Aufgabe

Das sicherten sich die Besucher beim Trödel in der Destillerie Frantzen

Die Destillerie wird abgerissen. Deshalb veranstaltete Inhaber Dr. Rainer Frantzen einen Brennerei-Trödel, bei dem die Kunden Glasballons, alte Fässer, Uhren und mehr erwerben konnten.
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Die Destillerie wird abgerissen. Deshalb veranstaltete Inhaber Dr. Rainer Frantzen einen Brennerei-Trödel, bei dem die Kunden Glasballons, alte Fässer, Uhren und mehr erwerben konnten.

Fässer und Lampen statt Korn und Likör: Kurz vor dem Abriss gab es einen Brennerei-Trödel bei Frantzen.

Von Sabine Naber

Remscheid. Schon bevor der Brennerei-Trödel in der ehemaligen Destille Frantzen richtig losging, standen bereits 40 Menschen vor der Tür. Sie alle warteten darauf, dass es endlich losgeht. „Damit haben wir nicht gerechnet“, staunte Hausherr Dr. Rainer Frantzen, der die traditionsreiche Brennerei Gebrüder Frantzen als Geschäftsführer geleitet hat. Und auch seine Tochter Mirjam Fink, die beim Ausverkauf des Inventars half, zeigte sich positiv überrascht über so viel Interesse. „So viele nette Leute sind gekommen. Und es haben sich richtig schöne Gespräche ergeben. Wir hatten Richtpreise ausgegeben und niemand hat angefangen zu feilschen. Das hat hier richtig Spaß gemacht.“

Die Destillerie an der Alten Freiheitstraße wird bald abgerissen. Auf dem Grundstück soll Wohnanlage für Seniorenentstehen. Nur das Stammhaus, die Nummer 24, aus dem Jahr 1795 wird bestehen bleiben. Dort soll ein Café-Bistro eröffnen.

Wer es am Montag zwischen 11 und 17 Uhr in die verwinkelten Kellerräume geschafft hatte, den erwartete unter anderem eine Riesenauswahl an Ballonflaschen. „In diesen Gasballons war früher mal Korn drin“, erklärte Frantzen Besucherin Carina Schwach, die gerade zwei der Behälter erstanden hatte. „Wir haben gerade ein altes, bergisches Haus gekauft. Da passt doch sowas rein. Vielleicht mache ich auch einen Dekoartikel daraus“, verriet sie. Auch Petra Brehm hatte sich zwei der Ballonflaschen ausgesucht. „Haben Sie auch noch 1000-Liter-Fässer?“, wollte sie vom Hausherren wissen. Und erzählte, dass sie so ein Fass schon zu Hause habe. „Das haben wir in der Mitte abgeschnitten und da steht jetzt unser Olivenbaum drin.“ Auch an alten Schildern sei sie interessiert. „Gehen Sie mal nach oben. Da stehen noch viele Brennerei-Utensilien rum“, riet ihr Frantzen.

„Es haben sich richtig schöne Gespräche ergeben.“

Mirjam Fink, Tochter von Inhaber Dr. Rainer Frantzen

Mit einem 20-Liter-Kanister steht eine weitere Besucherin vor dem Hausherren. Und will wissen, ob der auch zu verkaufen ist. „Den habe ich völlig vergessen“, gibt er zu. „Der ist aus Edelstahl. Und da war noch nie Kraftstoff drin. Was haben Sie damit vor?“ „Ich brauche immer Benzin für meinen Rasenmäher. Dafür will ich den Kanister haben, denn die aus Kunststoff verschleißen schnell“, erklärt sie. Und erzählt, dass sie hin und wieder im Kontor war, um den Schnaps „Grafen von Berg“ einzukaufen.

Das hochprozentige Getränk gibt es nicht mehr. Aber, sagt Frantzen: „ Jemand hat Interesse daran, den ‚Kardinal‘, einen Benediktiner-Kräuterlikör auch zukünftig herzustellen. Mal gucken, was daraus wird“, berichtet der Inhaber.

Gegenstände erhalten bei neuen Besitzern ein zweites Leben

Auf der Suche nach riesigen Fässern geht es auch in den ehemaligen Zoll-Raum, der gleichzeitig das Lager für die Fässer war. „Die Uhr möchte ich gerne haben“, erklärt ein potenzieller Käufer spontan. „Und ich nehme die drei Stehtische. Ich feiere gerne mal draußen Feten“, sagt ein anderer. Dr. Frantzen steigt auf die Leiter, nimmt die große, runde Wanduhr herunter und sagt: „Entscheiden Sie selbst, was Sie mir dafür geben wollen.“ Ein Geldschein wechselt den Besitzer und der neue Stehtischbesitzer kündigt an, dass er erst seinen Wagen holen muss, bevor er die Tische mitnehmen kann. „Ich wohne in Wermelskirchen und habe in der Zeitung gelesen, dass hier der Ausverkauf stattfindet“, berichtet er.

Die nächste Besucherin will wissen, was die kleine Glaslampe kostet: „Ich sammele sowas und habe schon eine ganze Vitrine voll davon“, sagt sie und packt das Lämpchen vorsichtig ein. „Mir wird hier alles unter dem Hintern weggekauft“, sagt Frantzen und lacht. Und weist auf weitere Verkaufsgegenstände hin. Dazu gehören beispielsweise ein Gabelstapler („Ameise“ von 1972), ein Schneepflug, Ölgemälde oder antike Bücher.

Kaffee und Kuchen zwischen alten Kesseln

Auf dem Gelände der traditionsreichen Brennerei an der Alten Freiheitstraße wird die Unternehmensgruppe Majestate aus Beckum eine sogenannte Verbundeinrichtung der Gesundheitsfürsorge errichten. Die eigentliche Destillerie wird bestehen bleiben und zu einem Café-Bistro mit Museumscharakter umfunktioniert. Zwischen hohen Kesseln soll es dann Kaffee und Kuchen geben. Viele Apparaturen sollen erhalten bleiben, und die Geschichte des Hauses erzählen.

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