Förderverein räumt im Steffenshammer auf

Die Esse im Steffenshammer soll im April wieder glühen

Dieter Orth (l.) zeigt, wie hoch das Wasser über der Esse stand. Für den RGA haben er und Lutz Kleuser Flutlicht aufgebaut. Strom gibt es nicht. Foto: Doro Siewert
+
Dieter Orth (l.) zeigt, wie hoch das Wasser über der Esse stand. Für den RGA haben er und Lutz Kleuser Flutlicht aufgebaut. Strom gibt es nicht.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
    schließen

Die Saison im Steffenshammer ist nach dem Hochwasser gelaufen.

Remscheid. Ein brauner Strich hat sich auf der Esse eingebrannt. Aber nicht durch Feuer, sondern durch Wasser. Die Flut vom 14. Juli hat ihre Spuren im denkmalgeschützten Steffenshammer hinterlassen. Auch wenn die Vereinsmitglieder den Boden schon überwiegend von Matsch befreit haben, riecht es feucht, Strom gibt es nicht. Sämtliche Elektroverteilungen des Antriebsmotors sind hinüber, der Motor selbst beherbergt in seinem Inneren immer noch ein Wasserreservoir. Draußen lässt sich an der Spitze des Hakens der Wasserpegel vom 14. Juli ablesen: 2,20 Meter. „Den Schwanzhammer haben wir noch gar nicht laufen lassen. Wir wissen nicht, ob er unterspült wurde. Wenn wir ihn anwerfen, müssen wir sehr vorsichtig sein. Allein die Welle wiegt zwischen acht und zehn Tonnen“, sagt der Fördervereinsvorsitzende Lutz Kleuser. Auch Kühlschränke und der Zaun gingen kaputt.

Auf 20 000 bis 40 000 Euro schätzt Kleuser den Schaden, den die Naturgewalt vor zwei Monaten im Steffenshammer hinterlassen hat. „Wenn man bedenkt, wie viel wir die letzten Jahre erneuert haben, ist das jetzt der Nullpunkt“, sagt Kleuser. Die Saison 2021 ist auf jeden Fall gelaufen. „Aber der Beirat motiviert uns, weiterzumachen. Wir sind ja alles Ehrenamtler.“

Gebäude- und Elementarschäden seien zum Glück versichert. „Ich bin zuversichtlich, dass das geregelt wird. Wenn wir eine Lücke haben, haben wir viele Mitglieder, die hinter uns stehen“, sagt Kleuser dankbar. Denn unter den 150 Mitgliedern seien namhafte Gewerbebetriebe wie Haico, Gommann, Knipex, Hazet oder Dirostahl. „Weil sie früher alle selbst eine Schmiede hatten, fühlen sie sich mit uns verbunden“, erklärt Kleuser. „Es ist auch ein bisschen bergische Mentalität, dass man stolz auf diese Entwicklung ist.“ Denn der Steffenshammer ist der einzige noch betriebsfähige Schmiedekotten im Gelpetal.

Firma Dohrmann und die TBR helfen im Steffenshammer beim Aufräumen

Von der NRW-Stiftung habe man zudem 5000 Euro Soforthilfe erhalten. Auch Hilfe in Form von Muskelkraft erhielt der Vorstand. Den Kampf gegen die Schlammmassen nahm die Firma Dohrmann auf und entsorgte etwa 15 bis 20 Tonnen, schätzt Dieter Orth, der Gründungsmitglied ist und sich um Führungen kümmert. „Am Anfang hieß es erst mal tief Luft holen, aber jetzt wir sind auf einem guten Weg“, sagt er. Die TBR halfen ebenfalls beim großen Aufräumen. Bei den direkten Nachbarn durften die Hammer-Hüter Vitrinen und Ausstellungsgegenstände unterstellen. Der faulende Zaun wird nun vom Gärtner ersetzt. Die Wiese muss er noch neu einsäen.

Ein Problem gibt es noch am Gelpe-Teich neben dem Hammer. Der Bach wird dort angestaut, ein Wasserrad treibt den Schwanzhammer an. Ein kleineres Wasserrad betreibt zudem den Blasebalg an der Esse. „Durch das Hochwasser haben Steinklumpen den Zulauf versperrt. Wir haben schon den Wupperverband kontaktiert, denn wir dürfen nicht selbst eingreifen“, sagt Kleuser.

Nach der Corona-Zwangspause und der Hochwasserkatastrophe schöpft der Verein nun neuen Mut. „Wir wollen etwas Gutes aus dieser Zeit mitnehmen – und nun in Ruhe überlegen, was wir verbessern könnten“, erklärt der erste Vorsitzende. Im Winter will man mit allen Reparaturen fertig sein. Anfang 2022 sollen dann nur noch „kosmetische Dinge“ folgen. „Ab Februar/März bereiten wir uns dann auf die Saison vor.“ Am dritten Samstag im April ist Anschmieden angesagt, am ersten Samstag im Juli das Hammerfest, dann der Tag des offenen Denkmals, die Nacht der Kultur und zum Abschluss das Adventsschmieden. „Im April brennt das Feuer in der Esse wieder“, verspricht Dieter Orth. Dann können auch die Kinder wieder ihre beliebten Nutellamesser schmieden.

Der Steffenshammer

Der Steffenshammer im Gelpetal, Adresse: Clemenshammer 3, wurde 1746 anstelle seines älteren Vorgängers errichtet. Neben der Herstellung von Werkzeugen und Kleineisenwaren wurde dort Raffinierstahl geschmiedet. Bis 1928 war der Hammer in Betrieb durch die Familie Steffens, 1958 übernahm ihn die Stadt Remscheid. Er diente dem Deutschen Werkzeugmuseum als Außenstelle zu Schauzwecken. Anfang 2009 erwarb der gemeinnützige Förderverein den denkmalgeschützten Hammer, um ihn für die Öffentlichkeit zu erhalten. Er ist bis dato der letzte noch funktionsfähige Schmiedekotten im Gelpetal.

steffenshammer.de

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Neueröffnungen setzen im Lüttringhauser Zentrum neue Impulse
Neueröffnungen setzen im Lüttringhauser Zentrum neue Impulse
Neueröffnungen setzen im Lüttringhauser Zentrum neue Impulse
Einbrüche in Remscheid: Die Polizei sucht Zeugen
Einbrüche in Remscheid: Die Polizei sucht Zeugen
Einbrüche in Remscheid: Die Polizei sucht Zeugen
Schockanruf: 87-Jährige übergibt 40.000 Euro
Schockanruf: 87-Jährige übergibt 40.000 Euro
Schockanruf: 87-Jährige übergibt 40.000 Euro
Weihnachtstreff am Rathaus ab 12. November
Weihnachtstreff am Rathaus ab 12. November
Weihnachtstreff am Rathaus ab 12. November

Kommentare