Sicherheit

Die Polizei sucht Elternlotsen für die Schulen

Frank Herzhoff will Eltern als Partner gewinnen.
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Frank Herzhoff will Eltern als Partner gewinnen.
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Soziale Medien machen ängstlich. Die Kinder müssen Gefahren auf dem Schulweg kennenlernen.

Von Axel Richter

Remscheid. Für Polizisten wie ihn haben die Rheinländer den Begriff „Schutzmann op dr Eck“ ersonnen: Frank Herzhoff (59) ist Polizeihauptkommissar und seit 17 Jahren Bezirksbeamter im Remscheider Stadtteil Hasten. Für die Menschen dort ist er Ansprechpartner für große wie für kleine Probleme.

Der Remscheider ist das gerne, doch bemerkt er auch, dass die Menschen sich verändern. Er sagt das mit Blick auf die Eltern, die er regelmäßig vor den Grundschulen im Stadtteil trifft. „Sie sind ängstlicher geworden“, sagt Herzhoff und weist den sogenannten sozialen Medien die Verantwortung dafür zu.

Allenthalben würden Gefahren beschworen und damit Ängste geschürt. „Ich spreche deshalb nicht mehr vom Internet, sondern vom Hysternet“, sagt Herzhoff.

Und das Hysternet wirkt. Gingen die Kinder früher selbstverständlich irgendwann ohne die Begleitung von Mama und Papa zur Schule, bringen die Eltern sie heute bis vors Schultor mit dem Auto. Bereits am ersten Schultag für die i-Dötzchen kam es deshalb wieder zu gefährlichen Begegnungen. Damit erreichen die besorgten Eltern nur das Gegenteil. Statt sie zu beschützen, bringen sie ihre und andere Kinder in Gefahr. Und das langfristig.

Polizisten bitten: Lassen Sie Ihr Kind zur Schule laufen!

„Kinder müssen lernen, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen“, sagt Michael Wenner, wie Frank Herzhoff, Polizeihauptkommissar und als Verkehrssicherheitsberater regelmäßig zu Gast in den Kindergärten und Grundschulen: „Wer seine Kinder an jedem Morgen zur Schule fährt, nimmt ihnen diese Lernerfahrung. Und dann kommt eines Tages der Moment, den sich keiner wünscht. Dann springt morgens das Auto nicht an oder die Mutter ist krank, und das Kind muss in die Schule. Ungeübt und unerfahren mit allen Gefahren, die auf dem Schulweg liegen.“

Der Appell der Polizisten lautet deshalb seit Jahren: „Lassen Sie Ihr Kind zu Fuß zur Schule gehen.“ Und wenn es doch mit dem Auto gebracht werden muss, weil das Zuhause zu weit weg ist, so mögen die Eltern ihr Kind abgesetzt von der Schule aussteigen lassen. „So kann es mit anderen Kindern einen Teil des Schulweges gemeinsam gehen“, sagt Frank Herzhoff.

Die Schulen unternehmen eine ganze Menge

Mit Hilfe der Verkehrswacht Remscheid unternehmen die Schulen viel, damit die Kinder sicher im Klassenzimmer ankommen. An der Grundschule Siepen stehen in der Einschulungswoche bunte Kinder aus Holz. Sie sollen die Autofahrer zum langsameren Fahren veranlassen. Das funktioniert einige Tage, danach müssen die Holzkinder an eine andere Schule oder Kita umziehen. An der Grundschule Siepen gibt es zudem Elternlotsen, die die Kinder am Morgen in Empfang nehmen und auf der Wolfstraße für Sicherheit sorgen. Dazu suchen sie Lücken im Verkehr und riegeln die Straße kurzzeitig für die Kinder ab.

Frank Herzhoff wünscht sich mehr solche engagierten Eltern. Wer Elternlotse werden möchten, melden sich bei der Unfallprävention der Polizei unter Telefon 02 02 / 2 84 95 31 oder an die Verkehrswacht (verkehrswacht-remscheid.de).

„Jeder bekommt eine kurze Schulung, dazu eine Weste und eine Kelle“, sagt Frank Herzhoff. Damit würden Eltern zum Teil einer Lösung – und nicht des Problems als Fahrer eines Elterntaxis oder Verkünder dramatischer Nachrichten im Internet.

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