Abschied nach 17 Jahren

Der Amtsarzt klingelt zum letzten Mal

Hier verabschiedet er selber: Dr. Frank Neveling (l.) mit Soldaten, die das Gesundheitsamt in Corona-Zeiten verstärkten.
+
Hier verabschiedet er selber: Dr. Frank Neveling (l.) mit Soldaten, die das Gesundheitsamt in Corona-Zeiten verstärkten.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
    schließen

Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Neveling verabschiedete sich im Sozialausschuss in den Ruhestand.

Von Andreas Weber

Remscheid. Als Dr. Frank Neveling am 1. September 2004 die Leitung des Remscheider Gesundheitsamtes übernahm, lautete sein größter Wunsch: „Bloß keine Skandale.“ 17 Jahre später verkündete er dem Sozialausschuss Mittwochabend bei seinem Abschied: „Ich habe Glück gehabt.“ Dass er seine Bilanz vor den Kommunalpolitikern „Wenn der Amtsarzt zweimal klingelt“ betitelt hatte, verrät, dass Lachen stets eine probate Medizin für ihn war.

Neveling hangelte sich in seinem Vortrag in der Aula der Albert-Einstein--Gesamtschule mit feinem Humor durch ein Leben, das beruflich Katastrophen zwangsweise in den Griff bekommen musste. Verkeimungen des Trinkwassers, Masernepidemie, Schweinegrippe, Vogelgrippe, Ebola oder Covid-19 zählten dazu. Ebenso Pflegedrama im Altenheim, Todeskeime im Krankenhaus, die Schließung des Alloheims. „Das nächste große Thema wird die Sicherstellung der Energieversorgung sein. Von der Affengrippe wollen wir nicht sprechen“, überlegte Neveling.

Er stand einem Team vor, das über ein Budget von 1,6 Millionen Euro im Jahr verfügt und 32 Köpfe zählt. In Spitzenzeiten von Corona waren es mit Bundeswehrsoldaten 104. Im Schnitt sind die Mitarbeiter 55 Jahre alt.

Nevelings Nachfolger Jens Pfitzner zählt zu denjenigen, die für einen Verjüngungsprozess an der Hastener Straße sorgen. Das Gesundheitsamt kostet, nimmt aber auch ein. Früher trugen die rund 5000 Leichenschauen pro Jahr 175 000 Euro ein. Mit Arbeitsmedizin, Jobcenter-Gutachten und Begehungen kämen zwischen 200- und 250 000 Euro jährlich rein, addierte Neveling.

Das Spektrum der Aufgaben ist riesig. Es reicht neben dem Leichenwesen über Umweltmedizin und Hygiene, den Jugendärztlichen Dienst, Amtsärztlichen Dienst, Heimaufsicht bis zum Sozialpsychiatrischen Dienst, die Dienstaufsicht über Apotheken und Bäder sowie den Arbeitskreis Zahngesundheit.

So sah Nevelings Alltag als Amtsmediziner aus

In seiner Präsentation hatte Neveling einige prägnante Stichworte aus dem Alltag eines Amtsmediziners zusammengestellt: Drogentest, Hausbesuch bei einer psychisch gefährdeten Person, Leichenschau, Entgegennahme von Beschwerden aus Kitas, Schulen, Altenheimen und dem Krankenhaus, eine Hausdurchsuchung im Krankenhaus oder die Begutachtung einer Messi-Wohnung. Neben den Pflichtaufgaben initiierte oder beteiligte sich das Gesundheitsamt aber auch an anderen Projekten. Zum Beispiel: „Komm Doc nach Remscheid“, eine Werbekampagne, die Mediziner nach Remscheid locken sollte. Was begrenzt funktioniert habe, stellte Neveling fest.

Als Mediziner stand Frank Neveling nicht so im Fokus der Öffentlichkeit. „Ein Mann der zweiten Reihe“, wie er selber sagt. Er hat es so gewollt. Als er 1981 mit dem Studium begann, unkte sein Umfeld: „Aus dem wird nix.“

Nach elf Semestern widerlegte der Rögy-Abiturient (die dritte Generation Rögy in seiner Familie, seine drei Kinder folgten danach) die Skeptiker. Seine beruflichen Stationen führten ihn über die Lungenfachklinik Aprath, Innere Medizin an einem Krankenhaus in Erkelenz zum Gesundheitsamt in Wuppertal, wo er 15 Jahre beschäftigt war. Berufsbegleitend war er in der Lenneper Praxis von Helmut Cuntze tätig und im Notfalldienst.

Seine Kollegen schenkten Frank Neveling einen „Legionellen-Kuchen“ mit aufgespritztem Whirlpool zum Abschied, die Sozialpolitiker dankten ihm mit ein paar guten Tropfen und seine Familie in der Hofschaft Stöcken überreichte auf seine eigene Bitte einen Thermomix – ein vollautomatisiertes Startkapital für das, was die Rente mit sich bringen wird. Denn in der eigenen Küche will sich Frank Neveling künftig stärker einbringen. Das hat er versprochen.

Sein Hobby: Neugierde auf Neues

Frank Neveling schläft bis heute, wo er sich schon als Kind gebettet hat. In der Hofschaft Stöcken (Stadtbezirk Lennep), wo sein Opa eine Landwirtschaft betrieb. Den Bauernhof gibt es nicht mehr, wohl aber steigt Neveling ab und zu auf den Trecker. Vorstellen könnte er sich, den kleinen Tierbestand um Alpakas zu erweitern. Als Hobby nennt er seine Neugierde auf Neues. Er bastelt und segelt gerne, jagt ab und zu, wandert in Deutschland. Der dreifache Vater wird sich als Rentner auch intensiv um seine Enkel kümmern.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Erstklässler und neue Lehrerin starten mit Schultüte und Waschbär
Erstklässler und neue Lehrerin starten mit Schultüte und Waschbär
Erstklässler und neue Lehrerin starten mit Schultüte und Waschbär
Kiosk am Bismarckplatz steht vor Abriss
Kiosk am Bismarckplatz steht vor Abriss
Kiosk am Bismarckplatz steht vor Abriss
Am Reinshagen soll ein Treffpunkt für die Nachbarschaft entstehen
Am Reinshagen soll ein Treffpunkt für die Nachbarschaft entstehen
Am Reinshagen soll ein Treffpunkt für die Nachbarschaft entstehen
SPD übt scharfe Kritik an Kötter-Wahl
SPD übt scharfe Kritik an Kötter-Wahl
SPD übt scharfe Kritik an Kötter-Wahl

Kommentare