Ein Tag am Flugplatz

Der Himmel ist das Revier der Segelflieger

In schwindelerregender Höhe ist die Aussicht gigantisch.
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In schwindelerregender Höhe ist die Aussicht gigantisch.

Beim Luftsportverein Radevormwald lernen Jugendliche und Erwachsene, wie man fliegt.

Von Alexandra Dulinski

Der Himmel ist ihr Revier. Nur Vögel machen den Segelflugpiloten des Luftsportvereins Radevormwald das Gebiet unter den Wolken streitig. Samstagmorgens um 10 Uhr stehen die Flugschüler in einer lockeren Runde zusammen und warten darauf, dass der Flugbetrieb auf dem Flugplatz an der Leye in Radevormwald mit einem Briefing startet. Den sechs Flugschülern, die in Kürze über die Köpfe der vielen Zuschauer am Rand gleiten werden, macht das frühe Aufstehen offenkundig nichts aus. Unsere Autorin begleitete die Schüler einen Tag lang.

„Wir haben heute wunderbare Luftmasse“, erklärt Pilot und Fluglehrer Patrick Hirschauer zu Beginn der Einführungsrunde den Flugschülern. „Der Wind kommt aus Nordwest, wir starten in Richtung Zwo-Sieben, wir haben zehn Knoten Windgeschwindigkeit“, zählt Patrick Hirschauer auf. Zwo-Sieben, das heißt, die Flugschüler starten auf der Startpiste 270 Grad nach Westen gegen den Wind. Sie organisieren Fallschirme, wichtige Hinweise werden über das laute Brummen der Motorflugzeuge im Hintergrund hinweg zugerufen: Seitlich der Piste ist der Boden durch den vielen Regen aufgeweicht und heute kaum befahrbar – Achtung also!

Nach dem Briefing geht es sofort los: Noelia Hoffmann (17), Ben Kammel (16) und Adrian Keil (15) holen die ASK21 aus ihrem Hangar. Patrick Hirschauer bedient die Drehscheibe in der Halle, langsam dreht sich die Maschine Richtung Tor. Und dann ist Kraft gefragt. Zu viert rollt das Team das Schulungsflugzeug auf den Rasen zum morgendlichen Komplettcheck.

Zu viert schieben die Flugschüler das Schulungsflugzeug aus dem Depot bis zur Startposition.

Der Luftstrom darf nicht behindert werden

„Jetzt schauen wir noch mal, ob alles mit dem Flugzeug stimmt“, erklärt mir Patrick Hirschauer. Die Flugschüler bauen die Batterien für das Funkgerät ein – abends werden sie aufgeladen. Adrian macht eine Funkprobe, fragt die Towerbesatzung, ob alles okay ist.

Noelia streicht vorsichtig über die Tragflächen der ASK21 und überprüft sie auf mögliche Beschädigungen. „Damit der Luftstrom an den Tragflächen nicht behindert wird“, erklärt sie, denn dieser erzeugt den nötigen Auftrieb, damit das Segelflugzeug in der Luft bleibt. Sie schaut, ob alle Schrauben fest sind, der Hauptbolzen, der die beiden Flügel zusammenhält, fest sitzt, sich keine Gegenstände in den beweglichen Teilen des Flugzeugs befinden. Denn oben in der Luft sind die Piloten darauf angewiesen, dass alles funktioniert. Sie haben keinen Motor, müssen sich ganz auf ihr Gespür für den Aufwind verlassen. Findet der Pilot keinen Aufwind, so muss er schnell wieder am Flugplatz landen und nochmals einen Versuch starten. Ein Blick in den Himmel zeigt: Es sind schon einige Piloten unterwegs, kreisen unter den Wolken.

Noelia und Adrian heben die Fallschirme in das Segelflugzeug. „Die sind für den Notfall, dass die Steuerung blockiert und wir im Flugzeug aussteigen müssten“, erklärt Patrick Hirschauer. „Wir machen einen Innen- und einen Außencheck“, weiß Ben, „wir gucken, ob optisch alles gut aussieht oder es irgendwelche Löcher gibt.“

Ein Tag am Flugplatz des Luftsportvereins Radevormwald

Ein Tag auf dem Flugplatz
Ein Tag auf dem Flugplatz © Roland Keusch
Ein Tag auf dem Flugplatz
Ein Tag auf dem Flugplatz © Roland Keusch
Ein Tag auf dem Flugplatz
Ein Tag auf dem Flugplatz © Roland Keusch
Ein Tag auf dem Flugplatz
Ein Tag auf dem Flugplatz © Roland Keusch
Ein Tag auf dem Flugplatz
Ein Tag auf dem Flugplatz © Roland Keusch
Ein Tag auf dem Flugplatz
Ein Tag auf dem Flugplatz © Roland Keusch
Ein Tag auf dem Flugplatz
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Ein Tag auf dem Flugplatz
Ein Tag auf dem Flugplatz © Roland Keusch
Ein Tag auf dem Flugplatz
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Ein Tag auf dem Flugplatz
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Ein Tag auf dem Flugplatz
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Ein Tag auf dem Flugplatz
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Ein Tag auf dem Flugplatz
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Ein Tag auf dem Flugplatz
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Ein Tag auf dem Flugplatz
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Ein Tag auf dem Flugplatz © Roland Keusch
Ein Tag auf dem Flugplatz
Ein Tag auf dem Flugplatz © Roland Keusch

Vorne im Flugzeug bedient Adrian den Steuerknüppel für das Querruder. Damit kann Adrian im Flug später die Querlage des Flugzeuges steuern. Dann zieht er an einem Hebel. Die Bremsklappen fahren aus, die Noelia genau prüft. Das Seitenruder, quasi die Schwanzflosse des Flugzeugs, mit dem sich die Nase nach rechts und links steuern lässt, wird über Pedale bedient. Und auch das Höhenruder, mit dem die Geschwindigkeit reguliert wird, inspizieren die Flugschüler genau.

Dann wird das Segelflugzeug mit einem Auto zur Startposition gezogen. Noelia, Ben und Adrian schieben an den Tragflächen mit, halten die Flügel in der Luft.

Ab 80 Stundenkilometern fliegt das Flugzeug

Und dann wird es spannend: Noelia legt mir den Fallschirm an und erklärt, wie die Instrumente im Cockpit funktionieren. Das Kollisionswarngerät zeigt in der Luft sich nähernde Flugzeuge an, der Fahrtmesser die Geschwindigkeit, sagt sie und zeigt auf die entsprechenden Instrumente. Ab 80 Stundenkilometern fliegt das Segelflugzeug, berichtet Patrick Hirschauer. „280 Stundenkilometer sind die Maximalgeschwindigkeit.“ Das Variometer zeigt dem Piloten an, ob er steigt oder fällt. „Bei guter Thermik können wir bis zu fünf Metern in der Sekunde steigen“, erklärt der 31-jährige Fluglehrer, der bereits seit elf Jahren Schüler anleiten darf, den Jugendlichen. Auch ein Höhenmesser darf im Cockpit nicht fehlen.

Noelia Hoffmann kontrolliert die Bremsklappen. Sie werden für den Landeanflug ausgefahren und bremsen das Flugzeug in der Luft ab.

Und dann ist es soweit: In die Fallschirme gespannt, klettern wir in die Maschine und schließen die Hauben. Eng ist sie, die Scheibe, die uns vom Himmel trennt, nur Zentimeter über unseren Köpfen. Die Flugschüler bleiben am Boden, denn in der Maschine ist nur Platz für zwei. Patrick Hirschauer zeigt mir das, was die Flugschüler demnächst selbst können werden. Er überprüft noch mal alle Funktionen. Sind wir richtig angeschnallt? Ist das Funkgerät auf die richtige Frequenz eingestellt? Ein fast schon beklemmendes Gefühl stellt sich ein, weiß man doch, dass man ganz von den Aufwinden abhängig ist. Hätte ich einen Pulsmesser am Handgelenk, würde er wohl anschlagen. „Geschwindigkeit ist unsere Versicherung“, ruft Patrick Hirschauer über den Lärm der Cessna hinweg, die ein paar Meter vor uns startet.

Im Schleppflug geht es in die Höhe

Das Seil strafft sich, der Schleppflug beginnt. „Wir fliegen 80 Stundenkilometer, die Maschine hebt ab. Wir nehmen immer die gleiche Querlage ein. Wir erreichen die 130 Stundenkilometer, das ist perfekt. Sehr viel Sicherheit dabei heute“, beschreibt Patrick Hirschauer das, was gerade passiert. Das Brummen der Cessna begleitet unseren Aufstieg. Auf der linken Seite lassen wir die Stadt Radevormwald zurück. Es ist, als würde man aus einer Landkarte herauszoomen. „Auf 11 Uhr ist schon Remscheid-Lennep mit den drei Hochhäusern zu sehen“, sagt der Fluglehrer.

Dann, auf 1000 Metern, geht ein Ruck durch das Segelflugzeug – Patrick Hirschauer hat das Seil gelöst. „Wir haben jetzt ausgeklinkt und befinden uns jetzt schon in einem leichten Aufwind. Aktuell geht es nach oben mit 0,5/einen Meter“, sagt Hirschauer. Das Variometer im Cockpit schlägt nach oben hin aus, piept – ansonsten ist es still, friedlich, da oben unter den Wolken. Die Cessna fliegt davon, ist schon Sekunden später aus unserem Blickfeld verschwunden.

Es geht von Aufwind zu Aufwind

„Jetzt versuchen wir, Thermik zu finden“, erklärt Patrick Hirschauer – erwärmte Luftmassen, die nach oben steigen. An den Kumuluswolken orientiert er sich. „Ich fliege jetzt quasi die Wolkenkonturen entlang und versuche möglichst lange in so einem Aufwindfeld zu bleiben“, erklärt der Pilot. Wir kreisen in dieser Art Windhose, in den aufsteigenden Luftmassen. Von da aus sucht Patrick Hirschauer den besten Flugweg. „Wir hangeln uns von Thermik zu Thermik, von Aufwind zu Aufwind“, sagt er. Bis zu 1000 Kilometer könnten wir so problemlos zurücklegen. So müssen sich Vögel fühlen, nutzen sie doch das gleiche Prinzip.

Die Bever, die Wuppertalsperre und der Beyenburger Stausee ziehen unter uns hinweg. Rund 20 Kilometer legen wir zurück – ohne es groß zu merken. Mein Magen macht sich bemerkbar bei den ungewohnten Bewegungen. Schlecht ist mir nicht, nur ein leichtes Unwohlsein stellt sich bei mir ein. Der Schweiß bricht mir aus – eine Mischung aus Magen, der Angst, vom Himmel zu fallen, und die Sonne, die auf die Glashaube über uns brennt, tun ihr Übriges. Das sei aber völlig normal, erklärt Hirschauer.

Patrick Hirschauer, Fluglehrer

Zwischen den Wolken verliert das Flugzeug an Höhe. Patrick Hirschauer beschleunigt, um den nächsten Aufwind zu erwischen. Ein Funkspruch tönt knisternd durch die Kapsel – Patrick Hirschauer hält Rücksprache mit seinem Kollegen. In der Luft kommt uns ein anderer Segelflieger entgegen. „Hier oben herrscht Rechtsverkehr“, weiß Patrick Hirschauer und weicht nach rechts hin aus. Das Flarm – das Kollisionswarngerät – blinkt orangefarben auf und piept. Dann entdeckt er einen seiner Flugschüler, der schon alleine fliegen darf, in der Luft – und folgt ihm in die Thermik hinein. „Hier hast du ja einen schönen Bart“, funkt er ihm zu – einen schönen Aufwind.

Ohne Motor gibt es nur eine Chance, zu landen

Wir wollen eine Rechtskurve fliegen. Patrick Hirschauer drückt das rechte Pedal unter meinem rechten Fuß durch, zieht den Steuerknüppel nach rechts. Um schneller zu werden, drückt er ihn nach vorne. Und dann soll ich selbst steuern. Schnell wird klar: Das Gefühl zu finden für das richtige Maß, ist gar nicht so einfach.

Und dann ist die Zeit am Himmel auch schon vorbei. Patrick Hirschauer gibt seinen Landewunsch an den Tower durch: „Wir sind jetzt 200 Meter über Grund und fliegen jetzt an die Position.“ Das ist der Punkt, ab dem wir die Landung auch beginnen. Hirschauer: „Wir haben heute Wind aus Nordwesten, das heißt, wir fliegen auf die Piste Zwo-Sieben an. Wir sind fest angeschnallt. Es ist kein gemeldeter Verkehr, die Landebahn ist frei. Wind im Anflug von rechts vorne, und ich melde mich zur Landung. Rade-Info, die Delta-1545 auf Position zur Landepiste Zwo-Sieben.“ Dann geht er in den Queranflug und richtet das Flugzeug bei etwa 100 Stundenkilometern auf die Landepiste aus. Ohne Motor gibt es nur eine Chance, zu landen.

Der Erdboden kommt sekündlich näher, die Landebahn wird stetig größer. Mit etwa 80 Stundenkilometern setzt Patrick Hirschauer auf dem Grund auf. Ratternd rollen wir über die Wiese, es rumpelt und ruckelt. Schließlich kommen wir vor einer Reihe von Zuschauern zum Stehen, die das bunte Treiben auf dem Flugplatz aus der Ferne verfolgen. Mit leicht zitternden Knien steige ich aus – und dann steht auch schon Ben bereit. Er ist der nächste, der seine Runden am Himmel drehen wird.

Allein kommt niemand in die Luft

Die drei Lenneper Hochhäuser sind Orientierungspunkt für die Piloten.

Ben Kammel ist zwar erst seit einem Jahr dabei, darf aber schon alleine fliegen. Was das Besondere an dem Hobby ist, kann er kaum erklären. „Das fühlt man einfach“, sagt der 16-Jährige. Bei schönem Wetter ist er meistens an jedem Wochenende vor Ort. Schnell wird klar: Segelfliegen ist Teamarbeit. „Allein kommt man nicht in die Luft“, sagt Adrian, „das ist ein gegenseitiges Nehmen und Geben.“ Jemand muss das Segelflugzeug in die Luft schleppen, der Tower muss besetzt sein. „Beim ersten Flug war mir etwas mulmig, das kannte man so nicht“, gibt er zu. Noelia ist das einzige Mädchen unter den Flugschülern. Die Pflegefachfrau kann berufsbedingt nur alle zwei Wochen zum Flugplatz kommen. Ein Unfall bei der Landung hat sie einige Zeit pausieren lassen. „Aber dann habe ich mich durch die Angst durchgerungen“, berichtet sie.

Schnuppern: Der LSV Radevormwald bietet für Interessierte eine Schnuppermitgliedschaft an. Diese umfasst fünf Starts mit dem Schulungsflugzeug mit einem Fluglehrer innerhalb von drei Monaten. Schüler bezahlen 150 Euro, Erwachsene 180 Euro.

www.lsv-radevormwald.de

Wie werde ich Pilot?

Zweimal um die Welt fliegen die Radevormwalder Piloten vom Luftsportverein (LSV) Radevormwald im Jahr. Im Schnitt legen sie dabei 80 000 Kilometer zurück. Um aber erst einmal in die Lüfte zu kommen, ist einiges an Übung notwendig.

Wie läuft die Ausbildung ab?

Bis ein Flugschüler seinen Flugschein in den Händen halten kann, sind verschiedene Prüfungen notwendig. Dafür müssen 50 bis 100 Theoriestunden im Winter absolviert werden. Von November bis Februar bekommen die Schüler Unterricht in zwölf Fächern, unter anderem in Meteorologie, Navigation, Aerodynamik und Technik, Flugfunk und -planung, erklärt Lehrer und Pilot Patrick Hirschauer. Dazu gehört die Streckenplanung sowie das Ansteuern und Kennen von Ausweichflugplätzen. Im Fach menschliches Leistungsvermögen behandeln die Schüler Gesundheitsaspekte wie den Sauerstoffgehalt bei steigender Höhe. Auch über das Luftrecht müssen Piloten Bescheid wissen – so gibt es Zonen, in die Segelflieger nicht fliegen dürfen, beispielsweise in den Berufsverkehr der Flughäfen Düsseldorf oder Köln/Bonn.

„Wie reagiere ich, wenn ein Seil reißt, ein Instrument ausfällt oder ich eine Außenlandung auf einem Feld oder einer Wiese machen muss? Das behandeln wir im Fach Verhalten in besonderen Fällen,“ sagt Hirschauer. „Für jemanden, der auf dem Acker sitzt, gibt es ein Rückholteam. Da fahren wir teilweise durch ganz Deutschland – schön ist das an einem Sonntagabend“, erklärt Patrick Hirschauer lachend. Wenn im Winter nicht geflogen werden kann, stehen Wartungsarbeiten an den Maschinen an.

Was passiert in der Praxis?

Die Praxis findet von März bis November bei gutem Wetter statt. Dann lernen die Flugschüler verschiedene Flugmanöver – wie das Winken mit den Flügeln in der Luft. Die Sicht muss stets frei sein. „Am liebsten haben wir Kumuluswolken. Wenn keine Wolken da sind, haben wir zwar Thermik, aber wir sehen sie nicht so leicht“, sagt Patrick Hirschauer.

Zehn Gewöhnungsflüge machen die Schüler mit, der Fluglehrer redet und erklärt dabei. Nach 40 bis 100 Starts kann ein Schüler das erste Mal alleine in Flugplatz-Sichtweite fliegen. „Im Grunde ist das wie in der Fahrschule. Man sammelt Starts“, erklärt Flugschüler Ben Kammel (16), der bereits die A-Prüfung hinter sich gebracht hat und alleine fliegen darf. Eine B- und C-Prüfung mit höheren Anforderungen schließen sich an. „Ein Alleinflug ist schon was anderes. Das Flugzeug ist leichter, und wenn man eine Frage stellt, bekommt man keine Antwort“, erklärt Flugschüler Jascha Gerlach (18). „Man braucht die Natur für’s Segelfliegen“, sagt er.

Wer darf fliegen?

Nach oben hin ist dem Alter für einen Piloten keine Grenze gesetzt. Mit 14 Jahren dürfen Jugendliche ihre Flugausbildung beginnen. Einzig ein medizinisches Flugtauglichkeitszeugnis ist notwendig, berichtet Hirschauer. Den Segelflugschein können Anfänger mit 16 Jahren machen, einen Motorflugschein erst mit 18 Jahren.

Wie hoch sind die Kosten?

Durch ehrenamtliche Arbeit der Vereinsmitglieder ist eine Flugausbildung im Verein im Vergleich zu kommerziellen Flugschulen günstig. Bis zum Flugschein müssen Fluganfänger mit etwa 1000 bis 2000 Euro rechnen, die sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren verteilen. Manche Schüler kommen mit einem Budget von 50 Euro im Monat aus. Danach kostet das Segelfliegen etwa 500 bis 2000 Euro im Jahr – abhängig vom eigenen Flugverhalten, sagt Hirschauer. Pro Start rechnen die Piloten mit 15 bis 25 Euro. Wer viel fliegt, bezahlt also auch mehr.

Serie: Das lesen Sie demnächst im RGA: Wie wird man eigentlich. . . Rettungsschwimmer?

Sie haben auch ein ungewöhnliches Hobby? Schreiben Sie uns. alexandra.dulinski@rga.de

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