Harmonisches Zusammenleben

Die Wärme macht Wespen aggressiv - so verhält man sich richtig

Biologe Jörg Liesendahl beobachtet eine Wespe, die es sich auf einem Wiesenbärenklau gemütlich gemacht hat.
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Biologe Jörg Liesendahl beobachtet eine Wespe, die es sich auf einem Wiesenbärenklau gemütlich gemacht hat.

Biologe Jörg Liesendahl von der Natur-Schule kennt sich mit den Plagegeistern aus und gibt Tipps für einen richtigen Umgang mit ihnen.

Von Peter Klohs

Remscheid. Es gibt Menschen mit einer Arachnophobie, die beim bloßen Anblick von Spinnen panisch reagieren. Aber auch Apiphobie (Angst vor Bienen) und Spheksophobie (Angst vor Wespen) kommen vor. Diese Menschen werden augenblicklich eher überdurchschnittlich von ihren „Angsttieren“ heimgesucht, und wenn es auch nur als Gast auf dem Stück Torte ist. Wir haben mit Jörg Liesendahl von der Naturschule Grund gesprochen, was man gegen die „Plagegeister“ tun kann.

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„Zunächst einmal“, beginnt der Biologe, „muss man feststellen, dass die Wespen zur Zeit gar nicht gut drauf sind. Denen ist es schlicht zu warm. Die sind aggressiver als normalerweise. Wie zur Zeit die Feldwespen, die eigentlich sehr ruhige Vertreter sind, mit denen es aber aktuell auch Ärger geben kann.“

Nur die Deutsche und die gemeine Wespe sind auffällig aggressiv

Kenntnisreich fügt er hinzu, dass sich Hornissen, die größte der heimischen Wespenarten, daran nicht beteiligen. „Hornissen sind sowas von gechillt“, erklärt Liesendahl. „Man muss auch erwähnen, dass bei den vielen Arten von Wespen nur zwei durch größere Aggressivität auffallen: Die Deutsche Wespe und die gewöhnliche oder gemeine Wespe. Die anderen Arten sind auch eher friedlich, können zum Teil auch gar nicht stechen.“

Die Insekten Bienen, Wespen, Hummeln und Hornissen gehören zu den Hautflüglern, haben also fast alle sechs Beine und vier Flügel, wie auch alle Libellen und Schmetterlinge. Wespen unterscheiden sich jedoch von diesen aufgrund ihrer Nahrung: Sie bevorzugen Fleisch. „Tierisches Eiweiß ist für die Wespen sehr interessant“, erzählt Liesendahl. „Und Zucker als Treibstoff. Aber im Zweifelsfall lieber Fleisch.“ Nicht umsonst sind die Lieblingsspeise der Hornissen ganze Wespennester.

Wespen dürfen nicht ohne Not getötet werden

Wenn nun also diese Tierchen einen unter einer Phobie leidenden Mitmenschen nerven, muss man Folgendes wissen: Alle stehen unter Naturschutz, das heißt, das man sie nicht ohne Not töten darf, Selbstverteidigung ausgenommen. Man darf den Insektenstaat oder das Nest nicht zerstören. Also verbietet sich auch das Erschlagen der Tiere, wenn diese hartnäckig an der Obsttorte probieren wollen. „Wenn man vorbeischlägt, dann können die Wespen sich bedroht fühlen und werden aggressiv“, weiß der Biologe.

So wird man nervige Wespen los

„Was man einfach und effektiv machen kann: Eine Alternative anbieten. Stellen Sie ein kleines Stück Obsttorte – oder noch besser: ein Stück Fleisch separat auf einen Tisch, der ein paar Meter entfernt steht. Die Wespen merken schon, wo sich der begehrte Stoff leichter ergattern lässt. Ich wette, dass man die Wespen so schnell los wird. Im Zweifelsfall bliebe noch, mit der Kaffeetafel vom Garten in das Wohnzimmer umzuziehen.“

Das hilft bei einem Stich

Und wenn es dazu schon zu spät ist und der Wespenstich schmerzt, sollten Gesunde die Stelle kühlen und – so machbar – mit eigenem Speichel etwas Spitzwegerich verdünnen und auf die Einstichstelle drücken. „Allergiker müssen natürlich unter allen Umständen zum Arzt. Damit ist nicht zu spaßen.“

Probleme mit Nestern können sich von selbst lösen

Wespen- oder Hornissennester am Haus können auch zum Problem werden. „Hinweise darauf, dass die Feuerwehr diese entfernt, dürfen zum Reich der Märchen gezählt werden“, erklärt Liesendahl. „Selbst wenn die das könnte, hat sie doch im Normalfall genug mit anderen Dingen zu tun.

Ich empfehle in diesem Fall erst einmal: Nachdenken. Muss ich an der Stelle, wo jetzt ein Wespennest hängt, täglich mehrere Male vorbei? Muss ich dort Fenster öffnen? Oder kann ich in Ruhe den Herbst abwarten, wenn sich dieses Problem von selbst löst?“ Im Härtefall, so Jörg Liesendahl, sollte man die untere Naturschutzbehörde informieren. „Die kennen einen Fachmann, der das Nest umsiedeln kann.“

Selbst Wespen und Hornissen haben einen natürlichen Feind: den Bienenfresser, eine Vogelart, die in den letzten Jahren verstärkt in Deutschland heimisch geworden ist.

Hintergrund

Noch vor einigen Jahren waren regelmäßig im späten September die letzten Tage der Wespen, Bienen oder Hornissen angebrochen. „Aber seit es im September keine Nachtfröste mehr gibt, zieht sich das bis in den November hinein.“ Unter der Vorgabe des Naturschutzes für Wespen, Bienen und Co. verbleibt den Menschen kein breites Handlungsspektrum, wenn sie sich durch die Hautflügler gestört fühlen. „Ein harmonisches Zusammenleben wäre schön“, sagt der Biologe Jörg Liesendahl.

Standpunkt von Michael Albrecht: Schön ruhig bleiben

michael.albrecht@rga.de

Sie können einem schon den letzten Nerv rauben, die Quälgeister, die besonders gerne direkt vor dem Gesicht kreisen und ihr Opfer schnell in Panik versetzen. Das gilt besonders für solche Zeitgenossen, die allergisch auf einen Wespen- oder Bienenstich reagieren. Aber die Plagegeister gehören nun einmal zum Sommer. Auch wenn sie in diesem Jahr besonders früh aktiv sind und nicht erst im August, um sich ihren Anteil vom Pflaumenkuchen abzuholen.

Da hilft nur eins, den Insekten Tribut zu zollen und ihnen, wie Biologe Jörg Liesendahl empfiehlt, ein unwiderstehliches Angebot zu machen. Und das muss nicht in Mafia-Manier die Drohung mit dem Tod sein. Da reicht ein Stück vom Leckerbissen. Zumal die gemeine Wespe aufgrund der sommerlichen Hitze durch erhöhte Aggressivität auffällt, wie der Fachmann beobachtet hat.

Im Übrigen ein Verhalten, das derzeit auch bei manchem Zeitgenossen beobachtet werden kann. Da sind Überreaktionen vorprogrammiert und zwar bei Insekt und Mensch.

Lesen Sie auch: So kann Artenschutz gelingen

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