Ruhestand

Der Amtsrat hatte immer Freude an seiner Arbeit

Jürgen Folle, ein Urgestein der Remscheider Stadtverwaltung, geht in den Ruhestand. Foto: Roland Keusch
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Jürgen Folle, ein Urgestein der Remscheider Stadtverwaltung, geht in den Ruhestand.

Jürgen Folle gilt in der Remscheider Stadtverwaltung als Urgestein.

Von Sabine Naber

Remscheid. Wenn Amtsrat Jürgen Folle morgen in den Ruhestand geht, dann liegen 37 Jahre und acht Monate bei der Remscheider Stadtverwaltung hinter ihm. „Ich glaube, ich bin mit meinen 67 Jahren hier der älteste Beamte. Habe ja bereits zweimal meinen Vertrag verlängert“, erzählt er.

Seinen Arbeitsplatz hat er im Ämterhaus und Spaß hat ihm sein Beruf zu jeder Zeit gemacht. „Es ist wichtig, dass man das, was man tut, auch wirklich gerne macht“, ist Jürgen Folle überzeugt. In ganz unterschiedlichen Bereichen hat er gearbeitet, sich immer wieder für ein neues Arbeitsfeld innerhalb der Stadtverwaltung beworben. Anfangs war es der Bereich wirtschaftliche Sozialhilfe, weiter ging es im Amt für Wohnungswesen, bevor er als Personalratsmitglied freigestellt wurde. Seit 2002 arbeitet er im Ordnungsamt.

„Das ist ein irres Arbeitsspektrum. Man muss sich um alles kümmern, was nicht erlaubt ist.“

Jürgen Folle über seinen Beruf

„Am schönsten war es auf meinem ersten Arbeitsplatz. Da war der kollegiale Zusammenhalt besonders gut. Aber es war auch damals schon stressig. Die Menschen kamen Mitte der achtziger Jahre aus Sri Lanka, dann aus Rumänien und Jugoslawien“, kann er sich gut erinnern. Am spannendsten sei aber seine jetzige Aufgabe. „Das ist ein irres Arbeitsspektrum. Man muss sich um alles kümmern, was nicht erlaubt ist.“

Deutschland sei wirklich überreguliert. „Und dann werde ich immer mal wieder gefragt, ob dies oder jenes erlaubt ist. Und wenn ich dann antworte ja, dann heißt es prompt: ,Wo steht das?‘ Nirgendwo, antworte ich dann. Weil es ja erlaubt ist.“

Das Ordnungsamt ist beispielsweise für den Gaststättenbereich, das Fundbüro, Gewerbean- und –abmeldungen, Bombenfunde oder auch für Bestattungen zuständig, wenn es keine Angehörigen gibt oder man nicht weiß, wo sie leben. „Es ist sehr abwechslungsreich. Mal muss man am Schreibtisch sitzen, mal in den Außendienst, mal hat man Publikumsverkehr“, weiß der Amtsrat die unterschiedlichen Aufgaben zu schätzen.

Neben seinem Beruf ist Jürgen Folle aber auch ehrenamtlich aktiv. Seit vielen Jahren organisiert er für die Gewerkschaft Ausflugsfahrten. Und das macht ihm so viel Freude, dass er diese Aufgabe auch als Privatier weiter übernehmen möchte – „wenn ich gesund bleibe“. Bei den Tagesfahrten, an denen übrigens jeder teilnehmen kann, der Lust dazu hat, ging es beispielsweise mal zu einem Spargelhof, es wurde eine Brauerei oder die Meyer Werft besichtigt und auch der Braunkohlentagebau – und nicht zu vergessen die Weihnachtsmärkte – eigneten sich für einen Ausflug. Auch Fahrten, die über mehrere Tage gingen, hat Folle organisiert. Da ging es nach Krakau, Danzig oder Berlin. „Als mein Vorgänger aufhörte, da fand sich spontan kein Nachfolger. Da habe ich eine Fahrt nach Berlin vorgeschlagen und mir gesagt, wenn das nicht klappt, dann mache ich sowas nie wieder. Aber innerhalb von drei Tagen waren die Karten weg. Und deshalb bin ich heute noch dafür zuständig“, freut er sich über seinen Erfolg.

Wenn Jürgen Folle an den Ruhestand denkt, dann hat er noch ein „mulmiges Gefühl“. In den vergangenen 14 Monaten habe es kaum ein anderes Thema als Corona gegeben. Alles andere läge brach. „Ich werde die alten Fälle hier noch aufarbeiten, dann aber erst einmal ein oder zwei Wochen nichts tun“, so sein Plan.

„Mit dem, was ich gerne tue, die Oper besuchen oder schwimmen gehen, damit werde ich ja auch noch warten müssen.“

Jürgen Folle über seine Pläne im Ruhestand

Dann will er sich eine interessante Nebentätigkeit suchen, denn seine Ehefrau sei ja auch noch berufstätig. „Und mit dem, was ich gerne tue, die Oper besuchen oder schwimmen gehen, damit werde ich ja auch noch warten müssen. Auch treffe ich mich gerne mit Freunden in einer gemütlichen Kneipe. Aber das geht ja zurzeit ebenfalls noch nicht.“ Irgendwann aber wird auch die Pandemie Geschichte sein und Jürgen Folle wieder Ausflüge organisieren.

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