Corona-Einschränkungen

Die Menschen werden durch Corona einsamer

Das Team von Seele in Not e.V., Daniel Henkel (l.), Monika Erdmeier und Markus Pickhardt, ist auch in der Corona-Krise da. Foto: Roland Keusch
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Das Team von Seele in Not e.V., Daniel Henkel (l.), Monika Erdmeier und Markus Pickhardt, ist auch in der Corona-Krise da.

Die Seelsorge-Einrichtungen in Remscheid haben in der Krise viel zu tun: Es gibt mehr Anfragen, die Corona-Bedingungen machen ihre Arbeit nicht leichter.

Von Peter Klohs

Remscheid. In Remscheid gibt es für psychisch kranke Menschen einige Möglichkeiten, Hilfe zu bekommen. Sei es eine telefonische Beratung oder die Aufnahme in einer Einrichtung, die ambulantes betreutes Wohnen anbietet. Wir haben einige dieser Einrichtungen gefragt, wie sie unter Corona-Bedingungen arbeiten.

Seele in Not e.V.: Wie Monika Erdmeier, 1. Vorsitzende des Vereins auf der Hindenburgstraße, berichtet, haben sich die annähernd 20 Bewohner im ambulanten betreuten Wohnen sehr zurückgezogen. „Viele unserer Klienten haben mit Ängsten und Depressionen zu tun. Die Folge von Corona ist, dass diese Menschen sich einigeln.“ Das für den Verein tätige Fachpersonal ist auf solche Situationen geschult und vorbereitet. Angesichts der angespannten Situation arbeiten jedoch auch sie permanent an der Grenze des Machbaren.

„Besonders erschwerend kommt hinzu, dass unser zentraler Treff, das Café MoccaSIN, schon Monate nicht öffnen darf. Gerade der Besuch des Cafés fehlt den Menschen sehr. Da hat man direkt den Kontakt zu den Hilfesuchenden. Und der fällt jetzt weg.“

Remscheid: Corona-Einschränkungen: Viele Eltern am Rand der Belastbarkeit

Wie Markus Pickhardt, Genesungsberater von „Seele in Not“, ergänzt, ist die natürliche Hemmschwelle der Anrufer durch Corona nicht kleiner geworden. „Und wir stellen fest, dass sehr wenig junge Menschen uns anrufen.“ Wichtig ist ihm, dass nicht nur Remscheider Bürger die Hilfe des Vereins in Anspruch nehmen können. „Uns kann jeder Mensch anrufen.“

Psychologische Beratungsstelle Remscheid: Dr. Jana Schrage betont, dass die städtische Einrichtung nach wie vor persönlich für die Menschen da sei. „Natürlich ist auch eine telefonische Beratung möglich, aber wir besuchen die Menschen auf Wunsch auch.“ Die Arbeit sei durch den höheren organisatorischen Aufwand verlangsamt. Der Lockdown habe nicht nur die Mitarbeiter ihres Teams an den Rand der Belastbarkeit geführt, sondern auch viele Eltern. „Wir hören jetzt häufig: ‚Wir können nicht mehr’“. Aber Dr. Schrage hat ein hoch motiviertes Team zur Verfügung. „Alle ziehen mit.“

Nummer gegen Kummer e.V.: Fachberaterin Jeanine Rücker erklärt, dass sich die Arbeit des Vereins in Corona-Zeiten deutlich verändert habe. „Wir haben viel mehr Anfragen bekommen und unsere Beratungszeiten ausgeweitet. Vor allem online wird unser Angebot vermehrt wahrgenommen.“

Remscheid: Nummer gegen Kummer hat mehr Anfragen von Kindern und Jugendlichen

So haben sich die Online Anfragen von Kindern und Jugendlichen um 43 Prozent erhöht und die Beratungen haben um mehr als 30 Prozent zugenommen. „Beim Elterntelefon haben wir über 60 Prozent mehr Beratungen in der Corona-Zeit durchgeführt. Die Themen, die die Menschen bewegen, haben sich nicht wesentlich geändert, treten jedoch deutlicher zutage. Besonders Einsamkeit und Gewaltandrohung in der Familie werden angesprochen“, berichtet Rücker.

Wie in allen Einrichtungen, die Menschen mit psychischen Problemen helfen, ist auch bei „Nummer gegen Kummer“ eine anonyme Beratung möglich.

Seniorenbüro: „Ein persönlicher Kontakt mit dem Seniorenbüro auf der Alten Bismarckstraße ist zurzeit nicht möglich“, berichtet Annette Mores. „Wir machen aktuell alles telefonisch. Das ist natürlich für die Senioren kein Ersatz für den persönlichen Kontakt. Obwohl wir bemerken, dass den Menschen auch ein Anruf guttut.“

Die psychischen Probleme der Senioren seien nicht größer geworden, ist Annette Mores sicher. Die neuen Räumlichkeiten des Seniorenbüros konnten durch Corona noch nicht ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden. „Umso schöner wird es, wenn wir wieder öffnen können“, ist sie sicher.

Kontakt bei Sorgen in Remscheid

Diese Stellen können bei Sorgen helfen:

Seele in Not e.V.: Tel. (0 21 91) 29 19 90

Psychologische Beratungsstelle der Stadt: Tel. (0 21 91) 16 38 88

Nummer gegen Kummer: Tel. (0 21 91) 29 21 41

Seniorenbüro: Tel. (0 21 91) 46 45 351

Die Dunkelziffer ist bei der häuslichen Gewalt hoch. Bei der Polizei in Remscheid melden sich nicht mehr Opfer als sonst. Das Bild bei Hilfsangeboten und in der Ärztlichen Kinderschutzambulanz sieht aber anders aus.

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