Erst Lockdown, dann Farben-Verbot

Das Tattoo-Jahr wird „black and grey“

Giacomo Lupiccolo (r.) mit Kundin Stefanie Seel: Für Remscheids Tätowierer ist die Arbeit mit farbenfrohen Kunstwerken seit dem 4. Januar stark eingeschränkt. Doch Ersatz für die nun verbotenen Farben ist auf dem Weg. Foto: Roland Keusch
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Giacomo Lupiccolo (r.) mit Kundin Stefanie Seel: Für Remscheids Tätowierer ist die Arbeit mit farbenfrohen Kunstwerken seit dem 4. Januar stark eingeschränkt. Doch Ersatz für die nun verbotenen Farben ist auf dem Weg.

Einige Farben sind jetzt verboten – Remscheider Tätowierer reagieren gelassen.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Erschüttern könne sie das nun auch nicht mehr, sagt Laura Meyer vom Tattoo-Studio Bodyart No. 1. „Wir schlagen uns tapfer weiter“, sagt sie angesprochen auf das Verbot gewisser Tattoo-Farben, das die Europäische Union vor rund einer Woche faktisch erlassen hat.

Die Branche sei ohnehin schon gebeutelt, insgesamt acht Monate habe man im Lockdown verbracht. „Da kommt das Farbverbot nur obendrauf. Einige Läden machen sowieso schon dicht.“ Aber schocken könne sie der neuste Einschnitt in ihren Beruf eben nicht mehr. Nicht nach der langen Zeit des Quasi-Berufsverbots.

Für die Hückeswagener Tätowiererin Birgit Weiss ist das Farbverbot eine Katastrophe.

Massenproduktion von neuen Farben muss erst anlaufen

Überraschend kam das Verbot nicht. Bereits 2020 wurde es beschlossen. Giacomo Lupiccolo vom Tattoo-Studio G&G Ink berichtet, man habe rechtzeitig alle Farben aussortiert, die nach der Verordnung nun nicht mehr zulässig sind. „Da sind echt viele Farben weggefallen“, sagt der Tätowierer - einige wenige sind noch erlaubt. „Das normale Farb-Tattoo ist daher momentan nicht möglich“, berichtet er. Dafür sei die übriggebliebene Farbpalette zu wenig bunt. Echte Basic-Farben, also solche, die besonders häufig gefragt sind, seien verschwunden, insbesondere Blau- und Grüntöne.

Aber nur fürs Erste, ist sich Lupiccolo sicher. Farben nach dem neuen Standard seien bereits in der Mache, weiß er: „Hersteller haben das schon angekündigt. Demnächst wird es bestimmt wieder alle Töne geben.“ Und in der Tat gibt es bereits jetzt einige neue Farben, die den Regularien entsprechen, auf dem Markt - die sind aber zügig vergriffen. Die größere Produktion läuft erst allmählich an.

Man wolle sich nun auch nicht überstürzt mit den neuen Farben eindecken, sagt Lupiccolo. „Das größte Problem an dem Verbot und den neuen Farben ist, dass wir sie nicht über Jahre testen konnten.“ Auch wenn die neuzugelassenen Farben also gesundheitlich unbedenklich sind, sei einfach unklar, wie kräftig ein Farb-Tattoo nach zehn Jahren noch aussehen werde.

Die neuen Tattoo-Farben stehen schon in den Läden in Remscheid

Da sei man in der Branche noch in der Versuchsphase. „Deswegen bleibe ich vorerst skeptisch, was die neuen Farben angeht“, sagt Lupiccolo, der nur solche Farben tätowieren will, hinter denen er selbst voll und ganz steht.

Meyer berichtet, dass ein gewisser Umsatzeinbruch durch den Wegfall der farbigen Tattoos zu verbuchen sei. Zu beziffern sei indes nicht, welchen Prozentsatz farbige Tattoos bislang ausgemacht hatten. Aber auf der Allee sitzen sie auch nicht auf dem Trockenen: Bodyart hat bereits einige der neuen Farben im Laden und im Einsatz.

Im G&G Ink in der Bismarckstraße bleibt man beim Thema Farbverbot allen Umständen zum Trotz gelassen: „Wir machen jetzt erstmal nur die Farb-Tattoos, die möglich sind. Für 2022 haben wir uns auf Black-and-Grey-Tattoos spezialisiert.“ Bei dieser Tattoo-Art wird lediglich Schwarz in unterschiedlichen Farbtönen verwendet – womit eben schwarze (black) und graue (grey) Töne erreicht werden.

Meyer blickt dann auch optimistisch nach vorne. „Wir schlagen uns weiter durch“, sagt sie. Seit 17 Jahren sei das Studio auf der Alleestraße nun schon vor Ort – und nach den Erfahrungen des Lockdowns werde daran auch das Farbverbot nichts ändern. „Man merkt gerade schon einen Umsatzeinbruch, es ist weniger zu tun. Aber andere Farben sollen kommen.“ Wenn es so weit ist, werden die beiden Remscheider Tätowierer da sein - um, wie sie sagen würden, Farbe ins Leben zu bringen.

Hintergrund

Verbot: Die Reach-Verordnung der Europäischen Union regelt die Zulassung chemischer Stoffe in der EU. Aufgrund möglicher Gefahren einiger Inhaltsstoffe, sind viele Tattoo-Farben seit dem 4. Januar verboten, kommendes Jahr folgen weitere.

Kritik: Der Bundesverband Tattoo kritisiert die Einschätzung, die nicht „auf allzu vielen evidenzbasierten Erkenntnissen“ erfolgt sei. Viele Verbote und neue Grenzwerte beruhten mehr auf „Vermutungen als Wissen“.

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