Lernangebote

Die Stadt bietet keine Nachhilfe an

Einige Arbeitsplätze für Schüler, die zu Hause kein Homeschooling machen könnten, gäbe es in der Stadtbibliothek. Unter anderem den große Lesesaal, den Bibliothekar Daniel Zang hier zeigt. Eine Betreuung der Schüler kann aber auch die Bücherei nicht bieten. Foto: Roland Keusch
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Einige Arbeitsplätze für Schüler, die zu Hause kein Homeschooling machen könnten, gäbe es in der Stadtbibliothek. Unter anderem den großen Lesesaal, den Bibliothekar Daniel Zang hier zeigt. Eine Betreuung der Schüler kann aber auch die Bücherei nicht bieten.

Zwei Anträge der Politik sollen Schülern in der Pandemie helfen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Bald ein Jahr Pandemie geht auch an vielen Schülerinnen und Schülern nicht spurlos vorüber, die schulischen Leistungen sind teils so weit abgesackt, dass manche Pädagogen schon von der „Generation Corona“ sprechen. Dem entgegenzuwirken, ist das Ziel zweier Anträge, die derzeit in den politischen Gremien in Remscheid diskutiert werden. Und die beide nur wenig Aussicht auf erfolgreiche Umsetzung haben.

So hat die CDU das Projekt „Solidarisch lernen: Remscheid hilft“ ins Spiel gebracht. Dabei soll das Kommunale Bildungszentrum, zu dem auch die VHS gehört, eigene Lehrkräfte aber auch pensionierte Lehrerinnen und Lehrer sowie Oberstufenschüler mobilisieren. Diese sollen am Nachmittag und in den Abendstunden zusätzlichen Unterricht, man könnte auch Nachhilfe sagen, zumindest in den Hauptfächern anbieten.

In eine ähnliche Stoßrichtung geht ein gemeinsamer Antrag der Gestaltungsmehrheit aus SPD, Grüne und FDP. Der will nicht nur die Verwaltung beauftragen, geeignete „Räumlichkeiten außerhalb der Schulen“ für Schüler, die nicht zu Hause lernen können, zu finden. Sondern schlägt auch „zusätzliche Lernangebote und Qualifikationsangebote“ vor, um „pandemiebedingt nicht erreichte Lernziele nachzuholen“.

Darin sieht David Schichel, Fraktionschef der Grünen im Remscheider Stadtrat, vor allem einen Prüfauftrag an die Verwaltung, die klären soll, ob das möglich ist. Die Frage, wo Schüler lernen sollen, die das zu Hause aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht können, sei ja schon im Kommunalwahlkampf ein Thema gewesen, sagt Schichel: „Und sie ist immer noch nicht geklärt.“

Schichel macht deutlich, dass es innerhalb der Gestaltungsmehrheit durchaus Sympathien für den CDU-Antrag gegeben habe: „Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir den nicht ablehnen können.“ Schließlich habe man sich aber geeinigt, einen eigenen, weitergehenden Antrag zu stellen, der sich neben den zusätzlichen Unterrichtsangeboten auch um Raumangebote kümmert. Dabei denke man in erster Linie an städtische Gebäude wie die Bibliothek, sagt David Schichel. Auch Jugendzentren oder kirchliche Einrichtungen kämen in Frage. Das Personal, das dort ohnehin im Einsatz sei, könne dann auch für eine Aufsicht sorgen. „Dass die Lehrer das nicht zusätzlich leisten können, ist ja klar.“

Der Idee, dieses Thema beim Kommunalen Bildungszentrum anzusiedeln, so wie es die CDU vorschlägt, steht der Grünen-Fraktionschef allerdings kritisch gegenüber. Räume zum Lernen bereitzustellen, sei Aufgabe der Stadt. Unterricht zu organisieren aber die des Landes: „Damit würden wir endgültig an die Stelle des Landes treten.“

Das hat inzwischen entschieden, Geld für die Kompensation für coronabedingte Unterrichtsausfälle zur Verfügung zu stellen. Diese Woche stellte Schulministerin Yvonne Gebauer das Förderprogramm „Extra-Zeit zum Lernen“ vor, in dem bis Sommer 36 Millionen Euro bereitstehen.

Doch selbst mit dem Geld könnte die Umsetzung der Anträge in Remscheid schwierig werden – weil es niemanden zu geben scheint, der diese Aufgabe übernehmen kann. Dem CDU-Antrag erteilte die Verwaltung in einer Stellungnahme schon mal eine Absage: Im Kommunalen Bildungszentrum „stehen keinerlei personelle Ressourcen für die Ausarbeitung des Projekts, dessen Koordinierung und auch nicht für den Unterricht selber zur Verfügung“.

Hintergrund

Das Ifo-Institut hat ausgerechnet, welche wirtschaftlichen Folgen der bisherige Unterrichtsausfall haben könnte: 3,3 Billionen Euro. Grund dafür sind vor allem die niedrigeren Lebenseinkommen der heutigen Schüler.

Standpunkt: Zwei entscheidende Haken

Von Sven Schlickowey

sven.schlickowey @rga.de

An dieser Stelle habe ich zuletzt häufiger die Corona-Politik der Landesregierung kritisiert, nicht zuletzt auch die der Schulministerin. Da wäre es nun, angesichts des 36 Millionen Euro schweren Förderprogramms „Extra-Zeit zum Lernen“, ja eigentlich mal an der Zeit, Frau Gebauer zu loben. Doch leider hat das, was auf den ersten Blick gut aussieht, zwei entscheidende Haken: Zum einen sind 36 Millionen, vor allem im Vergleich zu den anderen Summen, die für die Bekämpfung der Pandemiefolgen ausgegeben werden, schlicht ein Witz. Zum anderen nützt auch das schönste Geld nichts, wenn vor Ort niemand da ist, der damit etwas anfangen kann. Damit setzt sich der Trend fort, den wir schon länger in Düsseldorf beobachten können, zuletzt zum Beispiel bei der Anschaffung der Laptops für Lehrer: Die Landesregierung entscheidet etwas, gibt gegebenenfalls noch das Geld dazu, wälzt die Verantwortung aber sonst komplett auf die Kommunen ab. Und die können dann sehen, wo sie bleiben.

Der Nachhilfebedarf ist zwar gestiegen, die Anfragen bei den Nachhilfeinstituten Remscheids aber gesunken.

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