Tradition

Der Jüngste landet beim Hahnenköppen einen Volltreffer

Blind wird mit dem Säbel geschlagen: 68 Schläge dauerte es bei der Büchener Einigkeit, bis der Kopf abgeschlagen wurde.
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Blind wird mit dem Säbel geschlagen: 68 Schläge dauerte es bei der Büchener Einigkeit, bis der Kopf abgeschlagen wurde.

Joshua Faßbender wird mit 19 Jahren neuer König der Büchener.

Von Sabine Naber

Remscheid. Um 16.55 Uhr war es gestern so weit: Joshua Faßbender (19), der Jüngste im Hahnenclub der Büchener Einigkeit, hatte so kraftvoll zugeschlagen, dass der Kopf des Hahnes in hohem Bogen wegflog. Jubel brach los und viele, inzwischen heisere Kehlen, grölten: „Der König, er lebe hoch.“ Es war der 68. Schlag. Rund 90 Minuten hatte es gedauert, bis der neue König ausgerufen werden konnte. Joschua ernannte seine Schwester Johanna zur Königin.

Das Hahnenköppen ist der Höhepunkt, wenn Remscheids ältester Bescherungsverein sein Hoffest auf dem Parkplatz der ehemaligen VBW an der Lange Straße feiert. Erst wird das Königspaar – beim letzten Fest vor Corona waren es Jens und Tina Trümmner – abgeholt und zum Festplatz geleitet, dann geht es dem Hahn an den Kragen. Der ist längst tot, hängt kopfüber in einem Korb, der an einem roten Seil zwischen zwei Holzmasten befestigt ist.

Hahneköppen: Die Bücheler verteidigen ihr Brauchtum

Erst ein Schnaps, dann wird ein Tuch vor die Augen gebunden

Gestern schlugen elf Mitglieder der Reihe nach zu, zum Hahnenverein gehören insgesamt 16. Wer dran ist, muss erst einen Schnaps trinken, dann wird ihm der stumpfe Säbel ans Handgelenk geschnallt, das schwarze Tuch vor die Augen gebunden, mindestens zweimal wird er gedreht, dann mit lautem Gesang angefeuert: „Wir wollen den König sehen, wir wollen den König sehen.“ Die launige Moderation hatte der amtierende Kaiser Manfred Eckart übernommen. Er befürchtete zwischendurch, dass der Schnaps nicht reichen könnte, denn der Hals des Hahns wurde lang und länger. Jens Trümmner hatte beim 43. Schlag schon prophezeit, dass höchstens noch vier oder fünf Schläge nötig seien.

Aber es dauerte und Hahnenköpper Marcel stellte sich vor, dass der Vereinsrekord von 96 Schlägen überboten werden könnte. Nach Umarmungen, Glückwünschen und Blumen zog das neue Königspaar, musikalisch begleitet vom Spielmannszug, durch das Viertel, bevor anschließend auf dem Festplatz weitergefeiert wurde.

„Ich sehe sowas zum ersten Mal. Manche Vereine haben ihre Traditionen und hier sind alle mit Eifer dabei“, sagte Zuschauerin Sabine Biesenbach. „Wenn ich mir nicht sicher wäre, dass der Hahn vorher geschlachtet wurde, wäre ich heute nicht hier“, versicherte sie.

Gestartet waren die Büchener mit ihrem Fest Freitagabend, als um 18 Uhr Fassanstich mit dem König auf dem Programm stand. Ein Abend mit viel Musik folgte. Am Samstag konnten sich die Kinder schminken lassen und durften auf die Torwand schießen, bevor abends eine Live-Band aufspielte. Gestern Vormittag saßen die Senioren sowie die zahlreichen Helfer bei einem Frühstück im Festzelt zusammen, später gab es eine Tombola und die Kinder hatten Spaß auf der Hüpfburg.

Der Bescherungsverein Büchener Einigkeit, der 1886 gegründet, kümmert sich in erster Linie um Kinder und Senioren. Auch heute noch werden die Kinder des Vereins zu Weihnachten beschert.

Geselligkeit ist Trumpf. Hof- und Kinderfeste sowie Seniorenfeiern werden regelmäßig organisiert. Die Vorsitzenden Max Hohmeier und Michaela Ebert versichern, dass es heute wichtiger denn je sei, von der Leistungsgesellschaft abzuschalten und mit Bekannten, Freunden und Vereinsmitgliedern die Freizeit sinnvoll zu verbringen. Zurzeit hat die Büchener Einigkeit 137 Mitglieder, inklusive der 19 Vereinskinder.

Hahneköppen

Die Zeremonie kann schnell gehen oder lange dauern. Das Hahnenköppen geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Gepflegt wird er im Bergischen, in der Eifel, um Köln und Neuss herum und im Jülicher Land. Es gilt, einem geschlachteten und kopfüber in einem Korb aufgehängten Hahn den Kopf abzuschlagen. Wem der entscheidende Schlag mit stumpfem Säbel oder Degen gelingt, ist für ein Jahr Hahnenkönig.

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