner zurückzuerobern. Denn für sie wurde die kleine Anlage schließlich geschaffen. Und Bier trinken kann man auch woanders.

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