Betreiber Abellio entschuldigt sich

Dozentin prangert Diskriminierung in der S 7 an

Hier, am Haltepunkt Güldenwerth, wollte die 45-Jährige in die S 7 einsteigen.Foto:Roland Keusch
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Hier, am Haltepunkt Güldenwerth, wollte die 45-Jährige in die S 7 einsteigen.

45-Jährige schildert einen Vorfall in der S-Bahn.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Es war kalt, regnerisch und windig, an diesem Dezember-Dienstag. Die 45-Jährige kam mit Koffern bepackt aus der nahe gelegenen Akademie der Kulturellen Bildung, in der sie als Dozentin unterrichtet, und wartete am Haltepunkt Güldenwerth auf die S 7. Als sie um 13.49 Uhr in die Bahn einsteigen wollte, versperrten ihr zwei Schaffnerinnen den Weg in der Tür, berichtet die 45-Jährige, deren Name der Redaktion bekannt ist. Sie fragten, ob sie eine Fahrkarte habe. Sie hatte selbstverständlich eine, sagt die Dozentin, schließlich pendelt sie mehrmals die Woche von Düsseldorf bis Güldenwerth und zurück. Sie habe dann doch einsteigen dürfen. „Sie hätten mich fast nicht mitgenommen.“ Im Fahrzeuginneren habe das Abellio-Personal die Fahrkarten kontrolliert. Als eine der beiden Mitarbeiterinnen bei ihr angekommen sei, habe sie gesagt: „Entschuldigung, dass wir gerade so unfreundlich zu Ihnen waren, aber hier sind im Moment so viele Zigeuner unterwegs, die die Fahrgäste bestehlen. Wegen Ihres Rocks haben wir Sie für eine von denen gehalten, das tut uns leid.“

Die Dozentin, die an jenem Tag eine lange Tunika und wie immer ein Kopftuch trug, ist zutiefst erschüttert über diesen Vorfall, den sie gleich als mehrfache Diskriminierung empfindet, erklärt sie. Daher habe sie auch die Antidiskriminierungsstelle und den Landesverband der Sinti und Roma eingeschaltet. „Ich habe ihnen erklärt, dass sie in Zukunft das Z-Wort nicht benutzen sollten und warum. Ich habe etwas über den NS erzählt, dass den Sinti und Roma viele schlimme Dinge angetan wurden und dass das Z-Wort auch als Beschimpfung benutzt wurde.“

Je mehr sie später darüber nachgedacht habe, desto entsetzter sei sie gewesen, daher habe sie sich auch an den RGA gewandt. In der Vergangenheit habe sie schon einmal negative Erfahrungen bei Reisen im öffentlichen Nahverkehr gemacht. „Die Bahn hat eine gesetzliche Verpflichtung, eine Dienstleistung zu erbringen, nämlich Menschen zu transportieren. Sie wollten mir allein aufgrund meines Aussehens diese Dienstleistung, auf die ich angewiesen bin, eigenmächtig verweigern. Was wäre, wenn ich kein Deutsch könnte? Wenn ich noch Kinder bei mir gehabt hätte? Wäre ich dann für immer im Regen in Güldenwerth steckengeblieben?“, fragt sie sich. „Wenn ich wirklich Romnia wäre, dann wäre ich quasi ohne eine Tat, die ich wahrscheinlich nie getan hätte, vorverurteilt und bestraft worden“, sagt die 45-Jährige, die während ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn selbst in der Anti-Rassismus- und Opferschutzarbeit tätig war. Sie findet, das Abellio-Personal könne nicht eigenmächtig „Sheriff spielen“. Das Unternehmen sei verantwortlich, seine Mitarbeiter entsprechend zu schulen.

„Wir leben Diversität und Buntheit.“
Julia Limia y Campos, Sprecherin von Abellio

Das tue es auch, entgegnet Abellio-Sprecherin Julia Limia y Campos. Den Vorfall in der S 7 bestätigt sie – es haben bereits Gespräche mit den betroffenen Mitarbeiterinnen gegeben. Sie seien sich der diskriminierenden Wirkung ihrer Äußerungen überhaupt nicht bewusst gewesen. „Wir verzeichneten gerade in den vergangenen zwölf Monaten einen dramatischen Zuwachs an Vorkommnissen wie Bedrohungen, Übergriffe, Diebstähle in all unseren Netzen, auch vermehrt gegenüber unserem Personal. Was den Vorfall aber keineswegs entschuldigen soll“, sagt die Sprecherin. „Wir können die Äußerungen unserer Mitarbeiterinnen nicht für gut heißen und distanzieren uns als Unternehmen davon. Gleichzeitig möchten wir uns hiermit in aller Form bei der Betroffenen entschuldigen.“

Bei Abellio arbeiteten Mitarbeiter aus 28 Nationen friedlich und kooperativ zusammen. „Wir leben Diversität und Buntheit, sowohl unter den eigenen Mitarbeitern als auch bei unseren Fahrgästen.“ Unüberlegte Äußerungen, aus welchem Grunde sie auch gefallen sein mögen, heiße Abellio nicht gut. „Solche Äußerungen sind nicht der Anspruch, den wir an unsere Mitarbeiter haben und wir distanzieren uns von solchen verletzenden Ansichten.“

Schade sei, dass die Betroffene ein klärendes Gespräch abgelehnt habe. „Sehr gerne hätten wir uns mit ihr ausgetauscht und uns persönlich entschuldigt. Hierfür stehen wir nach wie vor zur Verfügung.“

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