Auszeichnung

Der „Oscar“ für Lehrer geht nach Lennep

Mehmet Cosgunoglu (Albert-Schweitzer-Realschule) erhält den Deutschen Lehrerpreis 2020; Schülerin Sahra Bissek hatte die Idee. Foto: Claudia Bulot
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Mehmet Cosgunoglu (Albert-Schweitzer-Realschule) erhält den Deutschen Lehrerpreis 2020; Schülerin Sahra Bissek hatte die Idee.
  • Andreas Weber
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Albert-Schweitzer-Realschul-Pädagoge Mehmet Cosgunoglu wird mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet.

Remscheid. Mehmet Cosgunoglu ist mit dem Deutschen Lehrerpreis 2020 ausgezeichnet worden. Der Lehrer an der Albert-Schweitzer-Realschule erhält den vom Deutschen Philologenverband und der Heraeus-Bildungsstiftung ausgelobten Pädagogen-Oscar für innovativen Unterricht. Die Nominierung erfolgte auf Vorschlag seiner Schüler.

Sahra Bissek war die treibende Kraft hinter der Bewerbung. Die 17-Jährige ist in der 5 b groß geworden, die der 31-Jährige nach seinem Referendariat an der Realschule in Hackenberg sechs Jahre bis zum Abschluss vergangenes Jahr betreute. Sahra musste nicht lange überlegen. „Ich bin zufällig auf Facebook auf den Aufruf gestoßen und habe direkt an Herrn Cosgunoglu gedacht. Dann habe ich mich mit meiner Klasse abgesprochen, und wir haben ihn vorgeschlagen.“

Dass er als einer von zwei Lehrern aus NRW in dieser Kategorie gewürdigt wird, hat viele Gründe. KulturScout, DAZ, deutsches Sprach-Diplom, Zukunftsschule NRW, Einführung der Schulcloud, Schülerzeitung sind Stichworte, die alle über den eigentlichen Unterricht hinaus im Zusammenhang mit dem engagierten wie vielseitigen Lehrer für Deutsche, Sowi, Politik und Deutsch als Zielsprache (DAZ) stehen.

„Er hatte immer ein offenes Ohr für uns und für alle einen Tipp parat. Über die Jahre konnten wir dadurch unsere Stärken und Fähigkeiten besser kennenlernen“, zitiert die Jury ein dickes Lob seiner Schüler. Das größte Kompliment macht ihm freilich Sahra Bissek, die gerade in der 10 ihren Abschluss wiederholt, um sich mit einem Qualifikationsvermerk für das GBG zu bewerben.

„Was Herr Cosgunoglu leistet, motiviert mich, selber Lehrerin zu werden.“ Mehmet Cosgunoglu fühlt sich dabei an seine Schulzeit in Hagen-Haspe erinnert: „Ich hatte im Abitur eine Lehrerin, die uns mit viel Herzblut begleitet hat. Ihre Persönlichkeit war für mich der Anstoß, Lehramt zu studieren.“ In Hagen wohnt er weiterhin, beruflich heimisch ist er jedoch an der Albert-Schweitzer-Realschule geworden. Es ist seine erste Stelle nach dem Studium.

„Durch diese Klasse habe ich mich zu dem Lehrer entwickelt, der ich heute bin.“

Mehmet Cosgunoglu über die 5 b

Nicht nur die einstige 5 b verdankt ihm viel, umgekehrt gilt dies ebenso. „Durch diese Klasse habe ich mich zu dem Lehrer entwickelt, der ich heute bin. Ich habe viele neue Methoden ausprobieren können. Das setzte Offenheit nicht nur beim Lehrer, sondern auch bei den Schülern voraus.“ Auch wenn es viel Freizeit fraß, so schaute der Westfale immer über den Tellerrand. 2018 ergatterte er auf seine Bewerbung eine Stelle bei den KulturScouts Bergisches Land, die Kulturschätze der Region für Jugendliche attraktiv machen.

Das Landesprojekt ermöglichte es, dass zunächst eine Lenneper Klasse pro Schulhalbjahr eine Entdeckungstour unternimmt. Besucht wurden das Wuppertaler Bühnen- und Symphonieorchester, Klingenmuseum oder das Stellarium Erkrath. Mittlerweile kommt auch eine zweite Klasse, betreut von Claudia Bulut, in den Genuss dieser Ausflüge. Mehmet Cosgunoglu machte sich auch für das Deutsche Sprach-Diplom (DSD), ursprünglich einmal für deutsche Auslandsschulen konzipiert, an seiner Realschule stark.

Dieses wurde später ausgedehnt auf die Lenneper Bildungslandschaft mit dem Rögy und der Hauptschule. Aus dem Sprachdiplom erwuchs die Bewerbung für die Zukunftsschule NRW, die es Albert-Schweitzer als Modellschule ermöglichte, viele Netzwerke und Kooperationen mit anderen, ebenfalls ausgewählten Schulen einzugehen. Ein Beispiel ist ein Projekt zum Thema Wertschätzung, das die Lenneper mit der Realschule Vogelsang und der Alexander-Coppel-Gesamtschule in Solingen durchführen.

Auch bei der Etablierung einer Schülerzeitung half Mehmet Cosgunoglu. „Als Sahra Bissek zu mir kam und mir erzählte, dass sie gerne mit Gleichgesinnten eine Schülerzeitung ins Leben rufen wolle, haben wir in den Mittagspausen geguckt, was möglich ist.“ Drei Ausgaben erschienen, Corona bremste die Schülerredakteure danach aus.

Unter dem Strich attestierten ihm seine Schüler: „Er ist strukturiert, macht einen abwechslungsreichen Unterricht, ist Fachexperte, zeigt außerschulisches Engagement, macht eine makellose Vorbereitung, ist sehr vielseitig.“

Hintergrund zum Lehrerpreis

Der Wettbewerb geht 2008 auf eine Initiative des Deutschen Philologenverbandes und der Vodafone Stiftung Deutschland zurück. Der „Deutsche Lehrerpreis“ setzt sich zum Ziel, die Wertschätzung sowie des Images des Lehrberufs und der Arbeit der Schulleitungen zu steigern und wirkungsvolle Anstöße zur Verbesserung des Unterrichts zu geben. Der Preis wird in den Kategorien „Unterricht innovativ“, „ausgezeichnete Lehrkräfte“ und „vorbildliche Schulleitungen“ vergeben.

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