Der Bach wird freigelegt

Der Eschbach soll künftig offen durchs Freibad fließen

Hier staute es sich bei der Flut: Der Eschbach soll künftig frei fließen. Sportamtsleiter Martin Sternkopf mit den Plänen. Das alte Hauptgebäude im Hintergrund soll einem Neubau weichen.
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Hier staute es sich bei der Flut: Der Eschbach soll künftig frei fließen. Sportamtsleiter Martin Sternkopf mit den Plänen. Das alte Hauptgebäude im Hintergrund soll einem Neubau weichen.

Stadt hat mit Architekten und Wupperverband nach der Flut ein Konzept erstellt. Damit bewirbt man sich um 2,2 Millionen Euro Fördergeld.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Freizügig darf sich demnächst zumindest einer im Freibad geben: der Eschbach. Denn das Gewässer, das derzeit teilweise oberhalb und teilweise unterhalb des ältesten Binnenfreibads Deutschlands verläuft, soll komplett offengelegt werden. So der Plan der Stadt, des Wupperverbands und der beteiligten Architekten. Wir erklären, was dahintersteckt.

Warum soll der Eschbach nun offengelegt werden?

Eigentlich gab es diese Überlegungen schon viel länger, sie schafften es aber nie in ein Konzept. Seit dem 14. Juli 2021 ist das anders: Aufgrund der Hochwasserkatastrophe planten die Stadt und die Architekten, die gerade in die Umbaupläne des Freibads eingestiegen waren, noch mal um. Der Hochwasserschutz ist nun in eine neue Konzeptidee eingeflossen. Denn das scheint nötig: Schon drei Mal ist das Freibad Eschbachtal überflutet worden: 2007, 2013, 2021. Der Stau im Kanal ist das Problem.

Wie sieht die Konzeptidee aus?

Der Eschbach wird wieder freigelegt, damit er nicht mehr über die Ufer treten kann. „Der Wupperverband sagt, dies ist eine historische Chance für uns“, sagt Sportamtsleiter Martin Sternkopf. Der Plan ist, dass der Eschbach künftig einmal quer durchs Bad fließt: vorn unter dem neuen Hauptgebäude, das auf Stelzen errichtet wird, hindurch, und hinten wieder raus. „Dafür wird man tief und breit graben müssen“, sagt Sternkopf. Bestandteil ist auch ein Bacherlebnisraum für Kinder im heutigen Spielplatzbereich. Und ein Boulderfelsen zum Klettern. Denn die Idee ist, das Bad künftig über die Saison hinaus als Freizeit- und Erlebnisort zugänglich zu machen.

So könnte das Freibad Eschbachtal künftig aussehen: Der Eschbach soll als offenes Gewässer einmal quer durch das Freibad laufen. Geplant sind ein Bacherlebnisraum für Kinder und ein Boulderfelsen. Ein barrierearmer Zugang soll gewährleistet werden. Entwurf: Stadt Remscheid/Krieger Architekten

Wie ist der aktuelle Stand?

Das Vermessungsamt hat bereits jeden Zentimer im Bad vermessen, morgen gibt es Detailgespräche mit den Ingenieuren. Die Experten müssen die Offenlegung mit all ihren Facetten berechnen. „Ich hoffe, dass wir Ende Februar wieder in die Normalplanung einsteigen können“, sagt Sternkopf. Man sei im Zeitverzug, gibt er zu. „Mir ist aber lieber, wir nehmen uns etwas mehr Zeit, um es richtig zu machen.“

Das kommt auf den Remscheider Süden in 2022 zu

Gibt es Fördermittel?

Mit der Konzeptidee hat sich die Stadt bereits im Dezember um Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ beworben. Beantragt wurden 2,2 Millionen Euro. Nun heißt es Daumen drücken: Sportamtsleiter Martin Sternkopf hofft auf einen positiven Bescheid im Februar oder März. Die Gesamtinvestition für den Freibad-Umbau liegt nach heutigem Stand bei 14,5 Millionen Euro – Tendenz steigend. Für die technische Gebäudeausstattung hat die Stadt bereits 2,6 Millionen Euro Fördergeld zugesagt bekommen.

Wer sind die Architekten?

Zum einen die, die bereits den Zuschlag 2018 für die Machbarkeitsstudie erhalten haben: Krieger Architekten aus Velbert. Laut Sternkopf „Platzhirsche“ auf dem Gebiet der Bade- und Wassertechnik. „Sie haben 85 Jahre Erfahrung in der Freibadplanung.“ Mit im Boot ist auch der Landschaftsarchitekt Andreas Schröder aus Essen.

Öffnet das Freibad diese Saison?

Ja. Das Team will Anfang Juni in die Badesaison 2022 starten – wenn das bergische Wetter mitspielt. „Wir geben Gas“, sagt Martin Sternkopf.

Was muss dafür getan werden?

Das übliche Programm: Rasen mähen, die Technik überprüfen. Zudem muss der Sand auf dem Spielplatz ausgetauscht werden. Denn dieser ist beim Hochwasser überflutet worden – darunter war ein Kanal gebrochen. Das Babybecken ist bereits in Ordnung gebracht worden. Wenn es nicht mehr friert, wird das Wasser aus den Becken gelassen. Anschließend erneuert ein Maurer Fliesen und Überlaufrinnen. Dann kommt neues Wasser in die Becken. Sofern die Gesundheitsbehörde nach ihrem Wassertest grünes Licht gibt, kann es losgehen. Unter welchen Corona-Regeln, gleiche allerdings einem Blick ins Wasserglas. 2021 durften täglich 750 Badegäste eingelassen werden, vor Corona lag die Obergrenze bei 1500 Personen täglich.

Wie geht es nach Saisonende weiter?

Wenn die Badesaison für die Zweibeiner beendet ist, dürfen die Vierbeiner planschen: Stefan Grote vom Förderverein plant, erneut das beliebte Hundeschwimmen in Zusammenarbeit mit der Stadt anzubieten. Außerdem findet am ersten Wochenende im September die Schiffsparade statt.

Und wann startet dann der Umbau?

„Ich bin optimistisch, dass wir 2023 beginnen können“, sagt Martin Sternkopf. Die reine Bauzeit würde laut den Architekten 18 Monate betragen – straff durchgezogen, ohne Unterbrechung und ohne bergische Wetterkapriolen.

Helfer gesucht

Der derzeitige Plan ist, Anfang Juni in die diesjährige Saison zu starten – sofern das bergische Wetter mitspielt. Dafür sucht die Stadt wieder Personal – zumal Badleiter Jürgen Beelte auch Ende Februar in den Ruhestand geht. Gesucht werden Hilfskräfte, die im Freibad mitanpacken, sowie Rettungsschwimmer. Wer Interesse hat, darf sich gerne bei Sportamtsleiter Martin Sternkopf melden: Tel. 16 27 79.

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