Gewerkschaft

DGB begeht Tag der Arbeit digital

Henrike Madest (links) moderierte eine Gesprächsrunde mit den Gewerkschaftern Marco Röhrig,Peter Horn, Peter Langeund Unternehmerin Anke-Andrea Peiniger. Screenshot/Foto: Roland Keusch
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Henrike Madest (links) moderierte eine Gesprächsrunde mit den Gewerkschaftern Marco Röhrig,Peter Horn, Peter Langeund Unternehmerin Anke-Andrea Peiniger.

Oberbürgermeister werben um Gewerkschaftsunterstützung.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Am Morgen des 1. Mai suchten Gewerkschaftsvertreter noch einmal die Orte auf, an denen in Remscheid und Solingen normalerweise große Kundgebungen zum Tag der Arbeit stattfinden: Diesmal indes wie schon im Vorjahr aber nur, um Flyer zu verteilen, die zur Online-Kundgebung einluden.

Eine Stunde lang debattierten am 1. Mai unter dem Motto „Solidarität ist Zukunft“ Vertreter der Stadtverbände Remscheid und Solingen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) mit ihren Gästen zu Gewerkschaftsthemen – unter ihnen Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) und sein Solinger Partei- sowie Amtskollege Tim Kurzbach. Sie stellten die Bedeutung der gewerkschaftlichen Arbeit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt heraus und warben auf einem Themenfeld einhellig um Unterstützung auf Landesebene: Bildungspolitik.

„Die Hauptschwierigkeit ist“, beantwortete Kurzbach eine Frage aus der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, „dass wir als Kommune oftmals sehr viel einiger mit den Lehrern sind als das Land als Arbeitgeber.“ Die derzeitige NRW-Bildungsministerin, Yvonne Gebauer (FDP), sei in ihrem Stil „durchaus eigenwillig“. Mast-Weisz unterstützte: „Wir investieren in Remscheid in den nächsten Jahren einige Millionen Euro in Schulen und Bildung, obwohl die Landesregierung um das Thema gerechte kommunale Finanzen seit langem herumschifft.“ Entsprechend würde man sich als Stadt über gewerkschaftliche Unterstützung auf Landes-Ebene sehr freuen: Dort brauche man Verbündete.

Der Remscheider DGB-Stadtverbands-Vorsitzende Peter Lange pflichtete bei: „Leider sind die Kollegen in Düsseldorf oft weit weg von den Problemen auf kommunaler Ebene.“ Die Aufteilung sei unglücklich – wie die Rolle der Bildungsministerin rund um Corona ebenfalls. Weitere Themen streiften den Einzelhandel, sozialen Bereich oder Impf-Priorisierung. Die Forderung des hiesigen DGB, Busfahrer und Personen im Einzelhandel mit Kundenkontakt früher zu impfen, renne bei ihm offene Türen ein, befand Mast-Weisz, der aber auf die Zuständigkeit der Ständigen Impfkommission verwies.

Die beiden Gastgeber des Tages, dessen einstündiges Programm in der ehemaligen Fertigungshalle von Grossmann in Solinge-Wald aufgezeichnet wurde und im Youtube-Kanal „DGB Stadtverband Solingen“ angesehen werden kann, unterstrichen in ihren Beiträgen die Wichtigkeit von Gewerkschaften im Allgemeinen. Lange und sein Solinger Pendant Peter Horn verwiesen auf gute Arbeit rund um die Metallbranche oder das Solinger Klinikum.

Beide vertraten die Auffassung, dass Corona nach Probleme nach sich ziehen werde: Sei es wirtschaftlich – Stichwort Insolvenzen – oder gesellschaftlich durch bislang kaum entdeckte Kollateralschäden. Es werde weitere Kraftanstrengungen benötigen – mit starker Hilfe der Gewerkschaften. Deren Vertreter im Übrigen darauf hoffen, 2022 nach zwei Jahren wieder in Präsenz demonstrieren zu können. Begleitende, digitale Aktionen sollen aber beibehalten werden.

Standpunkt: Für die Kassiererin

axel.richter@rga.de

Kommentar von Axel Richter

Warum die Kassiererin im Supermarkt später gegen Sars-CoV-2 geimpft wird als zum Beispiel ein Diplomat, das ist eine Frage, der sich die Gewerkschaften dringend annehmen sollten. Schließlich dürfte die Frau allen Plastikscheiben zum Trotz einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt sein als der Mann in der Botschaft – und zwar auch dann, wenn die in einem armen Land stehen sollte. Gewiss: Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat die Impfreihenfolge so empfohlen. Allerdings war die gleiche Stiko auch einmal dagegen, dass Lehrer und Erzieher früher geimpft werden als andere. Auch der Deutsche Ethikrat erklärt den Menschen gern, was richtig und was falsch ist. Vor Wochen geißelte er die sofortige Rückgabe der bürgerlichen Freiheiten an Geimpfte noch als unsolidarischen Akt. Jeder Gastronom dürfte den geimpften Gast dagegen als besonders solidarisch begrüßen. Am Ende entscheiden im Kampf gegen das Virus nicht Experten, sondern gewählte Politiker. Es ist deshalb gut und ein Stück weit auch überfällig, dass sich die Gewerkschaften in der Coronakrise zu Wort melden. Für die Kassiere- rin und andere, die eine Lobby brau- chen.

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