Zukunftstreiber für die Industrie

Die Stadt unterstützt Pläne für ein privates Digitalisierungsinstitut in Reinshagen

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz und Dezernent Peter Heinze (M.) im Gespräch mit Schumacher-Mitarbeiter Otman Akhallouf, Prokuristin Frauke Wüseke sowie den Geschäftsführern Dr. Bernd Schniering (l.) und Christoph Schniering. Foto: Roland Keusch
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Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz und Dezernent Peter Heinze (M.) im Gespräch mit Schumacher-Mitarbeiter Otman Akhallouf, Prokuristin Frauke Wüseke sowie den Geschäftsführern Dr. Bernd Schniering (l.) und Christoph Schniering.

In dem geplanten Institut für Digitalisierung (GAP) sollen Unternehmen aus der Region an Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz herangeführt werden.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Remscheid könnte eine Vorreiterrolle bei der Digitalisierung der mittelständischen Industrie übernehmen. Im Laufe des Jahres 2023 soll, wenn alles klappt, in Reinshagen das GAP Institut für Digitalisierung eröffnen. Als private Initiative, gefördert mit öffentlichen Mitteln, sollen dort Unternehmen aus der Region an Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz (KI) herangeführt werden. Diese Themen seien für viele Firmen „eine Überlebensfrage“, betont Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, der das Vorhaben unterstützt.

Hinter dem Projekt steht Dr. Bernd Schniering, geschäftsführender Gesellschafter von Schumacher Precision Tools. Der Werkzeughersteller mit 40 Mitarbeitern hat seine eigenen Abläufe längst durchdigitalisiert und setzt zur Verbesserung der Produktivität auf lernfähige Computersysteme, sogenannte KI. Dieses Wissen wolle er nun mit anderen Unternehmen teilen, sagt Schniering. Nicht als Geschäftsmodell, wie er betont, sondern zum Nutzen aller.

Geplant ist ein 320 Quadratmeter großer Bau auf dem Firmengelände an der Küppelsteiner Straße. Dort könnten bis zu 25 Personen an Schulungen und Workshops teilnehmen. Mit direkter Anbindung an die Schumacher-Produktion, wo die Teilnehmer das Gelernte auch in der Praxis beobachten können. „Das, was wir da machen wollen, praktizieren wir schon seit 15 Jahren“, sagt Schniering über mögliche Lehrinhalte des Instituts, das er unter dem Dach der Gesellschaft für angewandte Prozesslenkung (GAP) betreiben möchte. In dieses Unternehmen wurden vor einigen Jahren die Entwicklungs- und Forschungsaktivitäten von Schumacher ausgelagert.

OB Mast-Weisz: Das Projekt birgt enormes Potenzial für die heimische Wirtschaft

Das Projekt berge enormes Potenzial für die heimische Wirtschaft, ist OB Mast-Weisz überzeugt: „Wenn Schumacher das Wissen, das hier seit 20 Jahren gesammelt wird, weitergibt, kann das für andere eine Quantensprung bedeuten.“ Die Einbindung weiterer Partner, angedacht sind unter anderem die Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe (FGW) und ein Institut der TU Dortmund, könnten das noch verstärken.

Offen bleibt derzeit aber die Finanzierung. Dr. Bernd Schniering schätzt die Kosten auf rund zwei Millionen Euro. Geld wolle er mit dem Institut nicht verdienen, sagt er, allerdings auch nicht draufzahlen. Deswegen werde die Stadt nun nach Fördermitteln suchen, sagt Burkhard Mast-Weisz. Hoffnung setzt er unter andrem auf den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

Weil es keine Gewinnerzielungsabsicht gebe, wolle man aber auch prüfen, ob neben der klassischen Förderung für wirtschaftliche Projekte nicht auch andere Quellen in Frage kommen, sagt Mast-Weisz: „Das dient ja auch dem Gemeinwesen.“ Dabei soll das neu geschaffene Fördermanagement der Stadt helfen. Zudem wurde das geplante Digitalisierungsinstitut zum Thema auf der Klausurtagung der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

Das, was wir da machen wollen, praktizieren wir schon seit 15 Jahren.

Dr. Bernd Schniering über das geplante Institut

Gedacht ist das Institut für die Industrie, lernen könnten davon aber auch andere, sagt der Oberbürgermeister – und bezieht das ausdrücklich auch auf seine eigene Verwaltung: „Im Grunde genommen können wir genauso davon profitieren.“ Remscheid ist beim aktuellen Smart City Index auf Platz 77 von 81 deutschen Großstädten gelandet.

Was KI und Industrie 4.0 für Produktionsunternehmen bedeuten können, zeigt Schniering mit seiner eigenen Firma: Aktuell werde die Produktionskapazität am Stammsitz verdoppelt, berichtet der promovierte Maschinenbauer. Damit hole man vor Jahren nach Asien ausgelagerte Produktionslinien zurück: „Die Digitalisierung macht das möglich.“

Hintergrund

Unter dem Begriff Industrie 4.0 versteht man vor allem die Vernetzung von Geräten. In diesem „Internet der Dinge“ tauschen Maschinen ihre Daten untereinander aus – in der Regel ohne menschliche Eingriffe.

Das Schlagwort Künstliche Intelligenz umfasst insbesondere die Teilbereiche der Informatik, die sich mit maschinellem Lernen befassen. Ziel ist es unter anderem, Daten automatisiert zu interpretieren. Und das mit zunehmender Genauigkeit.

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