Heute vor 79 Jahren

Dieses Verbrechen darf nie vergessen werden

Gedenkveranstaltung am Blaffertsberg für die Remscheider Sinti-und Roma-Familien, die ins KZ Auschwitz deportiert wurden: Andrea Blesius (v.l.), Roman Franz, OB Burkhard Mast-Weisz, Bluma und Tschabo Meinhardt. Foto: Roland Keusch
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Gedenkveranstaltung am Blaffertsberg für die Remscheider Sinti-und Roma-Familien, die ins KZ Auschwitz deportiert wurden: Andrea Blesius (v.l.), Roman Franz, OB Burkhard Mast-Weisz, Bluma und Tschabo Meinhardt.

Gedenkfeier für die Remscheider Sinti und Roma, die vor 79 Jahren ins KZ Auschwitz deportiert wurden.

Von Sabine Naber

Lüttringhausen „Wir sind hier, um den Remscheider Sinti und Roma zu gedenken, die heute vor 79 Jahren verhaftet und am Tag darauf nach Auschwitz in den Tod deportiert worden sind“, eröffneten gestern Arwen Steinhaus und Rebekka Schott, die beiden neuen Mitglieder der Emma-Geschichts-AG die Gedenkveranstaltung am Blaffertsberg.

Eingeladen dazu hatte der Verein Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall. Er setzt sich dafür ein, dass den von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien in der Nähe ihrer damaligen Wohn- und Lagerstätte ein Denkmal gesetzt wird. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler des Leibniz- und des Emma-Herwegh-Gymnasiums waren ebenso gekommen wie Bluma Meinhardt, Tochter des Auschwitz-Überlebenden Friedel Meinhardt, Mitglieder des Bundestages, des Landtages NRW, des Rates und der Verwaltung.

Nie wieder darf es zu solchen Gräueltaten kommen.

Roman Franz, Landesverband der Sinti und Roma

„Die unfassbaren Schrecken, das unermessliche Leid dürfen nicht vergessen werden. Nie wieder darf es zu solchen Gräueltaten kommen“, machte Roman Franz, Vorsitzender des Landesverbandes der Sinti und Roma deutlich. Mit Blick auf die vielen jungen Leute sagte er: „Ich freue mich, dass Sie da sind. Sie sind die Zukunft. Bitte, lassen Sie nicht nach. Helfen Sie uns. Wir kämpfen gemeinsam.“ Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz erinnerte an die Verantwortung gegenüber den Opfern von Faschismus und Krieg: „Es ist unser aller Auftrag, die Gräueltaten des Faschismus als ständige Mahnung für heutiges verantwortliches Handeln und das klare Einstehen für unsere Verfassung, unsere Demokratie zu verstehen.“

Er dankte dem Verein Pferdestall für sein Engagement. Er kümmere sich seit längerer Zeit darum, den Sinti und Roma, Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt, Nachbarinnen und Nachbarn, Kinder, Frauen und Männer, die am 3. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden, mit der geplanten Stele einen Ort der Erinnerung und der Mahnung zu geben. OB Mast-Weisz: „Sie wurden damals – für jeden sichtbar – über die Freiheitsstraße zum Hauptbahnhof geführt. Viele haben aus Angst, manche aber auch zustimmend geschwiegen. Dieses Verbrechen darf nie in Vergessenheit geraten. Ich verbeuge mich mit Respekt vor den Opfern und werde ihr Leid als klaren Auftrag und Mahnung nehmen, wachsam zu sein gegenüber jeder Form von Rassismus, Menschenfeindlichkeit, Intoleranz und Ausgrenzung.“

Gedenkfeier für die deportierten Roma- und Sintifamilien

Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943.
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943. © Roland Keusch
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943.
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943. © Roland Keusch
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943.
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943. © Roland Keusch
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943.
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943. © Roland Keusch
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943.
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943. © Roland Keusch
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943.
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943. © Roland Keusch
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943.
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943. © Roland Keusch
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943.
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943. © Roland Keusch
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943.
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943. © Roland Keusch
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943.
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943. © Roland Keusch
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943.
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943. © Roland Keusch
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943.
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943. © Roland Keusch
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943.
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943. © Roland Keusch
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943.
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943. © Roland Keusch
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943.
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943. © Roland Keusch
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943.
Gedenkfeier am Blaffertsberg für die von dort deportierten Remscheider Roma- und Sintifamilien ins KZ Auschwitz am 2. bzw. 3. März 1943. © Roland Keusch

Berührende Worte fand Bluma Meinhardt: „Die Reise begann im Viehwagen, dem Transport zur Hölle. Die Asche der Toten dient noch heute als Untergrund für die Straßen in Auschwitz“, sagte sie. Ihr Vater sei von hier weggeholt worden. Stellvertretend für all die anderen Opfer, die kein Grab haben, solle das Mahnmal dienen. „Das wäre ohne die Hilfe des Pferdestalls nicht möglich geworden“, bedankte sie sich bei Hans Heinz Schumacher, dem Vorsitzenden.

Von Nazis deportiert: Stele erinnert an Familien vom Blaffertsberg

„Macht es Sinn, 77 Jahre nach Beendigung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ein Denkmal für die Opfer eben dieser Zeit zu errichten“, diese Frage stellte Schumacher. Wenn er sich die bitteren Ereignisse der vergangenen Tage in Europa vergegenwärtige, dann könne er daraus nur den Schluss ziehen, dass sich Dinge, die wir uns einfach nicht vorstellen konnten, scheinbar wiederholen, man also nichts aus der Vergangenheit gelernt habe.

Denkmal für Sinti und Roma

„Wir haben für diesen Ort ein Denkmal vorgesehen. Wir wollen auf einem dreieckigen Fundament eine Stahlplatte errichten, die eine Mutter mit ihren Kindern zeigt, wie sie hier vielleicht glücklich gelebt haben, dann aber von diesem Ort auf den Weg in die Gaskammer gezwungen werden“, machte Hans Heinz Schumacher nach der Kranzniederlegung deutlich. Professor Gerhard Kalhöfer, der die Gestaltung des Denkmals mit seinem Planungsbüro übernommen hat, konnte die Infotafel gestern bereits präsentieren.

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