RGA vor Ort: Kremenholl

Die Comedians kehren erst 2022 zurück

Gabriele Leitzbach und Arndt Köhler engagieren sich für einen lebenswerten Kremenholl. Doch viele Aktionen mussten sie absagen. Foto: Roland Keusch
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Gabriele Leitzbach und Arndt Köhler engagieren sich für einen lebenswerten Kremenholl. Doch viele Aktionen mussten sie absagen.
  • Axel Richter
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Das Virus hat auch die Stadtteilinitiativen ausgebremst – Kremenholler planen den Neuanfang nach der Pandemie. Einige Karrieren haben hier ihren Anfang genommen, heute treten die Kremenholler Teilnehmer von einst bei RTL und Co. auf.

Remscheid. Beinahe trotzig hatte der Initiativkreis Kremenholl der Pandemie getrotzt und an seinem Kremenholler Kleinkunstpreis 2020 festgehalten. Corona sollte den Menschen nicht auch diese Freude nehmen. So waren die Eintrittskarten bereits gedruckt, als Gabriele Leitzbach und Arndt Köhler doch nur die Absage übrigblieb. „Die Leute waren sehr enttäuscht“, sagt die Vorsitzende des Vereins, der sich um das Leben im Quartier kümmert und kann ihre Kremenholler doch auch für 2021 nur vertrösten. Erst im nächsten Jahr soll es den Kremenholler Kleinkunstpreis wieder geben. „2022 wird unser Jahr“, verspricht Gabi Leitzbach. „Hoffentlich.“

Schließlich wird der Initiativkreis dann 25 Jahre alt. Das Jubiläum soll mit einer Comedy-Gala gefeiert werden. Doch Gabi Leitzbach und Arndt Köhler planen mit Vorsicht. Die Pandemie hat ihre Stadtteilarbeit in den zurückliegenden eineinhalb Jahren nahezu lahmgelegt. Nur selten konnten die annähernd 90 Mitglieder des Vereins zeigen, dass sie noch da sind. Ein Lebenszeichen gab es allerdings im Frühling: Weil auch der traditionelle Frühlingsempfang ausfallen musste, ließen die engagierten Kremenholler 10 Kilogramm Blumensamen in 2000 Tütchen rieseln und brachten den Frühlingsgruß unter den Menschen.

Ansonsten? Gingen die Vereinsaktiven im Wald spazieren wie alle anderen in der Krise. Und die Sorge wuchs, „dass der Kremenholl wieder in eine Art Dornröschenschlaf verfällt“, sagt Gabi Leitzbach. Dabei weiß sie: An den großen Problemen im Quartier ändern auch komödiantische Abende, Stadtteilfeste und Empfänge nichts.

Ein ehemaliger Supermarkt steht seit Jahren leer. Eine verlassene Kindertagesstätte ebenso. Der geplante Umzug der Grundschule ist ungewiss. „Da lässt uns die Politik ziemlich hängen“, sagt Gabi Leitzbach, die mit ihrem Mann Volker ihre Partei, die SPD, im vergangenen Jahr aus genau diesem Grund verlassen hat. „Es passiert ja nichts“, sagt sie. Dabei wisse sie selbst von Investoren mit Interesse am Kremenholl.

Längst mache sich deshalb auch unter den Kremenhollern ein gewisser Argwohn breit. Dann zudem, wenn das Geld aus Fördertöpfen in die Nachbarschaft fließt und aus einem seit vielen Jahren geplanten neuen Bahnhaltepunkt Kremenholl mit einem Mal der Haltepunkt Honsberg wird.

„Was für RTL gut genug ist, reicht für den Kremenholl noch lange nicht.“

Arndt Köhler

Ihr Engagement für den Kremenholl soll das nicht schmälern. Im Gegenteil, sagen Gabi Leitzbach und Arndt Köhler. Seit Ende Juni lädt ihre Mitstreiterin Inga Schulz wieder in die Kremenholler Flohkiste ein. Eine Wald-Schnitzeljagd für die Kremenholler Kinder soll so bald wie möglich folgen. Das Stadtteilfest wird es im Sommer 2021 aber ebenso wenig geben wie den Kleinkunstpreis vor Weihnachten.

Den Komödianten, die für den abgesagten Auftritt im vergangenen Jahr fest gebucht waren, hat der Initiativkreis übrigens ein Ausfallhonorar gezahlt. Die Kremenholler haben letztlich nur einen schönen Abend verpasst, aber viele Künstlerinnen und Künstler sind seit eineinhalb Jahren ohne eigene Einnahmen und nicht jeder schafft den Sprung von der kleinen Bühne ins Fernsehen.

Apropos: Beim Kremenholler Kleinkunstpreis hat schon manche Karriere ihren Anfang genommen. Die von La Signora Carmela Del Feo zum Beispiel. Oder die von Chris Tall. Der Comedian mit eigener Show auf RTL stand 2012 auf der Kleinkunstbühne, gewann aber nicht. Arndt Köhler kommentiert das ironisch mit breitem Grinsen: „Was für RTL gut genug ist, reicht für den Kremenholl unter Umständen eben noch lange nicht.“

Stadtteilserie

Alt-Remscheid: In dieser Woche steht Remscheids größter Stadtteil im Fokus. Von den rund 110 000 Remscheidern leben knapp 50.000 in Alt-Remscheid. Honsberg, Stachelhausen und Kremenholl sind klassische Arbeiterviertel. Der Initiativkreis Kremenholl kümmert sich seit 24 Jahren um das Leben im Quartier.

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