Förderung gibt es vom Bund

Neue Sirenen benötigen Zeit - Remscheid baut Warninfrastruktur neu auf

Bis die Sirenen wieder in der ganzen Stadt zu hören sein werden, wird es noch einige Zeit brauchen.
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Bis die Sirenen wieder in der ganzen Stadt zu hören sein werden, wird es noch einige Zeit brauchen.

Remscheid soll wieder ein flächendeckendes Netz von Warnsirenen bekommen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Der Plan, den die Stadtverwaltung bereits Anfang Juni öffentlich machte, gewinnt durch die Starkregenereignisse vor zwei Wochen an zusätzlicher Aktualität. Bis die Sirenen aber wieder in der ganzen Stadt zu hören sein werden, wird es wohl noch einige Zeit brauchen.

„Zwei bis drei Jahre, würde ich schätzen“, sagt Oberbrandrat Josef Köster, Technik-Chef bei der Remscheider Berufsfeuerwehr. Vor der Installation neuer Sirenen müsse erst eine Fachfirma die genauen Standorte bestimmen. „Remscheid hat ja eine schwierige Topographie.“

Die Grafik des Landesinnenministeriums erklärt die verschiedenen Sirenen-Signale, ist der Heulton auf- und abschwellen, besteht Gefahr.

Zwar verfügte Remscheid bis Anfang der 1990er Jahre über ein solches Sirenen-Netz. Dies sei aber primär als Reaktion auf den Kalten Krieg installiert worden, erklärt Köster. Als die Bedrohung durch den Warschauer Pakt abnahm, habe man es aus Kostengründen abgebaut. „Wir können aber leider nicht die alten Pläne wieder rausholen und eins-zu-eins umsetzen.“ Schließlich habe sich nicht nur die Sirenen-Technik weiterentwickelt, Remscheid habe sich in den vergangenen 30 Jahren auch städtebaulich verändert.

Wie viel die neuen Sirenen kosten werden, ist derzeit noch unklar. Sicher ist hingegen, dass es Fördermittel dafür gibt. „Im Rahmen der Neuausrichtung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ist ein 88 Millionen Euro schweres Sirenenförderprogramm seitens des Bundes initiiert worden“, berichtet Leoni Möllmann aus der Pressestelle des NRW-Innenministeriums. Auf Nordrhein-Westfalen werde davon voraussichtlich ein Anteil rund 18 Millionen entfallen. „Gefördert werden daraus die technische Ertüchtigung und der Neubau von Sirenen.“

Warnung durch die Feuerwehr dauert zu lange

Vom Bundesamt heißt es, dass die genauen Modalitäten des Programms derzeit festgelegt würden: „Der Abschluss einer Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern wird noch im Jahr 2021 erwartet“, sagt Pressesprecherin Anuschka Johnson. Sobald das erledigt sei, würden die Länder informiert – und die Kommunen könnten ihre Anträge stellen.

Dass Remscheid wieder Sirenen braucht, ist eine Erkenntnis aus den bislang drei landes- beziehungsweise bundesweiten Warntagen. Dabei erwies sich das derzeit praktizierte Modell, bei dem die Feuerwehr mit acht Fahrzeugen nacheinander rund 90 Punkte in der Stadt ansteuert, um dort akustisch zu warnen, als unzulänglich. Es dauert zu lange und bindet zu viele Kräfte. Zumindest bei großen Bedrohungslagen.

So sehr Oberbrandrat Köster die Pläne begrüßt, betont er auch, dass Sirenen alleine nicht ausreichten. Vielmehr müssten sie in ein Gesamtkonzept eingebunden werden. Und dazu würden auch andere Medien wie Smartphone-Apps gehören. Oder auch das sogenannte Cell Broadcasting, bei dem Handy-Nutzer in einer bestimmten Region eine Nachricht ähnlich einer SMS erhalten. „Und natürlich müssen die Menschen auch wissen, was welcher Signal-Ton bedeutet, um dann richtig handeln zu können.“ Das habe auch die Explosion in der Leverkusener Müllverbrennungsanlage am Dienstag wieder einmal gezeigt.

Standpunkt: Preis unserer Lebensweise

Kommentar von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga.de

Nun muss Remscheid also das wieder aufbauen, was es früher schon mal gab, ein stadtweites Netz von Sirenen. Da liegt einem das „hätte man doch damals . . .“ fast schon auf der Zunge. Doch heute so zu tun, als ob man das vor 30 Jahre hätte wissen müssen, ist etwas zu billig. Anfang der 90er Jahre sah man die größte denkbare Bedrohung, die atomare Zerstörung durch einen Krieg der beiden Blöcke, als beendet an. Da sparte man sich das Geld für den Unterhalt der Sirenen lieber. Dass wir uns heute stattdessen über Starkregen, Stromausfälle oder Stürme Sorgen machen müssen, war damals nur schwer vorstellbar. Also müssen wir jetzt das Geld, das wir in den vergangenen drei Jahrzehnten gespart haben, in eine neue Infrastruktur investieren – und vermutlich sogar noch etwas drauflegen. Und das werden nicht die letzten Mittel sein, die wir zur Bewältigung des menschgemachten Klimawandels aufwenden müssen. Das ist der Preis für unsere derzeitige Lebensweise. Und je länger wir warten, umso teurer wird es.

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