TV-Arzt beantwortet Leser-Fragen

Corona: Das rät Doc Esser zu Weihnachten

Heinz-Wilhelm „Doc“ Esser baut darauf, dass sich die Menschen über Weihnachten verantwortungsbewusst verhalten. Foto: Roland Keusch
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Heinz-Wilhelm „Doc“ Esser baut darauf, dass sich die Menschen über Weihnachten verantwortungsbewusst verhalten.
  • Andreas Weber
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Der Facharzt am Sana-Klinikum beantwortet die RGA-Leserfragen. Die meisten Fragen betreffen die Impf-Durchbrüche und das Weihnachtsfest.

Remscheid. Die meistgestellte Frage der RGA-Leser bei der Frageaktion an Heinz-Wilhelm „Doc“ Esser, Facharzt am Sana-Klinikum, rund um Corona drehte sich um Covid-Durchbrüche kurz vor der Booster-Impfung. Hier die Antworten von Doc Esser.

Zum Beispiel Dietmar (74) und Brigitte (69) Wächtler wollen nach einem Durchbruch fünf Monate nach der Zweitimpfung wissen: „Corona positiv, danach genesen. Wann können wir uns boostern? Im Augenblick geht es nicht, aber sechs Monate erscheint uns zu lange.“

Doc Esser: Personen, die nach der 2. Impfung sich nachweislich (also: PCR-Test positiv) mit Corona infizieren, brauchen kurzfristig keine Boosterung. Diese ist nach aktuellen Empfehlungen erst in drei Monaten notwendig. Bei gesicherter Covid-Infektion und ungeimpft/1. Dosis sollte die Impfung ebenfalls nach drei Monaten erfolgen. Bei indirektem Nachweis über Antikörper kann die Impfung vier Wochen nach der Labordiagnose erfolgen.

Wie groß sollte generell der Abstand zwischen Zweit- und Drittimpfung sein?

Esser: Bisher sollte der Abstand vier bis sechs Monate betragen. Bei Patienten mit einem schwachen Immunsystem (bspw. durch eine Erkrankung oder Medikamente) konnte der Booster vorgezogen werden. Durch die Omikron-Variante empfiehlt die Stiko aber nun die Boosterung nach drei Monaten für alle. Besteht eine Impfung mit dem Impfstoff von Johnson sollte die Boosterung bereits nach vier Wochen erfolgen.

Ist es ein Problem, wenn alle drei Impfungen von unterschiedlichen Herstellern kommen wie Astra, Biontech und Moderna?

Esser: Nein! Auch wenn es dazu noch nicht viele Daten gibt, weisen diese dennoch darauf hin, dass der nachfolgende Schutz gegen Corona sehr hoch ist. In einer sehr hochrangig publizierten Studie wurde sogar eine bessere Immunantwort nach einer Kreuzimpfung nachgewiesen.

Einen Lockdown vor Weihnachten gibt es nicht. Halten Sie das vertretbar vor einem Fest, bei dem jeder Fünfte Reisen will, Deutschland in Bewegung ist und sich extrem viele Menschen auf engem Raum treffen?

Esser: Ich setze auf die Eigenverantwortung der Menschen. Mit Blick nach England oder den Niederlande sollten bei jedem von uns die Alarmglocken klingeln und auf große Familienzusammenkünfte verzichtet werden. Keiner sollte Weihnachten allein zu Hause verbringen, aber ob man jetzt unbedingt noch den Cousin 3. Grades mit am Esstisch haben sollte, halte ich für fraglich.

Wie senke ich mein Risiko über die Feiertage? Kann ich mehrere Verwandtschaftsbesuche machen?

Esser: Ja, ich kann Besuche machen. Diese sollten sich aber im Rahmen halten und nach Möglichkeit sollte der Besucher und die Besuchten doppelt geimpft und geboostert sein. Wenn man dann einen Schnelltest vorher macht, ist das Risiko deutlich reduziert.

Macht es Sinn zu Reisen? Gar ins Ausland?

Esser: Aktuell gibt es nur wenig Reisebeschränkungen. Allerdings haben wir aus der Vergangenheit gelernt, dass sich das ganz schnell ändern kann. Ich persönlich bin da sehr zurückhaltend.

Wenn ich geboostert bin, kann ich mich mit meinen (Groß-)Eltern bedenkenlos treffen?

Esser: Ein Restrisiko besteht immer. Aber ich kann es durch eine Testung minimieren. Dann ist ein Treffen möglich. Optimalerweise trifft man sich einige Tage vor dem Besuch nur noch mit wenigen Freunden.

Selbst wenn ich dreifach geimpft bin: Sollte ich vor den Feiertagen sicherheitshalber einen Schnell- oder PCR-Test machen?

Esser: Aus meiner Sicht reicht ein Schnelltest, der allerdings von der Bfarm empfohlen sein sollte. Dann kann ich sicher sein, dass das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit stimmt. Zusätzlich wäre es ratsam, ab jetzt nicht mehr zu viele Menschen zu treffen, um das Risiko einer Infektion über Weihnachten zu minimieren.

Reicht ein Schnelltest zuhause? Oder sollte ich mich zur Teststation oder einem Testzentrum begeben?

Esser: Ein Schnelltest aus den Empfehlungen der Bfarm reicht aus. Aber man muss ihn vernünftig durchführen.

Gibt es qualitativ bessere oder schlechtere Schnelltests? Welche würden sie empfehlen?

Esser: Alle aus der Liste der Bfarm. Diese haben sich durch eine gute Sensitivität und Spezifität ausgezeichnet – sprich: Sie erkennen die Erkrankten und schließen die Nichterkrankten sicher aus.

Im Sana-Klinikum liegt die Zahl der Covid-19-Patienten mittlerweile bei „50/50“ – geimpft und ungeimpft. Lässt sich anhand der Geimpften ableiten, ob der ein oder andere Impfstoff schlechter schützt?

Esser: Nein, das kann man nicht. Sowohl Moderna als auch Biontech haben eine hohe Effektivität. Es zeigt sich aber, dass selbst schwerkranke, aber geboosterte Patienten zum größten Teil einen leichten Verlauf haben und schnell nach Hause entlassen werden können.

Düsteres Szenario

Nach der vierten kommt die fünfte Welle. RKI-Physiker und Modellist Dirk Brockmann zeichnet ein düsteres Szenario mit bis zu 700 000 Neuinfektionen pro Tag, wenn die „Walze“ Omikron spätestens ab Januar über uns hinwegrollt. Doc Esser dazu: „Das kann ein sehr realistisches Szenario werden. Schauen wir uns die Zahlen aus England an, ist es sehr erschreckend. Umso wichtiger ist es, dass wir jetzt gegenwirken. Das heißt: keine größeren Familienzusammenkünfte über Weihnachten.“ Zu Omikron stellt Esser fest: „Die Boosterimpfung zeigt auch bei Omikron eine sehr gute Wirkung. Von daher bitte ich jeden Ungeimpften, die eigene Haltung zu überdenken und sich impfen zu lassen.“

Alle Entwicklungen rund um das Coronavirus finden Sie in unserem Live-Blog.

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