Drei Anlagen gibt es noch

So steht es um die Bunker in Remscheid

Sascha Ploch im Bunker am Steinweg. Gebaut wurde er von 1969 bis 70. Die Technik wurde viele Jahre nicht gewartet. Foto: Roland Keusch
+
Sascha Ploch im Bunker am Steinweg. Gebaut wurde er von 1969 bis 70. Die Technik wurde viele Jahre nicht gewartet.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
    schließen

Drei Bunker gibt es noch in Remscheid. Allerdings sind die veraltet. Derweil rät die Feuerwehr zum klugen Vorrat: Jeder sollte zehn Tage ohne Einkauf überbrücken können.

Remscheid. Wer Öl, Mehl, Honig, Milch und nun auch noch Senf aus den Läden räumt und andere vor leeren Regalen stehenlässt, handelt unsolidarisch. Zehn Tage sollte jedoch jeder überbrücken können und deshalb Vorräte anlegen. Dazu rät der Ukraine-Krisenstab der Stadt Remscheid, der heute wieder zusammenkommt.

Bislang ging es dort vor allem um die Frage, wie die Menschen, die vor den Bomben in ihrer Heimat fliehen, in Remscheid untergebracht, versorgt und betreut werden können. Je länger der Krieg dauert, umso mehr rücken jetzt die Daseinsvorsorge und der Schutz der Bevölkerung in den Fokus.

25 Sirenen sollen Bevölkerung im Ernstfall warnen.

Remscheider sollen für Notfälle gerüstet sein

Die Feuerwehr will die Remscheider Bevölkerung dafür sensibilisieren, für den Notfall gerüstet zu sein. Nicht nur wegen des Krieges in Europa, sagt Sascha Ploch, bei der Berufsfeuerwehr Remscheid zuständig für den Zivil- und Katastrophenschutz. Die Corona-Pandemie habe bereits gezeigt, wie wichtig es ist, einen gewissen Vorrat an Grundnahrungsmitteln vorrätig zu haben.

Doch es gibt viele weitere Situationen, in denen ein Einkauf nicht möglich sein wird. Ein Blackout zum Beispiel. „Sollte es zu einem großflächigen Stromausfall kommen, würden Kühl- und Gefrierschränke ausfallen, Supermärkte und Tankstellen müssten schließen“, warnt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und rät: „Bevorratung ist eine gute Idee.“

Bunker bieten keinen Schutz vor Atomwaffen

Das ist, was die Menschen tun können. Auf andere Fragen, die seit Kriegsbeginn gestellt werden, haben die Behörden keine beruhigende Antwort. Im Fall eines Krieges mit Atomwaffen gibt es keine Rettung und kein Überleben. Nicht in Remscheid und nicht in anderen deutschen Städten. Das ist heute so, das wäre aber auch zur Zeit des Kalten Krieges so gewesen, als die Bunkeranlagen noch intakt waren.
Einige Lebensmittel sind zur Zeit Mangelware.

In Remscheid gab es seinerzeit drei öffentliche Schutzräume: einen an der Burger Straße im Südbezirk, einen unter dem Theodor-Heuss-Platz und einen am Steinweg in Alt-Remscheid. 5236 Menschen hätten darin Platz gefunden. Das waren seinerzeit 4,5 Prozent der Bevölkerung. Zwei Wochen hätten die Menschen sich darin aufhalten können. Danach wären sie zurückgekehrt an die Oberfläche. In eine zerstörte und verstrahlte Welt.

Die Anlagen könnten wieder hochgefahren werden

Nach dem Ende des Warschauer Paktes beschloss Deutschland im Jahr 2007 das endgültige Aus des Schutzraumprogramms. Die Anlagen mit ihrer Stromversorgung, Luftreinigung und Wasseraufbereitung wurden weitgehend sich selbst überlassen. Aber es gibt sie noch. Und, sagt Sascha Ploch: Sie könnten wieder hochgefahren werden.

Der RGA ist in die drei Bunker abgetaucht. Eine doppelseitige Reportage mit zahlreichen Impressionen aus einer vergessenen Welt finden Sie bald im RGA.

Standpunkt: Ohne Panik oder Apathie

Von Axel Richter

axel.richter@rga.de

Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich die Zivil- und Katastrophenschützer bewegen. Auf der einen Seite gilt es, den Menschen keine Angst zu machen. Auf der anderen Seite ist es ihre Aufgabe und Pflicht, die Bürgerinnen und Bürger auf den Notfall vorzubereiten. Sei es ein Blackout, sei es eine Naturkatastrophe oder sei es ein Angriff durch einen inneren oder äußeren Feind.

Den Gedanken, in unserer Existenz bedroht zu sein, müssen wir erst einmal wieder zulassen – ohne zugleich in Panik oder Apathie zu verfallen. Das fällt nicht leicht.

Ein Landkrieg in Europa galt seit dem Ende des Ost-West-Konflikts bis zum Einmarsch der russischen Armee in der Ukraine als das Phänomen einer vergangenen und überwunden geglaubten Zeit.

Heute müssen wir einsehen, dass auch in unserer globalisierten Welt ein brutaler Machthaber mit diplomatischen Mitteln nicht davon abgehalten werden kann, seine Nachbarn zu überfallen, ihr Land in Schutt und Asche zu bomben und nicht nur auf Soldaten, sondern auch auf Zivilisten schießen zu lassen. Davor müssen wir uns schützen, so gut es geht. Auch wenn mancher Versuch nahezu hilflos wirkt.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Verliert das Häuschen in Remscheid bald an Wert?
Verliert das Häuschen in Remscheid bald an Wert?
Verliert das Häuschen in Remscheid bald an Wert?
Galvanik-Betrieb: 640 Lkw-Ladungen verseuchte Erde
Galvanik-Betrieb: 640 Lkw-Ladungen verseuchte Erde
Galvanik-Betrieb: 640 Lkw-Ladungen verseuchte Erde
„Überflieger“: Sperrung wird heute aufgehoben
„Überflieger“: Sperrung wird heute aufgehoben
„Überflieger“: Sperrung wird heute aufgehoben
Millionenhohe Investitionen: Mehrere Schulen müssen umziehen
Millionenhohe Investitionen: Mehrere Schulen müssen umziehen
Millionenhohe Investitionen: Mehrere Schulen müssen umziehen

Kommentare